Das jameda-Interview: 10 Fragen an Frau Dr. med. Jarmila Mahlmeister

My Way Betty Ford Klinik

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© MahlmeisterFrau Dr. Mahlmeister ist als Allgemeinmedizinerin in der My Way Betty Ford Klinik in Bad Brückenau tätig. (© Mahlmeister)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. Mahlmeister interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Allgemeinmedizinerin.

jameda: Frau Dr. Mahlmeister, was hat Sie motiviert, Allgemeinmedizinerin zu werden?

Frau Dr. Mahlmeister: Ich wusste bereits sehr früh, mit ca. fünf Jahren, dass ich Ärztin werden wollte. Etwas anderes ist für mich nie in Frage gekommen. Die Fachdisziplin hat sich zwar im Laufe der Ausbildung und Assistenzzeit geändert, aber Arzt sein ist für mich eine Berufung. Das lebe ich.

jameda: Was macht Ihnen im Klinikalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Frau Dr. Mahlmeister: Die meiste Freude macht mir die Arbeit mit den Patienten. Sehen zu dürfen, wie Hilfe ankommt, wie manche Erkrankung durch medizinische Unterstützung oder Wissensvermittlung leichter getragen wird, ist erfüllend. Es kommt nach wie vor sehr viel von den Patienten zurück.

Die größte Herausforderung ist einerseits, die Balance zwischen der Hingabe an den Beruf und der Selbstfürsorge und der Familie zu halten. Auf der anderen Seite steht die Versorgung der Patienten an erster Stelle und nicht die Bürokratie. Ein diszipliniertes Zeitmanagement ist dabei ein absolutes Muss.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Klinik?

Frau Dr. Mahlmeister: Vorurteile sind in der Suchtmedizin an der Tagesordnung. „Unbekannt ist unbeliebt“. Wir haben es in der Regel - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - mit wunderbaren Menschen zu tun, die eine schwere chronische Erkrankung tragen müssen. Oft geht diese Suchterkrankung mit schweren Schicksalsschlägen, einer problematischen Kindheit oder Begleiterkrankungen einher. Die Folgen sind oft verheerend und geben das Bild ab, das man in der Öffentlichkeit kennt und beurteilt.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Frau Dr. Mahlmeister: Sucht ist eine chronische, unheilbare und demzufolge eine lebenslange Erkrankung. Somit verlangt sie immer viel Kraft und Durchhaltevermögen. Es ist geradezu das oberste Ziel unserer Klinik, Patienten auf diesem Weg mit allen Schwierigkeiten, die dazu gehören, zu begleiten. Das bedeutet immer, Respekt, Verständnis und Geduld zu vermitteln, ohne die Zuversicht zu verlieren.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Frau Dr. Mahlmeister: Patienten sind Menschen mit einer eigenen Erfahrungen und Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit. Jeder Mensch hat das Recht, seine Genesung auf die eigene Art und Weise herbeizuführen, wie er es in seinem Weltbild für richtig hält. Ob das medizinisch immer der richtige, schnellste oder effektivste Weg ist, mag dahingestellt sein. Gerade in der Suchtmedizin benötigen Patienten oft negative Erfahrungen, um daraus lernen, umdenken und wachsen zu können. Sie auf diesem Weg zu begleiten, ist unsere Aufgabe.

© MahlmeisterDer Empfangsbereich lädt in die angenehme Atmosphäre der My Way Betty Ford Klinik ein. (© Mahlmeister)jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Frau Dr. Mahlmeister: Als allererstes würde ich eine große Kampagne starten, um mehr fundierte Informationen über Suchterkrankungen zu vermitteln und somit mehr Toleranz und Respekt in der Bevölkerung zu erzeugen.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Frau Dr. Mahlmeister: Meiner Meinung nach sind Ärzte oft wenig kritikfähig. Aber auch Ärzte sind nur Menschen und dürfen Fehler machen. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. An dieser Stelle würde ich mir einen offenen, konstruktiven Dialog unter den Kollegen und mit den Patienten wünschen.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Frau Dr. Mahlmeister: Wir verwenden hauptsächlich die älteste, stärkste und gleichzeitig sanfteste Therapieform, die es gibt - das Wort.

Sie wird selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft und mit einer medikamentösen Therapie und Gerätschaften kombiniert, wie der Neuroelektrischen Stimulation oder dem EMDR- Verfahren.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Dr. Mahlmeister: Es gibt viele schöne Erlebnisse, die ich mit unseren Patienten bisher erleben durfte. Sie beruhen meistens auf medizinischen Erfolgen, die erzielt werden konnten, aber natürlich auch darauf, dass wir es gerade in der Suchtmedizin oft mit schweren Schicksalen zu tun haben. Nicht zuletzt, weil wir über einen Zeitraum von vier Wochen sehr intensiv – teilweise fünfmal pro Woche Einzeltherapie – mit unseren Patienten arbeiten, entsteht eine starke therapeutische Bindung. So bleiben uns unsere Patienten gut in Erinnerung.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Frau Dr. Mahlmeister: Ich mag Gesundheitstipps ehrlich gesagt nicht besonders. Das klingt immer nach Ratgeber und Besserwisser. Vielmehr wünsche ich unseren Lesern, dass sie ihren eigenen Weg finden, um ihre Gesundheit wiederzuerlangen und zu erhalten. Dabei sollen sie von Menschen begleitet werden, die zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte finden und das Richtige tun.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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