Können Gedanken gesund machen? Alles zur Anwendung der Positiven Psychologie

Herr Körner

von
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© pixabay - JerzyGoreckiKann Positive Psychologie wirklich einen Einfluss auf unseren Alltag haben? (© pixabay - JerzyGorecki)In dem Zeitalter von Facebook, Instagram und YouTube kommt der Mensch nur schwer um das Thema der „Positiven Psychologie“ herum. Immer häufiger heißt es „denke positiv, wenn du etwas erreichen willst“.

Überall entstehen neue Coaches und Gurus, die von der Begrifflichkeit „Mindset“ gehört haben, was zu Deutsch als „Denkweise“ übersetzt wird. Und dann verkaufen sie plötzlich ihre Programme für teuer Geld und versprechen, deine Glaubensmuster zu verändern, damit auch du endlich Erfolg, Gesundheit oder Glück haben kannst. Doch geht es tatsächlich so einfach? Ist etwas Wahres an der „Positiven Psychologie“ dran und lohnt es sich, für diese Art der Dienstleistung zu bezahlen?

Was ist dran an der „Positiven Psychologie“?

Ich kann aus jahrelangen Erfahrung eindeutig bestätigen, dass wenn es um die „Positive Psychologie“ geht, mehrere Missverständnisse entstehen können.

Sicherlich hast du schon einiges davon gehört, wie das positive Denken unser Leben beeinflussen kann. Zu dem Thema der „Positiven Psychologie“ wurden auch schon zahlreiche Bücher geschrieben und Kurse veröffentlicht. Doch was ist das? Reicht hier nur das positive Denken aus? Stimmt es tatsächlich, was der US-amerikanische Schriftsteller im Bereich der Neugeist-Bewegung Napoleon Hill einst geschrieben hat „Denke nach und werde Reich“?

Der Autor befasste sich in dem gleichnamigen Werk mit den Erfolgsmethoden von rund 500 Millionären, um daraus eine gemeinsame Erfolgsphilosophie abzuleiten. Und tatsächlich hat er es geschafft in seinem Buch die Macht des positiven Denkens anhand von diversen Beispielen zu belegen. Eine ähnliche Leistung haben aber Einige schon vor seiner Zeit hinbekommen. Logische Schlussfolgerungen abzuleiten ist keine große Kunst und hat in der Regel nicht viel mit der Realität zu tun. Das können wir an den täglichen Berichten aus dem Bundestag beobachten.

Wie sieht es aber in der Realität der „Normalsterblichen“ aus, nicht der Millionäre? Aus diesem Grund möchte ich mich mit dir dem Fachbegriff der „Positiven Psychologie“ widmen, der von dem US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow eingeführt wurde.

„Positive Psychologie“ in der wissenschaftlichen Psychologie

Die Positive Psychologie ist ein relativ junger Forschungsbereich innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie und hat tatsächlich nichts mit „hyperkinetischen“ immer lächelnden Coaches und Gurus zu tun, die der Menschheit von der Bühne laute Parolen predigen. Es geht nicht nur darum, nur deine Denkweisen zu verändern. In Wirklichkeit ist der Weg tatsächlich um Einiges komplexer. Es verfolgt eher das Ziel, die persönlichen Charakterstärken zu erkennen und zu fördern und die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden zu steigern.

Hier gehören die Empathie- und die Widerstandsfähigkeit unbedingt dazu. Im Grunde genommen sind hier alle positiven Aspekte des Menschseins vertreten. Die Positive Psychologie setzt sich intensiv mit den Themen Glück, Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, Vergeben und Solidarität auseinander. Dazu werden Studien durchgeführt und Forschungsprojekte gefördert.

Sie erforscht unter anderem die Entstehung positiver Emotionen, den Aufbau des positiven Charakters und positiver Strukturen im Alltag und im Arbeitsumfeld.

Ziele der Positiven Psychologie

Die Positive Psychologie ist durchaus ein wertvolles Werkzeug. Insbesondere dann, wenn es darum geht, in deinem Leben etwas zum Guten zu wenden oder einen Neuanfang zu wagen. Es geht aber auch nicht nur darum, im Leben nur Positives zu sehen, nur positiv zu denken und blind für das Negative zu sein. Es geht nicht darum, Probleme zu übersehen.

In meiner Vorstellung geht es eher darum, das Leben so zu leben, dass du in ausgewogenen Verhältnissen mit dir selbst und deiner Umwelt lebst. Es geht darum, allgemein deine Stärken zu fördern und auszubauen. Das schaffst du aber nur dann, wenn du es sowohl auf dich selbst beziehst, indem du zum Beispiel an deinem Optimismus und Resilienz arbeitest, als auch auf deine Umgebung ausgerichtet bist. Hierzu zählen die Empathie und Solidarität.


