Das jameda-Interview: 7 Fragen an Herrn Hofmann von der Valere Psychosomatischen Privatklinik

Valere Psychosomatische Privatklinik

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© Hofmann© HofmannÄrzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Hofmann interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Chefarzt in der Valere Psychosomatischen Privatklinik.

jameda: Herr Hofmann, Sie sind Chefarzt in der Valere Psychosomatischen Privatklinik. Was lieben Sie an Ihrer Arbeit und was sind die größten Herausforderungen im Klinikalltag?

Herr Hofmann: An meiner Arbeit liebe ich am meisten die Offenheit, die mir meine Patienten entgegenbringen. Diesen Vorschuss an Vertrauen, diese Ehrlichkeit, mir persönlichste Dinge zu eröffnen. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich nicht nur professionell, sondern auch als Mitmensch damit umgehen kann.

Herausgefordert fühle ich mich durch die Tatsache, dass Patienten von ihren Krankenversicherungen oft nicht als berechtigt eingestuft werden, eine bestimmte Leistung zu erhalten. Zum Beispiel eine notwendige Behandlung in der Klinik, obwohl sie sehr leiden und jahrelang einbezahlt haben.

jameda: Was motiviert Ihr Team bei der täglichen Arbeit?

Herr Hofmann: Uns motiviert Zweierlei: die Zuversicht, auch in schwierigen Situationen helfen zu können und die berührende Dankbarkeit der Patienten. Nach jedem Modul kommen sie noch einmal einzeln zu uns, um aus ganzem Herzen "Danke" zu sagen und unsere Arbeit zu loben. Das gibt uns immer wieder die Motivation und Kraft weiterzumachen.

jameda:  Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Klinik, das Sie nie vergessen werden?

Herr Hofmann: Ein junger Mann kam wegen seiner Ängste und Depressionen. Es fiel ihm extrem schwer, am therapeutischen Programm teilzunehmen. Lieber hätte er sich auf seinem Zimmer eingeschlossen, so sehr plagte ihn seine Angst! Und am Ende, nach nur 13 Tagen Behandlung, fühlte er sich so befreit und so kraftvoll, dass er am liebsten gar nicht abgereist wäre. Symbolisch „kettete“ er sich mit einer Schnur an einem Pfosten fest und ließ sich damit fotografieren.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Wie geht die Valere Psychosomatische Privatklinik mit Patienten in solchen Situationen um? 

Herr Hofmann: Ja, das ist so. Da gibt es nichts zu beschönigen. Durchhaltevermögen brauchen die Betroffenen tatsächlich - wir übernehmen keine Elternrolle. Wir holen z.B. niemanden aus dem Zimmer, wenn die Psychotherapie beginnt. Alle unsere Angebote sind freiwillig und niemand wird gezwungen. Das nehmen wir sehr ernst. Im Kern ist das die einzige Voraussetzung, die uns die Patienten zusichern müssen: selbstständig zu den Terminen (Therapien, Sport, Mahlzeiten) zu kommen und bis zum Ende der jeweiligen Sitzung dazubleiben.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Hofmann: Die Patienten mitbestimmen lassen, welche Behandlung bezahlt wird. Schließlich ist es ihr eigenes Geld. Jahrelang haben sie dafür einbezahlt. Also Schluss mit der unsinnigen Bevormundung!

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Hofmann: Als Erstes und Wichtigstes: Zuhören. Und Nachfragen. Also sich vergewissern, ob sie den vorgetragenen Sachverhalt überhaupt richtig verstanden haben, und zwar bevor sie selber zu sprechen beginnen.

jameda: Was war die letzte große Veränderung in Ihrer Klinik?

Herr Hofmann: Wir haben im Gruppenraum eine neue Stereo-Anlage bekommen, damit den Patienten die Körpertherapie mehr Freude und Leichtigkeit bereitet. Sich zur Musik zu bewegen, baut schnell auf und ist so wohltuend! Und in der sogenannten „Wohnzimmerecke“ lassen sich dem neu erworbenen E-Piano heilende Klänge entlocken, von sanft bis wuchtig.

Zur Person

Herr Hofmann, 62, Facharzt für psychotherapeutische Medizin, studierte in Heidelberg und war sowohl in eigener Praxis als auch in mehreren Kliniken tätig. Er liebt die Natur und gesunde Ernährung, fährt mit seinen beiden Söhnen Kajak (v.a. im Wildwasser) und übernachtet lieber auf Campingplätzen als im Hotel.

Zur Klinik

Die Valere-Klinik wartet gleich mit zwei Besonderheiten auf: Sie gilt mit nur 12 Betten als die kleinste Klinik Deutschlands und bietet (mit Abstand) die kürzesten Behandlungszeiten an: nur 13 Tage!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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