Erschöpfung – Burn-Out – Bore-Out – die Geißel unserer Zeit

Burn out, Bore out und totale Erschöpfung: Was ist der Unterschied und was kann Betroffenen helfen? (© Viktor Gladkov - iStock)

Erschöpfung = Substantiv, feminin [die]

  1. das Erschöpfen (1) - "die Erschöpfung aller Reserven"
  2. durch übermäßige Anstrengung hervorgerufene Ermüdung – "bis zur totalen Erschöpfung arbeiten"

So lautet die Definition im Wörterbuch.

Was aber ist Erschöpfung genau und ist Erschöpfung gleich Erschöpfung?

Erschöpfung kann viele verschiedene Ursachen haben und sich zum Teil ganz unterschiedlich zeigen.

Jeder von uns war schon einmal erschöpft. Gemeint ist die Erschöpfung, die wir spüren, wenn wir einen ganzen Tag lang schwer körperlich gearbeitet haben oder einer ungewohnten Tätigkeit nachgegangen sind. Zum Beispiel bei einem Umzug, einer sehr intensiven Gartenarbeit oder auch nach einer längeren besonders anstrengenden Phase im Beruf, die uns viel Zeit und Konzentration gekostet hat.

Genauso kann uns auch eine lange Wanderung oder eine ausgedehnte sportliche Tätigkeit an unsere Grenzen bringen und uns erschöpfen. Spürbar ist dies sowohl körperlich als auch geistig. Dieses manchmal auch als wohlige Erschöpfung bezeichnete Gefühl ist verbunden mit einer tiefen Zufriedenheit, etwas richtig Gutes geleistet zu haben. Nach einer erholsamen Nacht mit einem tiefen und ausgiebigen Schlaf und einer kurzen Ruhephase sind wir auch wieder zu neuen Taten bereit und fit und munter.

Bei der chronischen Erschöpfung bzw. dem chronischen Müdigkeitssyndrom – auch CFS (Chronisches Fatigue Syndrom) genannt – reichen ein paar Stunden mehr Schlaf oder ein Urlaub bei Weitem nicht mehr zur Erholung aus.

Denn: Es handelt sich um eine ernsthafte körperliche Störung, der nur durch eine Wiederherstellung der Gesundheit auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene begegnet werden kann.

Das chronische Erschöpfungssyndrom

Das chronische Erschöpfungssyndrom tritt sehr häufig als Begleiterscheinung bei verschiedenen Krankheiten auf. Multiple Sklerose, Fibromyalgie, Tumorerkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen etc. Aber auch nach einem schweren Infekt, wie z. B. einer Grippe, kann solch ein chronisches Erschöpfungssyndrom auftreten. Ganz aktuell ist das im Zusammenhang mit Corona Infektionen und den Long-Covid-Patienten.

Tritt das chronische Erschöpfungssyndrom begleitend zu chronischen Erkrankungen auf, ist eine Heilung oft nur möglich, wenn die Grunderkrankung beseitigt werden kann. Dennoch gibt es Ihnen ein großes Stück Lebensqualität zurück, wenn die Erschöpfung gemildert werden kann.

Das Burnout-Syndrom

Eine andere Form der chronischen Erschöpfung ist das Burnout-Syndrom. Schon der Name verrät die Ursache: "Burnout", das bedeutet „ausgebrannt“ sein. Die Reserven sind aufgebraucht. Wir sind müde, energielos, am Ende unserer Kräfte.

Das Klinische Wörterbuch Pschyrembel definiert das Burnout-Syndrom als „Zustand emotionaler Erschöpfung mit Gefühl von Überforderung, reduzierter Leistungszufriedenheit und eventueller Depersonalisation infolge Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität; Endzustand eines Prozesses von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung, Frustration und Apathie“.

Nach dieser Definition ist die Ursache also eine extreme emotionale Erschöpfung aufgrund von Überforderung, Frustrationen und Unzufriedenheit. Früher wurde das Burnout-Syndrom als klassische „Managerkrankheit“ eingestuft. Aber Überforderung und Frustration haben mittlerweile in allen Branchen Einzug gehalten.

Und auch bei Hausfrauen ist das Burnout-Syndrom keine Seltenheit mehr. Überstunden, Arbeit am Wochenende, Mehrfach-Belastungen, zusätzliche private Verpflichtungen und übertriebener sportlicher Ehrgeiz halten uns im Hamsterrad gefangen. Abschalten und Ausruhen – Fehlanzeige!

