Das jameda-Interview: 8 Fragen an Frau Nora Spaniol

Frau Spaniol praktiziert als Psychologin in Saarbrücken. (© Spaniol)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Nora Spaniol interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Psychologin.

jameda: Frau Spaniol, was hat Sie motiviert, Psychologin zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden? 

Frau Spaniol: Das individualpsychologische Menschenbild und die positive Einstellung dem Leben gegenüber haben mich von Anfang an berührt. Sie haben mich dazu gebracht, nach meinem Psychologiestudium eine Ausbildung zum tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeuten zu absolvieren. Die Idee, Menschen psychotherapeutisch zu begleiten, bis diese selbstbestimmt ihr Problem erkennen und lösen, inspiriert mich täglich.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht ihn so besonders?

Frau Spaniol: Ich bin Psychologin und arbeite als individualpsychologische Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Menschen, die in verschiedenen Lebensphasen mit individuellen, seelischen Problemen kämpfen.

Auf Augenhöhe versuche ich, den Klienten Sichtweisen zu zeigen, die ihnen nicht bewusst waren, die aber oft Wege aus der Dunkelheit sein können. Das Schöne an der Individualpsychologie ist es, dass sie die ganze Lebenszeit eines Menschen umfasst.

Das heißt, dass in diese Spanne sowohl die Schwierigkeiten eines Kindes als auch die eines alten Menschen fallen. Das ist gleichzeitig sehr komplex und sehr spannend.

jameda: Gibt es ein medizinisches Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Frau Spaniol: Alfred Adler war der Begründer der Individualpsychologie. Mich inspiriert nicht nur seine zeitlose humanistische Psychologie-Theorie, sondern auch er als Mensch. Er war ein Visionär, blieb aber sehr bescheiden. Andere Denker seiner Zeit haben ihre Lehren publiziert und ihre Lebenszeit gewidmet, um der Nachwelt ihre Theorie und ihren Namen zu hinterlassen.

Alfred Adler hat sich selbst nicht in den Vordergrund gestellt. Vielleicht haben deshalb unzählige nachfolgende Psychotherapierichtungen im vergangenen Jahrhundert die Individualpsychologie als Inspiration verwendet.

jameda: Gibt es in der Gegenwart Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Frau Spaniol: Die Online-Präsenz hat unseren Praxis-Alltag, in der heutigen, durch Corona veränderten Welt natürlich bereichert, wenngleich sie die persönlichen Therapiegespräche nicht ersetzen kann. Die Kommunikationsmittel des Internets ermöglichen uns aber, mit Klienten zu arbeiten, die nicht in die Praxis kommen wollen oder können. Das ist natürlich in den Fällen, in denen eine Therapiekontinuität wichtig ist, eine angenehme Neuerung der heutigen Zeit.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Frau Spaniol: Pandemien fordern uns alle heraus, uns anzupassen, um zu überleben. Trotzdem setzen z. B. die fehlenden sozialen Kontakte vielen Menschen momentan gehörig zu. Dort könnten Psychologen in Zukunft in der Prophylaxe tätig sein und den Menschen Resilienz nahebringen. 

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Frau Spaniol: Ich glaube, meine Klienten schätzen in erster Linie meine fachliche Kompetenz und dann meine Offenheit den Menschen und ihren Problemen gegenüber. Ich arbeite auf Augenhöhe und sehe den Klienten als Experten seines eigenen Lebens. Denn oft kann er nur mit ein wenig Unterstützung, einen Ausweg aus seiner Problematik finden.

Impressionen aus der Praxis Spaniol. (© Spaniol)
jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Frau Spaniol: Ich schätze den Mut meiner Klienten, die es oft in den niederschmetterndsten Situationen schaffen, sich Hilfe zu holen. Diesen Mut aufzubringen, verdient Bewunderung und Respekt. Das ist der erste und oft schwerste Schritt. 

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Frau Spaniol: Den Mut aufzubringen, sich Hilfe zu holen, wenn man merkt, dass man es alleine nicht schafft. Selbstfürsorge nie aus den Augen zu verlieren. Man kann nur dann für Andere sorgen und für sie da sein, wenn man auf sich achtet.

Zur Person

Nora Spaniol ist Psychologin, individualpsychologische Beraterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Dozentin. Sie arbeitet in ihrer eigenen „Praxis für Individualpsychologie“ in Saarbrücken. Sie ist Mitglied in zahlreichen psychologischen Fachverbänden. Des Weiteren bietet Frau Spaniol psychologische Beratung in englischer und rumänischer Sprache an.

Zur Praxis

Die „Praxis für Individualpsychologie“ befindet sich im Herzen von Saarbrücken. Motto: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll“ (Johann Wolfgang Goethe)

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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