© Tom-Hanisch - fotoliaDie Art und Weise, wie Sie Ihr Leben leben, wirkt sich unmittelbar auf Ihre Psyche aus. (© Tom-Hanisch - fotolia)

Positive Psychologie im Einsatz

Bevor wir zu den konkreten Tipps kommen, wie du an dir selbst und an deiner Positiven Psychologie arbeiten kannst, möchte ich dir eine kurze Geschichte erzählen, die du bestenfalls nie vergessen solltest. Denke immer daran, egal ob du bereits gesund und glücklich bist oder es noch werden möchtest und auch dann, wenn du mal einen schlechten Tag hast.

Drei Bauarbeiter verarbeiten einen Haufen Steine, als ein Kind beim Vorbeigehen auf die Männer aufmerksam wird. Der kleine Junge beobachtet einen Moment mit großen Augen die Arbeit und fragt dann einen der Männer, „Was tust Du da?“

„Siehst Du doch, Kleiner“, antwortet er, „Ich behaue Steine.“

Das Kind dreht sich zum zweiten Arbeiter. „Und was machst Du?“

Der Mann antwortet seufzend, „Ich versuche das Geld zu verdienen, um für meine Familie zu sorgen. Ich habe auch kleine Kinder in deinem Alter.“

Der Junge dreht sich weiter und fragt auch den dritten Bauarbeiter: „Und was machst Du hier?“

Dieser lächelt, schaut mit funkelnden Augen in die Höhe und antwortet leise: „Ich baue eine wunderschöne Kathedrale. Ich bin so stolz darauf!“

Es geht also nicht darum, etwas zu machen, nur um Geld zu verdienen. Es geht auch nicht darum, etwas zu tun, um beschäftigt zu sein. Eher geht es darum, ein klares und konkretes Ziel zu verfolgen. Ein Ziel, das dir die Erfüllung im Leben bringt. Erst dann wirst du beim Klingeln des Weckers mit Freude aufstehen und Stolz in den Tag starten können.

Das erreichst du aber nicht, wenn du nur deine Sichtweise auf dein Leben und auf deine Arbeit veränderst. Es geht eher darum, dein Leben so zu führen, damit sich auch dein Leben verändert. Nachfolgend möchte ich dir fünf Ansätze mit an die Hand geben, wie du die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie für dich erfolgreich einsetzen kannst, um ein gesundes und glücklicheres Leben zu führen.

Setze dich unbedingt mit den folgenden Faktoren auseinander, die laut Psychologen für das allgemeine Wohlbefinden im Leben verantwortlich sind. Überlege dir, welche der Punkte in deinem Leben bereits gut ausgeprägt sind und welche du noch ausbauen möchtest.

1. Positive Emotionen

Nimmst du bewusst schöne Momente in deinem Leben wahr? Wie steht es um das Glücksempfinden und deine Lebenszufriedenheit?

Achte auf deine „Glücksmomente“ im Alltag. Und wenn du das machst und dir jeden Abend nur ein kleines bisschen Zeit nimmst, schreibe dir mindestens vier Momente des Tages auf, in denen du Glück gehabt oder einfach Freude empfunden hast. Es dürfen Kleinigkeiten sein, wie beispielsweise ein Parkplatz direkt vor der Haustür, das letzte Stück Kuchen, das du noch ergattern konntest oder eine zufällige Begegnung mit einem alten Bekannten.

Mach das bitte und du wirst merken, wie viel besser und einfacher dein Leben wird. Du wirst merken, dass es viel mehr Momente in deinem Alltag gibt, wo du einfach mal Glück und Freude empfindest. Und ich kann dir fast garantieren, du wirst allgemein viel glücklicher und erfolgreicher in allen Bereichen deines Lebens werden.


2. Positive Beziehungen

Zwischenmenschliche Beziehungen sind in unserer Welt alles. Sie stehen für eine größere Vielfalt von Perspektiven oder neuen Ideen. Ich behaupte, dass deine Möglichkeiten parallel den Möglichkeiten deiner Umgebung sind. Wenn diese Menschen keine Ziele haben, ist es nahezu unmöglich, dass du selbst deine Ziele erreichst. Wenn die Menschen in deiner Umgebung nur von Krankheiten reden, dann wird es sehr schwer sein, selbst gesund zu bleiben.

Positive Beziehungen sind außerdem eine Unterstützung in guten und schwierigen Zeiten.

Hinterfrage, wie viele Menschen hören dir wirklich zu und sind bereit, dich zu unterstützen. Reflektiere, welche Antworten und Ideen aus deinen alltäglichen Gesprächen entstehen. Denn es gibt tatsächlich Menschen, die uns eher ausbremsen, anzweifeln oder mehr verunsichern als bestärken.

Das bedeutet zwar nicht, dass sie jetzt sofort aus deinem Leben verschwinden sollten. Trotzdem sollten solche Menschen in deinen Wachstumsphasen und bei den kreativen Prozessen auf Distanz gehalten werden. Es ist unter anderem hilfreich zu wissen, wer dich in deiner Entwicklung unterstützt und wer dich abbremst. Suche sie dir und gehe aktiv positive Beziehungen ein. Schon sehr bald wirst du sehen, wie sich dein Leben zum Positiven wendet.


