Das jameda-Interview: 10 Fragen an Dr. med Reingard Herbst, Chefärztin in der Nescure Privatklinik am See

Nescure Privatklinik am See

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©Dr. HerbstFrau Dr. Herbst ist Chefärztin der Nescure Privatklinik am See. (©Dr. Herbst)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. med Reingard Herbst interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Chefärztin in der Nescure Privatklinik am See.

jameda: Frau Dr. Herbst, Sie sind Chefärztin in der Nescure Privatklinik am See. Was lieben Sie an Ihrer Arbeit und was sind die größten Herausforderungen im Klinikalltag?
Frau Dr. Herbst:  Was ich liebe, sind auch genau die größten Herausforderungen - nämlich, mich immer auf den jeweiligen Patienten und seine ganz spezifischen Bedürfnisse einzustellen und ihn mit Empathie und Engagement auf dem Weg in unserer Klinik so begleiten zu können, dass er sich angenommen fühlt und für sich den bestmöglichen Nutzen aus der Therapie ziehen kann.

jameda: Was motiviert Ihr Team bei der täglichen Arbeit?
Frau Dr. Herbst: Das sind die Herausforderung und die Verantwortung den Patienten gegenüber. Jeder, der zu uns kommt, ist hochmotiviert, seine Sucht zu überwinden und diese Motivation steckt an. Zusätzlich haben wir eine tolle Atmosphäre im NESCURE® Team. Jeder Mitarbeiter arbeitet mit so viel Freude und Engagement - so hält man den Arbeitsstress gut aus.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Klinik, das Sie nie vergessen werden?
Frau Dr. Herbst: Jeder Patient ist einzigartig und wir freuen uns natürlich immer, wenn wir Menschen in aussichtslosen Situationen helfen können. Es ist immer wieder schön anzusehen, dass es allen Patienten in der Entgiftungsphase nach kurzer Zeit richtig gut geht. Hier hilft die Neuro-Elektrische Stimulation ganz besonders. Bei einem Patienten ging sogar sein Tremor (Handzittern) weg – dies war der Grund, warum er überhaupt mit dem Trinken angefangen hatte. Eine zweite Patientin, die ich fast aufgegeben hatte, da sie stark abhängig war und eine schlechte Sozialprognose hatte, ist nun schon drei Jahre clean, macht eine Ausbildung und führt ein ganz normales Leben. Für solche Ergebnisse arbeiten wir.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Wie geht die Nescure Privatklinik am See mit Patienten in solchen Situationen um? 
Frau Dr. Herbst: Es ist meine Aufgabe und die der Therapeuten, Durchhaltevermögen durch die Vermittlung von Zuversicht, Zukunftsorientierung, Lösungsansätzen und der Stärkung des eigenen Selbst zu erwecken.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Frau Dr. Herbst: In der Empathie den Patienten gegenüber. Dieser Aspekt ist viele Jahre als nicht schicklich angesehen worden. Inzwischen wissen wir - auch in der Ärzteschaft und vor allem in der Suchttherapie - dass diese oft der Schlüssel zum Patienten und damit auch zur Hilfe ist.

jameda: Was war die letzte große Veränderung in Ihrer Klinik?
Frau Dr. Herbst: Dass wir von der reinen Entwöhnungsklinik zur Akut- und Entwöhnungsklinik wurden und dass wir ein sehr rundes Team an Therapeuten haben, die alle gängigen Therapieangebote und auch Angebote aus den Bereichen Sport und Entspannung einbringen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Frau Dr. Herbst: Dass Patienten grundsätzlich davon ausgehen, dass man ihnen sowieso nicht zuhört und man keine Zeit für sie hat.

©Klinik Dr. HerbstDie Nescure Privatklinik hat Ihren Sitz in Bad Bayersoien. (©Klinik Dr. Herbst)jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Frau Dr. Herbst: Ich versuche dem Patienten durch Zuwendung und Erklärung die Einsicht zu vermitteln, warum er diesen Plan einhalten soll. Manchmal braucht es auch einer konstruktiven Diskussion.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Frau Dr. Herbst: Den Unsinn abschaffen, dass jeder Arzt ziemlich viel Diagnostik macht, die z.T. ohne Konsequenz bleibt und die dann übrigen Mittel in eine bessere Gleichbehandlung der Patienten stecken. Ich würde vor allem das Gespräch viel besser bezahlen, denn das ist die Basis jeder Therapie.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Frau Dr. Herbst: Wichtig ist gutes Essen sowie gutes Trinken, ausreichend Bewegung, Alltagsstruktur, Freunde und soziale Kontakte. Und ganz wichtig: Tun Sie das, was Sinn und Spaß macht!

 

Zur Person

  • Dr. med. Reingard Herbst
  • Geboren 1959
  • Studium der Humanmedizin, Promotion
  • Allgemeinmedizinerin in eigener Privatpraxis für Naturheilverfahren, Suchttherapie, Ernährungsmedizin und Entwicklungsneurologie und zur Ausbildung von Heilpraktikern.
  • Chefärztin der NESCURE® Privatklinik am See.

Zur Klinik
Die NESCURE® Privatklinik am See ist spezialisiert auf die therapeutische Behandlung von Alkohol- und Tablettenabhängigkeit und Erschöpfungskrisen (Burnout). Wir behandeln mit bewährten, klassischen Methoden der Psychotherapie, verhaltenstherapeutisch, systemisch und individuell auch trauma- und körpertherapeutisch.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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