Sexualität und Gehirn: Wie wir mit Genuss und Sinnlichkeit bewusst entspannen können

Frau Berner

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© drubig-photo - fotoliaLiebevolle Berührungen und Hautkontakt fördern Geborgenheit sowie Vertrauen und helfen uns, unseren Stress abzubauen. (© drubig-photo - fotolia)Wie hängen Sexualität und Gehirn zusammen? Der jameda-Heilpraktikertipp erklärt, wie wir die Fähigkeit des Gehirns, Genuss und Sinnlichkeit zu erzeugen, am besten nutzen können.

Der Hypothalamus ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Lust, denn er stellt eine Verbindung zwischen Nervensystem und Hormonen her. Dieser Teil des Gehirn spielt eine große Rolle in Angst- und Stress-Situationen, in denen wir blitzschnell reagieren müssen.

Hierzu schüttet es bestimmte Hormone aus, die der Hypothalamus steuert. Wir können diesen Gehirnbereich auch durch angenehme Aktivitäten wie z. B. Zärtlichkeit, Umarmung oder Berührungssignale bei der Sexualität stimulieren. Diese Hormonausschüttung bewirkt in uns ein Wohlgefühl, sexuelle Lust, die sich bis zur sexuellen Erregung steigern kann.

Mit welchen Botenstoffen  und Neurotransmittern steuert das Gehirn unser sexuelles Verlangen?

Das Gehirn produziert folgende Hormone (Botenstoffe im Blut) und Neurotransmitter (Botenstoffe zwischen den Nervenzellen), die in unserer Sexualität eine Rolle spielen. Es schüttet sie in einer kurzen Abfolge hintereinander aus.

Oxytozin:

Das Gehirn produziert Oxytozin im Hypothalamus und speichert es in der Hypophyse.

Es

  • hilft der Mutter in der Geburtsphase vor allem dabei, die Entbindungsphase für das Kind einzuleiten,
  • wirkt beim Stillvorgang unterstützend auf den Milcheinschuss,
  • dient der Stressregulierung zur Entspannung,
  • hilft dabei, in die Ruhe zu kommen,
  • fördert den Nachtschlaf,
  • vermehrt Entspannung und
  • regeneriert den Körper.

Das Bindungshormon wird freigesetzt bei Geborgenheit, Wohligsein, viel Hautkontakt, Massagen, Berührungen in jeglicher Form, Singen und Befriedigung in jeglicher Form. Je öfter Paare sich berühren oder im selben Bett schlafen, desto mehr Oxytozin produzieren sie.

Dopamin:

Dopamin ist ein Neurotransmitter im Gehirn.

Es

  • reguliert Motivation und Lust und
  • durchblutet die inneren Organe.

Die Ausschüttung des Hormons steigert sich während der Lustempfindung zunehmend. Wir geraten durch sie in ein Art Rausch. Außerdem aktiviert sie das Belohnungssystem im Gehirn. Das kann sich in Form eines angenehmen Gefühls äußern, dem Weitermachen bei sexueller Erregung oder auch der Erreichung des Orgasmus äußern. Nach dem Orgasmus verringert sich die Ausschüttung.

Noradrenalin:

Noradrenalin ist ein Neurotransmitter und Hormon aus dem Nebennierenmark. Es wirkt ähnlich wie Adrenalin als Angst- und Fluchthormon.

Es

  • durchblutet unser Herz-Kreislaufsystem,
  • hebt die Laune,
  • erhöht unsere Aufmerksamkeit,
  • vertreibt Hunger und Müdigkeit und
  • dämpft Schmerzen.

Des Weiteren trägt es zur rauschhaften Euphorie in der Sexualität und beim Verliebtsein bei.
Das erklärt auch, dass manchmal eine Umarmung reicht, um den Stress zu vergessen.

Endorphine:

Endorphine sind körpereigene Schmerzmittel, die in Hypothalamus und Hypophyse entstehen.

Endorphine

  • steigern das Glücksempfinden,
  • veranlassen die Produktion der Sexualhormone,
  • regeln Schmerzempfinden und Hungergefühl und
  • werden in Notfallsituationen produziert.

Beim Sex fördern sie die Entspannung und helfen Frauen zum Höhepunkt zu gelangen. Die Endorphine spielen beim sexuellem Genuss eine wichtige Rolle. Wenn das Schmerzempfinden herabgesetzt ist, empfindet man oft solche Reize als stimulierend, die im nicht-erregten Zustand unangenehm erscheinen und abgelehnt werden.

Serotonin:

Serotonin: ist ein Neurotransmitter im Gehirn.

Es

  • wird nach dem Orgasmus ausgeschüttet,
  • trägt zum Wohlempfinden bei und
  • senkt die sexuelle Stimulation.

Viele Antidepressiva enthalten Serotonin, deshalb können sie oft sexuelle Probleme hervorrufen.

Wir können sehen, dass die Botenstoffe dazu beitragen, uns in eine Form der Spannung zu bringen, aber gleichzeitig eine Öffnung und Hingabe "an das Geschehenlassen" bewirken. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass wir im Spiel der Sexualität unseren Empfindungen Raum geben, um uns geborgen und wohl zu fühlen. Erst dann kann das Feuerwerk im Kopf entzündet werden und sich im Körper ausbreiten.

So tragen wir selbst zu unserem neuronalen Feuerwerk bei

Demzufolge ist an der menschlichen Sexualität ein ganzes Orchester beteiligt, den das Gehirn dirigiert. Man bezeichnet es auch als neuronales Feuerwerk.

Die wichtigste Hürde im Annäherungsprozess ist das Küssen. Tausende von Nervenzellen schicken die dabei entstehenden Berührungsreize an das Großhirn. Hier entscheidet sich schon, ob man sich zum Partner hingezogen fühlt oder nicht.

Während der sexuellen Erregung blenden wir bestimmte Hirnareale aus: das Areal der Kontrollinstanz, Triebkontrolle sowie der Selbstbeherrschung. Dazu kommt das Handeln nach bestimmten moralischen und sozialen Regeln, die wir beigebracht bekommen haben. Das Abschalten dieser Areale ist wichtig. Sie helfen uns zwar dabei, den Alltag zu meistern, doch in der Sexualität behindert ihre Aktivität unsere Fähigkeit loslassen zu können.

Fazit

Wir können lernen, Berührungen als sexuellen Kontakt abzukoppeln von dem Teil der Sexualität, der zur Penetration führt. Auf diese Weise bekommen Genuss und Sinnlichkeit mehr Raum.

Der Bereich der Sexualität kann sich dadurch weiter ausdehnen, denn wir sind Wesen mit einer sexuellen Energie in uns. In Kontakt mit dieser Energie zu sein und das neuronale Feuerwerk zu spüren, führt zu mehr Lebensfreude und einer höheren Vitalkraft. Die Körperwahrnehmung sensibilisiert sich, Visionen realisieren sich um vieles leichter. Das, was man wirklich braucht, rückt mehr in unser Bewusstsein.

Liebevolle Berührungen, mehr Hautkontakt, Bewusstsein in den Umarmungen, Langsamkeit, sich die Chance zu geben und sich besser wahrzunehmen fördern Geborgenheit sowie Vertrauen und helfen uns, unseren Stress abzubauen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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