Wie hoch ist Ihr Alzheimerrisiko?

Bei der Alzheimer-Krankheit beschädigen Ablagerungen das Gehirn so stark, dass einfache Aufgaben im Alltag nicht mehr bewältigt werden können. (© bilderstoeckchen - fotolia)

In Deutschland leben schätzungsweise 1 Million Menschen mit der Diagnose Alzheimer. Welche Risikofaktoren diese Form der Demenz begünstigen können, berichtet die jameda Gesundheitsredaktion in diesem Gesundheitsspecial.

Alzheimer: Das Gehirn schrumpft um bis zu 20 %

Die Alzheimer-Krankheit zählt zu den neurodegenerativen Demenz-Erkrankungen. Dabei wird die Großhirnrinde durch Ablagerungen von Amyloid-Plaques und Tau-Proteinen geschädigt, Nervenzellen gehen unter und die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin ist gestört. Betroffene verlieren so ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Ihr Erinnerungs-, Sprach- und Denkvermögen nimmt ab, sie können einfache Dinge des Alltags nicht mehr bewältigen. Ihre Persönlichkeit verändert sich, Gefühlsstörungen treten auf. Alzheimer-Patienten werden apathisch, eine Kommunikation mit anderen Menschen ist nicht mehr möglich. Schließlich ist das Gehirn so geschädigt, dass selbst automatische Reflexe wie Schluckbewegungen nicht mehr ausgelöst werden können. Die Erkrankung schreitet langsam vorwärts, durchschnittlich leben Alzheimer-Patienten nach der Diagnosestellung noch acht Jahre.

Welche Faktoren erhöhen das Alzheimer-Risiko?

Die Ursache für die Entstehung von Alzheimer ist unbekannt, die Krankheit ist bisher nicht heilbar. In Studien hat man jedoch eine Reihe von Risikofaktoren erkannt, die eine Alzheimer-Erkrankung begünstigen können. Dazu gehören die nicht beeinflussbaren Faktoren wie höheres Alter, genetische Veranlagung und erlebte Schädel-Hirn-Traumen. Beeinflussbare Risikofaktoren sind ein schlecht eingestellter Bluthochdruck und Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, Depression, Rauchen und eine geringe geistige Aktivität.

Höheres Lebensalter und genetische Veranlagung

Das Risiko an Alzheimer zu erkranken steigt mit dem Lebensalter stark an, 98 % der Erkrankungen treten bei Menschen über 65 Jahren auf. Die frühe Alzheimer-Form, die vor dem 60. Lebensjahr eintritt, ist selten. Sie gilt als genetisch begünstigt, man hat dabei verschiedene Genmutationen u. a. auf den Chromosomen 1, 14 und 21 ausgemacht. Über Gentests kann man prüfen, ob derartige Veränderungen im Erbgut vorliegen. Dies kann sinnvoll sein, wenn in der Familie schon Fälle der frühen Alzheimer-Form aufgetreten sind, um eine frühestmögliche Behandlung einzuleiten. Die Gentests sind jedoch umstritten, da Alzheimer bisher nicht heilbar ist und die positiv getesteten Personen mit dem Wissen um ihr Erkrankungsrisiko ohne Aussicht auf Heilung leben müssen.

Diabetes und oft damit verbundenes Übergewicht sind Faktoren, die das Alzheimerrisiko erheblich erhöhen. (© Minerva Studio - fotolia)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes

Ein nicht behandelter Bluthochdruck im mittleren Lebensalter erhöht das Risiko an Alzheimer zu erkranken. Dabei ist zu beachten, dass Bluthochdruck gerade im Anfangsstadium oft nicht bemerkt wird, weil er noch keine Symptome hervorbringt. Eine regelmäßige Überprüfung der Werte kann einen versteckten Bluthochdruck aufdecken. Auch einem erhöhten Blutzuckerspiegel bei Diabetes muss entgegen gewirkt werden, um das Alzheimer-Risiko zu reduzieren. Gepaart mit Hypertonie und Diabetes liegen oft Übergewicht, Bewegungsmangel und ein erhöhter Cholesterinspiegel vor. Besonders das übermäßige Bauchfett entwickelt hier mit der Zeit ein hormonelles Eigenleben, das die Stoffwechsellage des Körpers verschlechtert.

