Übersäuerung, Vitamin D, Serotonin: Führt ein Ungleichgewicht im Darm zu Depressionen?

Frau Effmert

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© MaleWitch - iStockWie werden Depressionen ausgelöst? Ein Ungleichgewicht kann die Ursache sein! (© MaleWitch - iStock)Balance ist eine Voraussetzung für Gesundheit. Ist der Organismus ausgeglichen, geht es uns gut. Dysbalancen sind hingegen Ursachen für Erkrankungen und seelische Probleme, wie beispielsweise Depressionen.

Wann spricht man von einer Depression?

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich in vielen Facetten äußern kann. Gedrückte Stimmung, Antriebs- und Schlaflosigkeit oder Appetitmangel sind nur einige Symptome, die auf eine Depression hindeuten.

Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Deutschland etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einer Depression leiden. Bleibt sie unbehandelt, geraten Betroffene immer mehr in eine Spirale von Hilflosigkeit und Verzweiflung. 

Für eine nachhaltige Therapie ist es entscheidend, zunächst die Ursache zu finden. Obwohl bei der Depression die Psyche im Mittelpunkt steht, können die Auslöser rein körperlich und damit messbar sein, beispielsweise durch eine Vitalstoffanalyse.


Übersäuerung des Körpers

Der tägliche Speiseplan hält eine Vielzahl von Lebensmitteln bereit. Zu ihnen gehören säurebildende und basenbildende Produkte. Wenn der Körper während der Verdauung mehr saure als basische Bestandteile aus dem jeweiligen Lebensmittel gewinnt, handelt es sich um einen Säurebildner. Dazu gehören Lebensmittel mit tierischen Eiweißen, wie beispielsweise Schweinefleisch, aber auch Eier und Fisch sowie bestimmte Käsesorten wie Parmesan. Entstehen beim Abbau von Speisen hingegen mehr basische als saure Produkte, sprechen wir von Basenbildnern. Dazu gehören Obst und Gemüse.

Ziel des Körpers ist es, den pH-Wert des Blutes bei etwa 7,4 zu halten. Sinkt er nur minimal, liegt eine Übersäuerung vor. Kurzfristigen Ausgleich schafft der Körper über die Atmung und die Nieren. Eine dauerhafte Übersäuerung sollte jedoch vermieden werden.

Bei hoher Säurelast steigt zum Beispiel der Anteil des Stresshormons Cortisol. Basische Mineralien werden aus Knochen und Muskeln abgezogen, um einen Ausgleich herzustellen. Die übezähligen Säuren lagern sich wiederum in Knochen, Muskeln und Bindegewebe ab. Kommen noch übliche Alltagsbelastungen wie Überanstregung und Stress hinzu, geraten Betroffene schnell in einen Teufelskreis. Nicht nur das Krankheitsempfinden, sondern vor allem die Antriebslosigkeit wirken sich negativ auf die Psyche aus und können eine Depression auslösen.


Auf das Buchgefühl hören

Das sprichwörtliche „Bauchgefühl“ war schon immer ein guter Ratgeber. Es kann uns sogar vor Angst und Depressionen schützen - vorausgesetzt, wir verstehen die Informationen. Grund für das enge Zusammenspiel von Bauch und Gehirn ist das Nervensystem.

Tatsächlich gibt es in unserem Körper ein "zweites Gehirn": Es handelt sich um das enterische Nervensystem, kurz ENS. Es ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen und Leistungsbahnen, das den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Zuständig ist es für Verdauungsprozesse, wie Darmbewegungen, die Aufnahme von Nährstoffen und die Durchblutung.

Völlig unabhängig arbeitet es nicht. Wie fast alle Körperfunktionen ist es von Sympathikus und Parasympathikus abhängig. Doch es gibt noch eine weitere Verbindung zum Gehirn und damit dem Zentralen Nervensystem (ZNS).

© yuriyzhuravov - fotoliaDie Psyche und die Funktion innerer Organe sind eng miteinander verknüpft. (© yuriyzhuravov - fotolia)Das merken wir in verschiedenen Situationen: Wenn wir uns über etwas freuen oder verliebt sind, dann sprechen wir von "Schmetterlingen im Bauch". Geht es uns hingegen schlecht, schlägt uns etwas auf den Magen. Psyche und organisches Empfinden sind in beide Richtung rückgekoppelt, also auch vom Darm zum Gehirn. Über den Nervus vagus, den zehnten Hirnnerven, kommunizieren ENS und ZNS miteinander. Und das bedeutet: Geht es dem einen System schlecht, hat das Auswirkungen auf das andere System.

Wie eng Glück und Depressionen miteinander verbunden sind, zeigt sich am sogenannten Glückshormon Serotonin. Das enterische Nervensystem besitzt eine größere Menge davon als das Gehirn. Serotoninmangel im Gehirn gilt als Auslöser für Ängste und Depressionen. Der Darm kann diesen Mangel ausgleichen, also unterstützend auf das Gehirn einwirken. Allerdings nur, solange dort genug gebildet wird. Ein möglicher Ansatz zur Therapie einer Depression ist also, den Fokus auch auf den Darm, die Darmbakterien und damit die Ernährung zu legen.


Ein Vitamin bringt Licht ins Dunkel

Vitamin D kann der Körper mit Hilfe von Sonnenlicht produzieren. Es ist wichtig für gesunde Knochen und gute Muskelkraft. Studien haben gezeigt, dass Vitamin-D-Mangel auch ein Risikofaktor für die Entstehung einer Depression sein kann. Je ausgeprägter der Mangel an Vitamin D ist, desto stärker zeigten sich bei einigen Untersuchten die Symptome ihrer Depression.

Diese Beobachtung erscheint umso nachvollziehbarer, betrachtet man die im Volksmund bekannte "Winterdepression". Wenn die Tage kürzer werden, erhält der Körper weniger Sonnenlicht und kann dadurch weniger Vitamin D produzieren.

Eine Studie zeigte, dass sich der Zustand Depressiver deutlich verbesserte, wenn Vitamin D gegeben wurde. Auch weitere Untersuchungen konnten belegen, dass eine enge Verbindung zwischen Vitamin-D-Mangel und einer Depression besteht. Fehlt das Vitamin, wird die Regulation des bereits erwähnten Glückshormons Serotonin gestört. Zudem können Dopamin und Noradrenalin nicht mehr richtig verwertet werden.


Objektive Analyse als Grundlage nachhaltiger Therapie

Ungleichgewichte innerhalb des Organismus können nicht nur zu körperlichen Beschweren führen. Häufig sind sie die Ursache für psychische Erkrankungen wie Ängste und Depressionen. Umso wichtiger ist es, diese möglichen Ursachen in der Anamnese zu berücksichtigen.

Möglich ist das durch eine Vitalstoffanalyse. Sie liefert objektive Anhaltspunkte für eine weitergehende gezielte Behandlung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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