Der richtige Umgang mit hochbegabten Kindern

Herr Marx

von
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© S.Kobold - fotoliaWie geht man mit hochbegabten Kindern im Alltag um? (© S.Kobold - fotolia)Hochbegabte Kinder sind sehr sensibel und nehmen die emotionalen Schwingungen schnell wahr. Sind diese positiv, so erleben wir ein aufgeschlossenes Kind, welches gerne mit seiner Umwelt kommuniziert. Ist die Atmosphäre negativ oder gar ablehnend, zieht sich das hochbegabte Kind zurück und macht von sich aus keinen Versuch mehr, eine gemeinsame Interaktionsebene herzustellen.
Es ist daher besonders wichtig, dass wir Methoden entwickeln, die es dem hochbegabten Kind ermöglichen, seine Gefühle angstfrei und in vertretbarer Weise auszudrücken. 

Hochbegabung erkennen und damit umgehen – oft abhängig von der sozialen Herkunft

Auch die soziale Herkunft ist ausschlaggebend für die emotionale und kognitive Entwicklung des hochbegabten Kindes. So wird das hochbegabte Kind aus der Unterschicht weniger häufig gefördert als das hochbegabte Kind aus der Mittelschicht oder Oberschicht. Dies liegt weniger an den geringeren finanziellen Mitteln, sondern vielmehr ist sie abhängig von der eigenen Bildung im kognitiven Bereich wie auch der emotionalen Intelligenz. Diese Faktoren haben wiederum Einfluss auf das jeweilige Kommunikationsverhalten.

So wird beispielsweise eine Mutter aus bildungsferner Schicht eher dazu neigen, die vielen Fragen ihres hochbegabten Kindes abzublocken. Hierzu werden sogenannte Killerphrasen benutzt wie z.B. „Lass mich in Ruhe!“, „Du bist so klug, warum kannst Du solche einfachen Dinge jetzt nicht!“ oder „Du machst jetzt, was ich Dir sage!“. Solche Aussagen führen zu einem sofortigen Abbruch der Interaktionsebene. 

Von einer Mutter aus der sozialen Ober- oder Mittelschicht ist eher zu erwarten, dass sie aufmerksam auf die Fragen des Kindes eingeht. Diese Eltern sind auch eher bereit sich Hilfe von außen zu holen, z. B. bei Selbsthilfegruppen der DGhK.
So lässt sich auch erklären, dass hochbegabte Kinder häufiger in den Mittel- oder Oberschichten identifiziert werden.

Das hochbegabte Kind braucht eine Bezugsperson

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Kommunikation von Gefühlen ist, ob das hochbegabte Kind über eine Bezugs- bzw. Vertrauensperson verfügt. Für hochbegabte Kinder spielt nicht ein großer Freundeskreis eine Rolle, sondern ob es jemand hat, dem es vertrauen kann. Die Bezugsperson sollte sich in seiner Rolle authentisch verhalten, alles andere würde das hochbegabte Kind spüren und sich zurückziehen.

Die Bezugsperson im Alltagleben spielt deshalb eine so große Rolle, weil das hochbegabte Kind emotional und in seinem Selbstwertgefühl gestärkt wird. So ist es besser gegen die negativen Interaktionen seiner Umwelt, beispielsweise in der Schule, gewappnet. Es kann selbstbewusster damit umgehen ohne in seinem Selbstwertgefühl beeinträchtigt zu sein. 
Negative Äußerungen beziehen Hochbegabte häufig auf sich und interpretieren ihr Verhalten als Fehlverhalten. An dieser Stelle kommt der Bezugsperson eine wichtige Rollenfunktion zu, und ihre vertrauensvolle Beziehung zueinander ist von entscheidender Wichtigkeit.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


26.08.2016 - 19:54 Uhr

Was wir "Hoch"-Begabung nennen, dafür sind die...

von Franz Josef N.

... feineren Kräfte des Menschen zuständig. Unsere Pädagogik dagegen scheint geradezu bodenlos "tief" begabt. Sie überbietet sich selbst ständig mit "Grob"-heiten: "Gib dir Mühe! Streng dich an! Lass nicht locker! Überwinde dich!.....". Was bewirkt sie damit? + Wer sich Mühe gibt, kriegt sie auch. + Wer sich anstrengt, ist angestrengt. + Wer nicht locker lässt, ist stets verspannt. + Wer sich überwindet, ist überwunden. Unsere Pädagogen machen bedenkenlos im Vollzug von Papiervorgaben alle Talente a) matt (Burnout) und b) platt (Depression). Sie unterrichten, d.h. Unterricht richtet nach unten. Damit können sich Talente offenbar nicht anfreunden. Sie ziehen sich zurück und bringen sich in Sicherheit. Lustigerweise kommen dann die Fachleute und gewinnen mit ihren "Tests" die Erkenntnis, dass keine Talente da sind. Und sie steigern sich in den Wahn hinein, dass eine Kinderkrankheit sei und nicht die Folge ihrer ständig gesteigerten Grobheiten gegen die Talente. Bei meinen jahrzehntelangen Forschungen für die neue Ich-kann-Schule ist mir aufgefallen, wie überdurchschnittlich gerade die Kinder sind, die sich der Schule und die dann in der Schule versagen. Es zeigte sich, dass die sogenannten Legastheniker zumeist nicht schlechter, sondern viel besser schreiben konnten als ihre Mitschüler - wenn ich ihnen eine Atmosphäre bot, in der sich Talente wieder gerne ans Tageslicht rauen. Mit Dyskalkulie handelt es sich um dasselbe Problem. Ein Sprung von Aufgaben des Beginns der 2.Klasse Sonderschule - da geht es in den 20er-Raum - zu Aufgaben der 4.Klasse Grundschule, die stets von allen Schülern in einer halben Stunde bestens bewältigt wurden. Die Kinder waren dann so stark für Rechnen motiviert wie noch nie im Leben. Ich sehe das Problem nicht in der "Hoch"-begabung der Kinder, sondern eher in der extremen Einschränkung und Verwahrlosung der Begabungen der Lehrer und anderer Erwachsener. Wir haben "Schule" sehr, sehr stark an den Begabungen, Fähigkeiten, Talenten, Kräften der Kinder vorbeikonstruiert. Nicht die Kinder, sondern wir müssten dringend Neues lernen. Guten Erfolg! Franz Josef N.


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