Geringe geistige Aktivität führt zu schnellerem Abbau im Alter

Menschen, die geistig wenig gefordert sind, trainieren ihr Gehirn nicht ausreichend, um sich gegen einen Abbau des Gehirns im Alter zu schützen. So sind Menschen mit niedrigerem Bildungsstand häufiger von Alzheimer betroffen als solche mit hohem Bildungsniveau.

Depression als Risikofaktor für Alzheimer

Das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung erhöht sich, wenn Betroffene im mittleren Lebensalter eine Depression durchlebt haben. Man vermutet, dass u. a. der zurückgezogene Lebensstil und die abnehmenden sozialen Kontakte den Abbau des Gehirns beschleunigen.

Rauchen fördert den geistigen Abbau

Auch Rauchen gilt als maßgeblicher Risikofaktor. Raucher erkranken zweimal wahrscheinlicher an Alzheimer als Nichtraucher. (© Knut Wiarda - fotolia)
Tabakrauch verschlechtert durch das gefäßverengende Nikotin die Sauerstoffversorgung des Körpers, die Schadstoffe belasten das Lungengewebe und Immunsystem. Studien haben gezeigt, dass sich das Risiko für Alzheimer durch Tabakkonsum gegenüber Nichtrauchern verdoppelt.

Wie kann man gegen Alzheimer vorbeugen?

Vorbeugung gegen Alzheimer ist umso effektiver, je früher man damit beginnt. Wer bereits im jungen bis mittleren Lebensalter die Risikofaktoren reduziert, sorgt bestmöglich vor:
• Runter mit dem Bluthochdruck: Leicht erhöhten Blutdruck kann man oft schon durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten senken. Dazu gehört eine sportliche Betätigung und ausgewogene Ernährung. Wer dies nicht schafft, muss seinen Blutdruck medikamentös auf Werte unter 140/90 mm Hg einstellen lassen.
• Weg mit dem Bauchspeck: Mit Übergewicht gehen meist weitere Risikofaktoren einher wie (drohender) Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. Der Verzicht auf tierische Fette und Zucker lässt oft schon die Pfunde purzeln.
• Gesundheitsbewusster Lebensstil: Zigaretten sollte man aufgeben, auch Alkohol sollte man nur in Maßen genießen, um das Risiko für Alzheimer zu senken. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf ergänzen eine gesunde Lebensführung.

Tägliche Bewegung hält nicht nur fit, sondern trägt auch entscheidend dazu bei Alzheimer vorzubeugen. (© Syda Productions - Fotolia)
Tägliche Bewegung: Wer regelmäßig Sport treibt, wappnet sich gut gegen Demenz. Ideal sind Sportarten, die zusätzlich zu Ausdauer und Kraft auch Geschicklichkeit und Beweglichkeit trainieren.
• Gehirnjogging hält fit: Ein Beruf, der die Gehirnzellen fordert, verschafft geistige Beweglichkeit bis ins hohe Alter. Aber auch in der Freizeit und im Ruhestand sollte man nicht nur Kreuzworträtsel lösen, sondern sich wechselnden Herausforderungen stellen: Ein Instrument spielen, eine Sprache lernen, viel lesen, Vorträge und Museen besuchen …
• Wer gesellig ist, bleibt geistig rege: Spieleabende, Diskussionsrunden oder Urlaube in der Gruppe - Kontakte zu anderen Menschen schützen vor Vereinsamung und halten das Gehirn auf Trab.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 8

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (0)

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?