Erythrophobie - die Angst vor dem Erröten: Ursachen & was Sie tun können

Ein plötzliches Erröten kann in den verschiedensten Situationen vorkommen. (© freepik-diller - freepik)

Sie sitzen in einer Seminarrunde, und jeder soll sich kurz vorstellen. 

  • „Hoffentlich werde ich nicht rot, wenn ich dran bin.“
  • „Bitte, lass mich nicht schon wieder rot werden.“
  • „Bestimmt werde ich wieder rot, obwohl es dafür eigentlich gar keinen Anlass gibt.“ 

Oder Sie sitzen in kleiner Runde gemütlich zusammen, plötzlich stellt Ihnen Einer aus der Runde eine harmlose aber interessante Frage und alle sind an Ihrer Antwort interessiert. Alle hören Ihnen zu und Sie merken, wie Ihnen die Röte ins Gesicht steigt. Hinterher ärgern Sie sich über sich selbst, verstehen nicht, was da passiert ist. Wohlmöglich beschimpfen Sie sich, weil Sie sich so schnell aus dem Gleichgewicht bringen lassen. 

Vielleicht haben Sie auch schon angefangen, mögliche Situationen, in denen Sie rot werden könnten, zu vermeiden und Ihr Leben einzuschränken? Dann lohnt es sich, dieses Phänomen genauer zu beleuchten, denn es leiden sehr viele Menschen darunter.


Was passiert genau, wenn ich erröte? 

Das Erröten an sich ist eine Reaktion auf den Stress in unserem Körper. Wenn wir gestresst sind, steigt unsere Körpertemperatur an. Um diesen Temperaturanstieg wieder auszugleichen, weiten sich unsere Blutgefäße. Und wenn sich die Blutgefäße weiten, wird die Haut röter und wärmer.


Warum erröte ich so schnell und andere nicht?

Da kommen mehrere mögliche Ursachen zusammen.

Jeder Mensch hat eine andere „Stressbereitschaft“, eine unterschiedliche Grundanspannung. Das ist zum einen Typsache, zum anderen aber auch Prägung aus der Kindheit.

Die Dicke unserer Haut spielt eine Rolle. Wer sprichwörtlich „dünnhäutig“ ist, der wird schneller sichtbar rot.

Unser Lebensstil hat eine Auswirkung auf die Durchblutung der Haut. Dazu gehören

  • ungesunder Lebensstil
  • zu wenig Schlaf
  • Kaffee
  • Alkohol
  • scharfes Essen

Beim Erröten spielt die psychische Komponente eine sehr starke Rolle. 

Oft liegt es an Situationen aus der Vergangenheit – an die wir uns im Zweifel gar nicht mehr erinnern können – oder auch Glaubenssätzen aus der Kindheit wie „Fall bloß nicht unangenehm auf.“. Sie führen dazu, dass bestimmte Situationen uns die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen.

Auch die Zeit der Pubertät, in der sowieso Vieles peinlich und schambehaftet ist, kann für die Erythrophobie verantwortlich sein. Und wenn sich dann noch jemand darüber lustig gemacht hat, dass wir rot werden, hat die Angst vor dem Erröten ein leichtes Spiel. 

Es kann auch nur ein einziges traumatisches Erlebnis sein, das zum Rotwerden führte: 

  • Sie haben beim Gedicht aufsagen vor der Klasse den Text vergessen.
  • Jemand hat sich lustig gemacht über Ihre Größe, Ihr Aussehen, Ihr Verhalten.
  • Ihnen ist ein Missgeschick passiert und alle haben gelacht.

Wenn Sie darüber hinaus von Natur aus ein eher schüchterner Mensch sind, kann das ausreichen, um die Angst vor dem Erröten zu manifestieren.


Erröten = Kontrollverlust

Schüchterne Menschen fühlen sich oft unsicher und möchten diese Unsicherheit verbergen. Wer rot wird, kann sich aber nicht mehr hinter einer coolen Fassade verstecken. Die Unsicherheit wird offensichtlich. Und das verstärkt wiederum die Angst. Denn das Erröten wird nun auch noch als Kontrollverlust erlebt: Mein Körper tut etwas und ich kann nichts dagegen machen.


In welchen Situationen tritt ein Erröten am häufigsten auf? 

  • wenn man im Mittelpunkt steht
  • wenn man etwas als „peinlich“ erlebt
  • durchaus auch bei Lob und Anerkennung
  • beim Sprechen vor einer Gruppe
  • im Kontakt mit fremden Menschen
  • im Kontakt mit dem anderen Geschlecht

Wenn die Errötung aus psychischen Ursachen entsteht, kann eine Psychotherapie dabei helfen, damit umzugehen. (© mkrberlin - fotolia)
Was kann man tun, wenn man unter der Angst vor Erröten leidet?

Ganz wichtig: Fangen Sie nicht an, dagegen zu kämpfen. Je mehr Sie sich sagen: „Ich darf nicht erröten!“, umso mehr heizen Sie das Thema an. Alles, was wir bekämpfen, wird stärker. Die Ursache für das Erröten liegt im Unterbewussten und das können wir durch unseren bewussten Verstand nicht beeinflussen. 

Jeder Klient hat seine ganz individuelle Geschichte. In der Therapie geht es darum, diese genau zu durchleuchten und zu verstehen. Dabei ist es sehr hilfreich zu erkennen und zu verstehen, was unser Körper uns mitteilen möchte. Besonders empfehlenswert ist dabei eine Hypnosetherapie. Durch sie ist es möglich, die Ursache des Errötens zu erkennen und zu transformieren.

Oft stecken wir in uralten Mustern fest, die wir nicht einmal mehr benennen können. Eine Regression – eine Zeitreise zurück in unser vergangenes Leben – kann diese alten Muster aufdecken. Die Zeitreise kann sie auf tiefer Ebene jenseits des bewussten Verstandes verändern.


Was ist sonst noch zu beachten?

Wichtig ist, einmal über das eigene Selbstbild nachzudenken. Möchte ich wirklich der starke, perfekte, fehlerfreie Mensch sein, dem kein Missgeschick passieren darf? Oder erkenne ich mich so an wie ich tatsächlich bin?

Je authentischer wir durchs Leben gehen, je weniger Angst wir vor den eigenen Fehlern, Schwächen und Unsicherheiten haben, umso mehr Gelassenheit können wir auch zulassen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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