Das jameda-Interview: 7 Fragen an Dr. med. Sabine Ott-Oechsle info_plain_20gr

Dr. med. Sabine Ott-Oechsle hat sich auf Kopf- und Nackenschmerzen spezialisiert. (© Dr. med. Ott-Oechsle)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. med. Sabine Ott-Oechsle interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Neurologin.


jameda
: Frau Dr. Ott-Oechsle, was hat Sie motiviert, Neurologin zu werden und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Neurologie befasst sich mit den Krankheiten des Gehirns, des Rückenmarks, der Wirbelsäule, den Muskeln und der kompletten Nervenversorgung jedes körperlichen Bereiches. Inklusive der daraus entstehenden Schmerzen. Somit ist es ein extrem vielseitiges Fachgebiet.

Dennoch kann durch eine gründliche Befragung und eine sorgfältige Erhebung des neurologisch-körperlichen Befundes meistens gesagt werden, in welchem Bereich der oben genannten Strukturen die Ursache der Beschwerden liegt.

Nachfolgend kann gezielt durch Bildgebungen, z. B. durch MRT-Untersuchungen und auch technische Messungen /Ultraschalluntersuchungen, die Diagnose gesichert werden. Neurologie ist wie ein Puzzle, es müssen die einzelnen Teile zusammenpassen. Dann ergibt sich oft ein klares Bild. Das hat mich schon von Anfang an fasziniert.

 

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Mein Schwerpunkt ist seit vielen Jahren die Ursachenklärung von Kopf- und Nackenschmerzen, die Intensivbehandlung der Migräne und eine ausführliche Schwindelabklärung inkl. Behandlung.

Meine Lieblingsuntersuchung ist die Sonographie der Arterien am Hals und Nacken und im Gehirn zum Ausschluss von Durchblutungsstörungen im Gehirn.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Im Studium, bei der Hospitation in der Allgemeinarztpraxis, waren es Dr. Griesberg Stüber und Dr. Uwe Pajakowski. Beide erkannten schnell das Wesentliche und boten jedem Patienten eine pragmatische Behandlung an. Ihr Motto: gezielt befragen und untersuchen und dem Patienten immer eine Lösung anbieten.

Während meiner Assistenz im OP der Herzchirurgie waren es die Herzchirurgen. Sie taten alles, was in ihrer Macht stand, um das Leben der Patienten zu retten. Im Besonderen Oberarzt Dr. Bayer und Chefarzt Prof. Dr. Andreas Hannekum sind mir im Kopf geblieben. Ihr Motto: GIB NIEMALS AUF!

In meiner Facharztweiterbildungszeit in der Fachklinik für Neurologie Dietenbronn war es Prof. Dr. Erich Mauch, denn er bewahrte auch bei hochkomplizierten Patienten den Überblick und agierte mit großer Besonnenheit. Sein Motto: erstmal in Ruhe nachdenken.

In meiner Assistenzzeit im ZfP Bad Schussenried, geschlossene Abteilung für akute Fälle, beinflussten mich der Oberarzt Dr. Moser und der Chefarzt Dr. Rudolf Metzger. Mit unglaublicher Geduld und Empathie gingen sie mit hochpsychotischen und dadurch auch gewalttätigen Patienten um. Ihr Motto: Cool down, nur so kann dem Patienten geholfen werden.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Aktuell der Online-Terminkalender von jameda. Ich habe keine Arzthelferin. Nur wenn ich in der Praxis bin und in keiner Behandlung, kann ich Telefonate entgegennehmen. Per Online-Buchung erreichen mich die Patienten praktisch immer.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Der eklatante Mangel an Neurologen in Deutschland. Ich suchte jahrzehntelang wegen Überarbeitung zunächst einen Partner, später dann einen Nachfolger für meine Kassenarztpraxis. Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Die Kliniken suchen händeringend nach Neurologen. Die Hausärzte haben ihre Not bzgl. eines Termins beim Neurologen. Auch werden viele gebrechliche Senioren, denen man rechtzeitig durch gezielte Verordnung von Medikamenten und geriatrische Komplexbehandlungen wirklich weiterhelfen könnte, sich selbst überlassen. Es gibt schlichtweg zu wenig Neurologen, die sich um alle neurologisch erkrankten Menschen in Deutschland ausreichend kümmern könnten. 

Die Praxis befindet sich in einem Schloss. (© Dr. med. Ott-Oechsle)


jameda
: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Ich widme dem Patienten meine ganze Aufmerksamkeit. Suche wenn irgendwie möglich nach dem Kern, dem Wesentlichen des Problems. Ich erkläre dem Patienten meine Befunde verständlich. Ich suche mit ihm nach einer gangbaren Behandlung und kümmere mich um weitere Termine bei Fachkollegen oder in der Radiologie, falls wir eine Bildgebung brauchen.

Ich glaube, dass meine Empathiefähigkeit, mein Humor und auch meine Fröhlichkeit (wenn es der Zustand des Patienten erlaubt) den Patienten ermuntern, auch Dinge in seinem Leben zu verändern. Mir geht es oft um ein Umdenken, um eine Korrektur des Lebensstils. Die Patienten spüren, dass ich sie mit all ihren Beschwerden ernst nehme.


jameda
: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Frau Dr. med. Ott-Oechsle: Dass sie mir sehr schnell und voll vertrauen. Das macht mich glücklich.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 0

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?