Die Arbeit mit dem vergangenen Leben: Ablauf und Dauer der Rückführungstherapie

Die Regressionstherapie greift Ereignisse aus der Kindheit auf und verarbeitet diese neu (© sonyae_iStock)

„Das ist eine Art Hypnose“, sagen die einen, „oder eher Arbeit mit dem vergangenen Leben“, sagen wiederum andere. Doch was ist die Rückführungstherapie oder Regression nun genau?

In den 80ern begannen Klienten während Psychoanalyse- oder Hypnose-Sitzungen von Phänomenen zu berichten, welche die Therapeuten erstaunten. Es handelte sich um Erlebnisse, die entweder sehr weit zurücklagen oder gar nicht in dieses Leben zu passen schienen. Die Klienten durchlebten diese Geschehnisse spontan und zeigten dabei starke emotionale und körperliche Reaktionen.

Heute wissen wir dieses Phänomen zu nutzen. Im Zustand der Trance ist es uns möglich, zu den Wurzeln unserer aktuellen Probleme zu reisen. Dort nehmen wir tiefgreifende Veränderungen vor, die unserem Leben eine neue Wende geben.
 

Eindrücke und Emotionen aus der Vergangenheit

Wir wissen heute, dass schmerzvolle Erfahrungen nicht ignoriert oder verneint werden sollten, da Betroffene sich sonst nicht von den daraus resultierenden Folgen befreien können.

Geist und Körper prägen sich Eindrücke, Gefühle, Emotionen sowie Überzeugungen aus diesen Erfahrungen ein. Wir reagieren unmittelbar und ohne unser bewusstes Zutun auf die Reize, die jenen Erfahrungen ähneln. So braucht etwa unser Lebenspartner nur ein falsches Wort zu sagen und wir gehen an die Decke. Oder es entwickeln sich Angstzustände, die man selbst als unlogisch anerkennt, gegen die man jedoch nichts tun kann.

Es entwickelt sich ein unreifes und destruktives Verhalten, das bei der Bewältigung des Alltags im Wege steht. Da man sich nicht mehr bewusst ist, was man wirklich will oder fühlt, kann man nicht mehr frei entscheiden. Ein Teil von uns geht verloren und bleibt durch das Trauma der Vergangenheit verschlossen.
 

Das Prinzip der Rückführung

Die Rückführung zu ursprünglichen Auslösern reaktiviert unterdrückte Emotionen und gebundene Kräfte. Manchmal sind diese Auslöser ganz unspektakuläre Ereignisse - ein längst vergessener Fahrradunfall der Kindheit kann zum Beispiel der Grund für eine seit zehn Jahren immer wiederkehrende Migräne sein.

Ein erfahrener Therapeut weiß, wie der Auslöser zu finden ist und wie die „gefrorenen“ Kräfte freigesetzt werden können. Die Rückführungsarbeit konzentriert sich von Anfang an auf die Ursache der aktuellen Störmuster. Erst nach deren Heilung können Folgeerscheinungen wie Abwehrmechanismen oder negative Persönlichkeitsstrukturen reflektiert und gelöscht werden.
 

Wie funktioniert die Rückführungstherapie?

Die Rückführung beginnt damit, dass die aktuellen emotionalen und somatischen Erscheinungen möglichst exakt umschrieben werden. Im zweiten Schritt vertieft und fokussiert sich der Patient,

Die Rückführungstherapie hilft, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten (©fotolia-83804122-Hetizia)
wodurch sich das Bewusstsein für die Gründe und die Entstehungsgeschichte der Muster schärft.

Ab einer gewissen Tiefe ist es möglich, sich an das ursprüngliche Ereignis zu erinnern. Der Patient durchlebt es so real wie möglich und so intensiv wie nötig. Überzeugungen und Glaubenssätze, die mit dem Trauma zusammenhängen, werden dabei untersucht. Therapeut und Patient arbeiten an ihnen auf physischer, emotionaler und mentaler Ebene und stellen sicher, dass die alten Überlebensprogramme nicht mehr von Nöten sind.

Kräfte und kognitive Kapazitäten, die jene Glaubenssätze aufrechterhielten, stehen nun wieder zur Verfügung. Es werden zudem Lebenskräfte freigesetzt: Die Zugänge sind wieder frei und die Kräfte fließen durch den Körper und das emotionale System.
 

Welche Techniken gibt es?

Overview:

Der Therapeut kann dem Klienten mit dieser Technik helfen, wenn der genaue Hergang eines traumatischen Ereignisses nicht erkennbar ist, wie zum Beispiel bei einem irritierenden Kindheitserlebnis. Oft mangelte es am nötigen Verständnis für die Vorgänge oder der Patient erlebte bei einem Unfall eine Kopfverletzung, die zu einer Amnesie führte. Oder – noch einfacher –
es war zum Zeitpunkt des Ereignisses viel zu dunkel, um etwas zu erkennen.

Die Overview-Technik bringt Licht in diese Situationen. Der Patient gewinnt Abstand zu dem Ereignis und kann zeitgleich Details wahrnehmen, die Auskunft über Zusammenhänge geben. Der Mensch nimmt weit mehr wahr als das, woran er sich bewusst erinnern kann.
 

Personification:

Diese Technik kann als Ergänzung oder Alternative zum klassischen Einstieg bei einer Rückführung angewandt werden. Scheut man sich, ein konfliktgeladenes Ereignis der Vergangenheit direkt anzusteuern, etabliert man erst einen geschützten Rahmen. Das hilft dabei, sich den einzelnen Aspekten der Situation anzunähern.

Durch kognitive und energetische Arbeit wird eine Reise zurück zum ursprünglichen Ereignis möglich. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ein Durchleben der ursprünglichen Auslöser zur gesundheitlichen Verbesserung nicht immer notwendig sein muss, es ist jedoch die einzige Möglichkeit, die verspricht, Negativfolgen nachhaltig zu löschen und eine definitive Kehrtwende im Alltag herbeizuführen.

Nur so können alle verlorenen Anteile unseres Selbst zurückgewonnen werden. Eine Überprüfung dessen kann nach der Rückführung ebenfalls in unserem Personification-Raum stattfinden. Ähnlich wie bei einer systemischen Aufstellung untersuchen Therapeut und Patient dort noch einmal all jene problembelasteten Aspekte und schließen die Arbeit mit der Integration der zurückgewonnenen und geheilten Anteile ab.
 

Wie lange dauert die Therapie?

Die Rückführungstherapie ist eine der effektivsten Therapien unserer Zeit (© igor - Fotolia)
Eine vollständig durchgeführte Therapie besteht für gewöhnlich aus sechs Sitzungen, die etwa 1 1/2 bis 3 Stunden dauern. Die kurze Therapiedauer und der beachtliche Heilerfolg machen die Rückführungstherapie zu einer der effektivsten Therapien der heutigen Zeit.

Die Rückführungstherapie sucht zwar nicht gezielt nach Ereignissen aus vergangenen Leben, dennoch kommt es nicht selten vor, dass Klienten von Erlebnissen berichten, die nicht mit ihrem aktuellen Leben vereinbar sind. Diese Erlebnisse sollten wertfrei angenommen werden und genauso behandelt werden wie z.B. Erlebnisse aus der Kindheit oder Jugend.

Ob diese Berichte nun Produkte einer archetypischen Prägung, eine Form des Psychodramas oder ein Ausdruck eines Subtyps unserer Persönlichkeit sind, spielt für den Heilerfolg keine Rolle. Wichtig ist nur, dass jene Erlebnisse wahrgenommen werden und einen tiefgreifenden Heilungsprozess ermöglichen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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