3. Anteilnahme und Einsatz

Hinterfrage, ob du beim Erledigen deiner täglichen Arbeit aufgehst. Wenn ich in meiner Praxis arbeite oder mit dem Schreiben beschäftigt bin, vergesse ich beim Arbeiten die Zeit. Es ist ein wesentlicher Faktor in der Positiven Psychologie. Was macht es mit dir und wie fühlt sich das an, womit du die meiste Zeit deines Lebens verbringst?

Bist du bereit, mit dem vollen Einsatz deiner Energie für dein Projekt zu brennen oder machst du das nur aus dem Grund, weil du dir davon ein sorgenfreies Leben versprichst?

Setze dich daher sehr gründlich mit den sogenannten „Warum-Fragen“ auseinander. Warum machst du das, was du machst? Geht es dir nur darum, „über die Runden zu kommen“ oder hast du ein „höheres Ziel“ in deinem Leben? Brennst du wirklich für etwas oder sitzt du nur deine Zeit auf dem Planeten ab?


© Hetizia - fotoliaEin erfahrener Therapeut kann Ihnen dabei helfen, Positive Psychologie besser umzusetzen. (© Hetizia - fotolia)

4. Errungenschaften

Unabhängig von den anderen Faktoren ist das Thema der Errungenschaften oder auch der Ergebnisse in der Positiven Psychologie von großer Bedeutung. Diesen Punkt kannst du als eine Art Erweiterung des dritten Punktes sehen. Hier steht das Gefühl, es zu etwas gebracht zu haben im Vordergrund.

Welches Nutzen möchtest du für deine Mitmenschen schaffen? Für wen möchtest du diesen Nutzen schaffen? Beantworte dir diese Fragen und wenn du merkst, dass du nicht nur egoistisch handelst, sondern deinen Mitmenschen mit Empathie und Wertschätzung begegnest, hast du alles richtig gemacht.

Das verstärkt nicht nur das Glücksgefühl und die Freude, sondern garantiert dir auch in den schwierigsten Zeiten das Durchhalten. Sicherlich ist es dir aufgefallen, wie schön es sich anfühlt, jemanden zu beschenken und zu beobachten, wie der- oder diejenige mit funkelnden Augen die Geschenke auspackt.

Der Mensch gibt von der Natur aus gerne und warum sollte das Geben nicht zu deiner Gewohnheit werden? Achte aber darauf, eine goldene Mitte zu finden. Sei gerne nützlich, doch lasse dich nicht ausnutzen.


5. Sinn und Vision

Unbewusst ist ein Mensch nicht in der Lage, glücklich mit einer Sache zu sein oder sich für etwas zu begeistern, was noch nicht ganz klar und sehr weit in der Zukunft liegt. Um das Gegenteil zu erreichen und dein Leben ganz nach den Grundsätzen der Positiven Psychologie zu führen, brauchst du eine klare Vision, die du durchgehend leben möchtest. Dabei ist eine Vision kein konkretes Ziel.

Aus meiner Sicht ist es viel mehr ein Gefühl und eine Lebensphilosophie, welche du dir in deinem Inneren aufbauen kannst. Es ist eine Art Treibstoff für dein Leben und Handeln.
Setze nun auch du dich mit der Frage nach deiner persönlichen Vision auseinander. Was bietet dir Erfüllung? Welchen Sinn möchtest du deinem Leben geben? Wie steht es in Verbindung zu deiner eigenen aktuellen Realität? Wie viel Glück bist du bereit in deinem Leben zu ertragen?


Fazit

Um auf die gestellten Fragen am Anfang zu kommen, habe ich keine eindeutige Antwort. Die Positive Psychologie ist tatsächlich kein Mythos, sondern ein sehr mächtiges Werkzeug in den Händen von Menschen, die es richtig anwenden können.

Aber hier ist auch der Haken dran: In meinen Augen kann es zwar jeder Mensch lernen, doch es darf nicht oberflächlich sein. Es darf auch kein gefährliches Halbwissen sein. Man kann es auch nicht anhand einer Schablone lernen.

Solltest du es dir also wünschen, die Positive Psychologie in dein Leben zu integrieren, dann suche dir am besten einen erfahrenen Therapeuten, der dich fundiert auf diesem Weg begleiten kann. Um zur Psychotherapie zu gehen, musst du nicht psychisch krank sein oder in einer Lebenskrise stecken. Der Wunsch, dein Leben zu verbessern und mehr über sich selbst zu erfahren reicht vollkommen aus.

Ansonsten: Gib deinem Leben einen Sinn und sei offen für die schönen Dinge des Lebens. Dann wird es auch mit dem Glück und mit der Gesundheit klappen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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