Wie lerne ich NEIN sagen?

© Bettina Beck

Sie lassen sich immer wieder überreden?
Nein sagen fällt Ihnen unendlich schwer?
Überkommt Sie schon mal Wut auf den Chef oder die kranke Kollegin wegen der vielen Arbeit?
Vermeiden Sie es um Hilfe bitten zu müssen?
Sie übernehmen fast automatisch Sorgen oder Aufgaben anderer und Dank oder Anerkennung bleiben doch aus?
Sie kommen dabei immer wieder an Ihre Grenzen der Belastbarkeit?

Trifft diese Beschreibung in etwa auf Sie zu? Eventuell fühlen Sie sich zunächst sogar gut dabei und doch bleibt ein schales Leeregefühl zurück? Vielleicht ärgert Sie sogar Ihr Verhalten und doch geraten Sie da irgendwie immer wieder hinein?

Unsere Verhaltensmuster sind tief eingeprägt, untermauert von alten, verwurzelten Glaubenssätzen. Es können erlernte Verhaltensweisen aus der Herkunfts-Familie sein oder verinnerlichte Meinungen von anderen Vorbildern. Sie prägen oftmals unbewusst unsere Haltung und unser Handeln. Ganz so, als würde automatisch ein installiertes Programm im Hintergrund anspringen und bis wir es bemerken, ist es bereits in vollem Gange. Als Kinder übernehmen wir vieles, lernen und saugen wie ein Schwamm allerlei Informationen auf. Nicht immer tun uns solch übernommene Werte gut und spätestens wenn wir immer wieder die gleichen schmerzhaften oder unangenehmen Erfahrungen machen, ist es an der Zeit zu reflektieren, eine ausführliche Überprüfung und gegebenenfalls eine bewusste Korrektur vorzunehmen. Diese Muster zu identifizieren und zu lösen ist nicht immer einfach.

Selbstschutz und Eigenverantwortung
Schulen Sie Ihre Wahrnehmung, halten Sie bewusst inne, bevor Sie etwas oder jemandem zusagen oder all zu spontan handeln. Spüren Sie nach. Konkrete Fragen und Beispiele helfen Ihnen bei der Klärung Ihrer Gedanken und bei einer Realitätsüberprüfung im Hier und Jetzt. Versuchen Sie regelmäßig die Perspektive zu wechseln. Das schafft eine gesunde Distanz zu den Dingen. Sie kennen das bestimmt, es ist viel leichter bei den Problemen anderer den Überblick, die Ruhe zu bewahren und die Lösungen zu erkennen. Bei uns selbst hingegen ist es ungleich schwerer, den emotionalen Bezug zu lockern und mit mehr Abstand auf die Ereignisse zu blicken, um den Blick auf eine Lösung zu schärfen oder frei zu haben.

In der Praxis wird man oft gefragt, wie man als Psychotherapeut mit all dem Leid zurecht kommt, das einem in der Praxis täglich begegnet. Gerade in helfenden Berufen ist es unablässig über eine gesunde Abgrenzung zu verfügen. Niemandem ist damit geholfen, wenn man mitleidet, über seine Grenzen geht und unachtsam mit sich selbst ist.

Auch im Alltag können wir nur eine hilfreiche Unterstützung sein, wenn wir in unserer Kraft sind. Zuhören, begleiten und unterstützen und nicht Selbstaufgabe oder Selbstverleugnung. Vertrauen in das Potenzial eines Menschen hilft, denn alles was wir benötigen, tragen wir in uns. Kein erwachsener Mensch möchte, dass man für ihn handelt und denkt denn das macht klein und abhängig und ruft vielerlei unangenehme Emotionen hervor. Also erhöhen Sie sich nicht, indem Sie stets für andere einspringen, Feuerlöscher spielen oder gar ungefragt die Führung übernehmen. Damit ist niemandem auf Dauer geholfen. Handeln Sie für sich, stehen sie für sich ein, seien Sie sich selbst und Anderen ein respektvoller Begleiter im und durch das Leben. So sind Sie Ihres Glückes Schmied.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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