Das jameda-Interview: 8 Fragen an Frau Sonja Lang

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© LangFrau Lang praktiziert als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Essen. (© Lang)Heilpraktiker haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Sonja Lang interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Heilpraktikerin für Psychotherapie.

jameda: Frau Lang, was hat Sie motiviert, Heilpraktikerin für Psychotherapie zu werden und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Frau Lang: Wie hinderlich Ängste und Blockaden sind, habe ich selbst erlebt. Mit 21 Jahren bin ich meine Spinnenphobie dank Hypnose losgeworden, das war überwältigend. Spinnen waren auf einmal "ok", nicht toll, aber keine heftigen Reaktionen mehr. Daraufhin fing ich an mich mit Hypnose und mentalen Techniken zu beschäftigen. Ich machte 2012 die Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie und bin seit 2013 selbstständig mit Gesprächstherapie sowie Hypnosetherapie. Es ist einfach spannend zu erleben, wie gerade durch Hypnose Menschen in der Lage sind, sich zu verändern.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Frau Lang: Meine Tätigkeitsschwerpunkte liegen auf Ängsten, Phobien, psychosomatischen Beschwerden sowie mentalen Blockaden. Gerade bei diesen Themen ist es sehr erfüllend zu sehen, wie schnell Menschen auf einmal ihr Potenzial und ihre inneren Ressourcen entdecken und sich verändern.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Frau Lang: Milton H. Erickson, ein amerikanischer Psychiater, der selbst durch schwere Krankheit mit schlechter Prognose ging. Er gab nie auf und fand dank Visualisierungen einen Weg, seine Motorik zu reaktivieren und konnte später wieder gehen.

Er beschäftigte sich mit mentalen Techniken und war überzeugt davon, dass man sehr viel erreichen kann, wenn man nur möchte. Er entwickelte Hypnosetherapieverfahren, die seinen Klienten entsprechend halfen. Auch ich bin überzeugt davon, dass der Körper dem Geist folgt und umgekehrt. Sprich: Wir haben mit unseren mentalen Einstellungen und Überzeugungen ein riesiges Potential, uns dahingehend zu entwickeln, wohin wir wollen.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Frau Lang: Die Möglichkeit der Videosprechstunde finde ich gut, um Beratungen durchzuführen und unter Umständen auch Online-Sitzungen. Allerdings bevorzuge ich die reale Begegnung.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Frau Lang: Die Zeit und dass es anders als bei einem klassischen Arzt ist, denn es gibt kein Wartezimmer und keine enge Zeitvorgabe. Die Intensivsitzung ist, wie das Wort sagt, intensiv und auch bei den Folgesitzungen gebe ich nur ungefähre Zeitfenster an oder bespreche mit dem Patienten einen Rahmen.

Wir behandeln dann aber genau so wie es nötig ist und ich habe auch entsprechend Pufferzeit, so dass es zu keinen Begegnungen zwischen Patienten kommt. Dadurch wird die Privatsphäre auch sehr geschützt, was von dem Einen oder Anderen besonders geschätzt wird. 

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Frau Lang: Deren Motivation. Die Menschen, die zu mir finden, habe eine hohe intrisische Motivation, an ihrem Thema zu arbeiten. Die Meisten funktionieren durchaus gut im Alltag, haben aber spezifische Themen/Probleme, wo sie zwar vom Kopf her wissen, wie es besser gehen könnte, aber das Gefühl spielt nicht mit. Der Wille an dem Thema/Problem zu arbeiten ist meiner Meinung nach wahnsinnig wichtig, um Erfolg zu haben.

© LangImpressionen aus der Hypnosepraxis Lang. (© Lang)jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Lang: Eine Patientin kam eigentlich nur offiziell wegen einer Spinnenphobie zu mir. In den Fällen sehe ich 8 von 10 Fällen einmal und nie wieder. Doch diese Patientin hatte auch ein großes Problem mit ihrem Selbstbewusstsein und so machte sie sich während der Hypnose so nieder, dass wir gar nicht am eigentlichen Thema arbeiten konnten.

Daher brach ich nach einer Stunde die eigentlich, 2 bis 3 Stunden dauernde Sitzung ab und besprach mit der Patientin, dass diese Art sich selbst so negativ zu kommentieren und runterzumachen, den Erfolg verhindert. Ich ließ ihr eine spezielle Mp3-Datei zukommen und schickte sie "mit Hausaufgaben" zurück. Das Beschäftigen mit ihrer inneren Kommunikation (von feindselig niedermachend hin zu freundlich unterstützend/Mut machend) führte dazu, dass wir drei Wochen später ganz wunderbar weitermachen konnten und das Thema "Angst vor Spinnen" sich erledigte.

Direkt im Anschluss holte sie ihren Mann rein, der im Auto auf sie wartete und zeigte ihm in einem anderen Raum eine Spinne, stellte sich lachend darunter und strahlte ihn an. Er war fassungslos, freute sich eh schon über die Veränderungen der vergangenen Wochen und nun vor allem darüber, dass seine Frau ihn in der Nähe einer Spinne angrinste und sagte, sie sei ihr egal, statt zu weinen und zu zittern und Panik zu haben. Die beiden waren happy und ich natürlich auch.

Das ist ein Beispiel von vielen, wo Blockaden jemanden (viel zu lange) schon daran hinderten, innerlich frei zu sein und es toll ist, wenn man dann die Veränderungen entweder sofort sieht (bei Spinnenphobie meist der Fall) oder später hört (erfolgreich ins Flugzeug gestiegen und entspannt geflogen, Prüfungsphase entspannt überlebt, Vorträge gehalten und es war egal ob man rot wurde oder nicht). Natürlich hier der Hinweis: Jeder Fall ist individuell.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Frau Lang: Tatsächlich an den verschiedenen Schrauben zu drehen. Gerade wenn jemand viel Stress/Angst hat: Durch eine ausgewogenene Vitamin- und Nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung haben der Körper und die Psyche bessere Möglichkeiten, mit Stress etc. umzugehen, als wenn es in allen Bereichen Baustellen gibt. Also hier ruhig über den eigentlichen Problemrand hinausschauen und ggf. andere Fachleute zu den anderen Bereichen hinzuholen.

Zur Person

Sonja Lang, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Bachelor of Sciene Psychologie (Abschluss Master vorraussichtlich Ende 2020), liebt ihren Beruf, das Meer, Zeit mit der Familie und Freunden und entspannt gerne gelegentlich in der Sauna und beim Schwimmen.

Zur Praxis

Es handelt sich um ein freistehendes Praxishaus mit mehreren Konferenz-, Büro- und Therapieräumen mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Coaching, Gesprächstherapie, Hypnose, Entspannungsverfahren wie Joga). Der Hypnoseraum liegt in der 1. Etage, ist hell, freundlich und mit einer sehr bequemen Liege namens "Klangwunder" ausgestattet.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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