Das jameda-Interview: 10 Fragen an Frau Dipl.-Psych. Katharina Lezoch

Dipl.-Psych. Lezoch

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© LezochFrau Lezoch ist Psychotherapeutin in Düsseldorf. (© Lezoch)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Katharina Lezoch interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Psychotherapeutin.

jameda: Frau Lezoch, was hat Sie motiviert, Psychotherapeutin zu werden?

Frau Lezoch: Der Mensch verfügt über ein einzigartiges Wunderwerk – nämlich das Bewusstsein. Wir sind die einzige Spezies auf unserem Planeten, die die Fähigkeit besitzt, zu reflektieren und sich selbst zu erkennen. Das fand ich schon als Kind faszinierend. Das menschliche Gehirn ist sehr komplex und bis heute nicht vollständig erforscht. Laut Albert Einstein benutzen wir nur 4 % unseres Potentials. Meine Motivation Psychotherapeutin zu werden, war dem Menschen zu mehr Lebensqualität, einem glücklichen und gesunden Leben und höherer Nutzung seines Potentials zu verhelfen.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? 

Frau Lezoch: Die Begegnung mit meinen Patienten, die Freude an Veränderungen sowie Gewinn an Lebensqualität.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Frau Lezoch: Psychotherapie erfordert nach wie vor viel Überwindung und ist oft mit Versagen und Scham verbunden. In unserer Gesellschaft spukt immer noch der Glaube: „Ich bin nur stark, wenn ich alles alleine schaffe“. Das ist ein großer Irrtum! Wenn ich z.B. eine erfolgreiche Firma führen möchte, muss ich als Chef lernen, Aufgaben zu delegieren und Experten zu fragen. Ohne Unterstützung hat eine Entwicklung keine Chance. Deshalb müssen wir dringend umdenken!

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Frau Lezoch: Zu Beginn der Therapie kläre ich Patienten darüber auf, dass es auch unangenehme Phasen in der Therapie geben wird. Ich unterstütze sie dann.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Frau Lezoch: Ihre Frage klingt nach einem klassischen Schulsystem. Ein Therapieplan ist kein rigides Konzept. Natürlich steht am Anfang jeder Therapie ein Plan mit konkreten Zielsetzungen. Mir ist jedoch wichtig, sich dem Prozess des Patienten im Laufe der Therapie anzupassen. In regelmäßigen Abständen werden die Fortschritte revidiert und der Therapieplan an die Wünsche des Patienten angeglichen.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Frau Lezoch: Das Gesundheitssystem würde ich grundsätzlich verändern wollen. Zum Beispiel würde ich mir wünschen, dass die Krankenkassen viel stärker präventive Maßnahmen unterstützen und den Versicherten mehr Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit vermitteln. Das System hat leider die Verantwortung dafür komplett übernommen.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Frau Lezoch: Besseres Stressmanagement und Selbstfürsorge für Fachkollegen, bessere telefonische Erreichbarkeit für die Patienten. Mehr Freundlichkeit!

© LezochEin Einblick in die Praxis für Psychotherapie Katharina Lezoch. (© Lezoch)jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Frau Lezoch: Mein Motto diesbezüglich lautet: „Weniger ist mehr“. Man braucht nicht zwangsläufig immer neue Methoden. Bei ganz neuen Methoden warte ich die Ergebnisse der Langzeitstudien ab, denn erst nach einer gewissen Zeit sind Auswirkungen und vor allem Nebenwirkungen sichtbar und messbar.

Aber auch die altbewährten Methoden wie Verhaltenstherapie, EMDR und Hypnose, die ich in meiner Arbeit erfolgreich anwende, entwickeln sich ständig. Außerdem sind die Effekte dieser Methoden in zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln gut belegt.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Lezoch: Jeder Mensch hat eine einmalige persönliche Geschichte. Das macht jeden meiner Patienten unvergesslich.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Frau Lezoch: Wir sollten unsere Fähigkeit dazu nutzen, um zu reflektieren und achtsam zu bleiben, damit wir uns selbst im Alltag nicht vergessen. Wir sollten auch Wege nutzen und Strategien lernen, mit dem so allgegenwärtigen Stress umzugehen. Denn unsere Veränderung hat einen großen Einfluss auf uns selbst und auf unsere Systeme (Beruf, Familie etc.). Wenn es uns gut geht, geht es auch anderen Menschen in der Umgebung besser. Seien Sie sich deshalb Ihrer Bedeutung und Verantwortung bewusst.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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