Nur ein paar der auftretenden Symptome können sein:

  • Ein- und Durchschlafstörungen,
  • Nervosität,
  • innere Unruhe,
  • Tagesmüdigkeit,
  • Kopfschmerzen,
  • Rückenschmerzen,
  • Depressionen,
  • ungewollte Gewichtszunahme,
  • Antriebslosigkeit,
  • Aggressionen oder
  • erhöhter Alkoholkonsum.

Während die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit abnimmt, nehmen die emotionale Erschöpfung und die Angst vor dem Scheitern (und dem Jobverlust) zu. Der Druck und die Fülle der Erwartungen, die von anderen an die Betroffenen gestellt werden, lässt die Betroffenen unter einem Gefühl der vollkommenen Überforderung zusammenbrechen.

Das Boreout-Syndrom

Aber wussten Sie, dass auch Langeweile zur Erschöpfung führen kann? Dieses Phänomen wird Boreout-Syndrom genannt. Dieser Ausdruck stammt von dem englischen Verb "to be bored", was "sich langweilen" bedeutet.

In diesem Falle verursacht chronische Langeweile Stress. Ständige Unterforderung im Job kann sowohl quantitativ als auch qualitativ vorhanden sein. In einem Fall haben Sie einfach zu wenig zu tun. Im anderen Fall erledigt man Aufgaben, bei denen man sein Wissen und seine Fähigkeiten nicht einbringen kann.

Solch eine ständige Unterforderung führt zu einer generellen Unzufriedenheit. Das eigene Talent oder Potential bleibt ungenutzt. Schätzungen zufolge beträgt der gesamtwirtschaftliche Schaden durch Boreout in Deutschland über 250 Milliarden Euro!

Um die Unterforderung zu kaschieren, täuschen die Betroffenen hohe Geschäftigkeit und Arbeitsbelastung vor. Sie strecken Tätigkeiten über mehrere Tage und machen Überstunden.

In Wahrheit tun sie jedoch eher wenig, fühlen sich wertlos und die Langeweile führt zu schlechten Leistungen. Dieser Stress lässt die gesundheitliche Belastung ansteigen. Das wiederum führt dann leider dazu, dass anspruchsvolle und interessante Aufgaben an andere Mitarbeiter verteilt werden, weil der Vorgesetzte dem Mitarbeiter diese Tätigkeiten nicht zutraut.

Ein Teufelskreis beginnt: Denn wer sich über einen längeren Zeitraum langweilt und sich unterfordert fühlt, verliert immer mehr das Interesse an seiner Arbeit. Die Bereitschaft, Leistung zu erbringen, sinkt immer weiter, führt letztendlich zur inneren Kündigung und zu gesundheitlichen Folgen mit Fehltagen.

Die Symptome des Boreout-Syndroms sind dabei identisch mit denen des Burnout-Syndroms. Das ist auch der Hauptgrund, warum das Boreout-Syndrom als Burnout-Syndrom fehldiagnostiziert wird.

Die Behandlung der Phänomene

In der Naturheilkunde sind beide Phänomene schon länger bekannt. Vor allem auch die Tatsache, dass es sich hier nicht um eine rein emotionale oder psychische Störung handelt. Dadurch, dass wir eine Einheit aus Körper und Geist und Seele sind, hinterlassen auch andauernde emotionale bzw. seelische Belastungen Spuren auf der körperlichen Ebene. Chronischer Stress führt zu nachweisbaren körperlichen Schädigungen, schweren Mangelzuständen und energetischen Ungleichgewichten.

Eine rein psychotherapeutische Behandlung von Erschöpfungssyndromen ist daher keineswegs ausreichend. Die körperliche Ebene darf nicht vernachlässigt werden. Der Körper hat seine Reserven aufgebraucht. Es gilt hier, die Depots wieder aufzufüllen und dem Körper alle Bausteine zur Verfügung zu stellen, damit er wieder genügend Energie produzieren kann. Eine individuell angepasste Ernährung, die Substitution mit den fehlenden Vitaminen und Mineralstoffen, ist zwingend erforderlich.

Auf der geistig-seelischen Ebene braucht es neue Tagesstrukturen, Stress-Management/Entspannung, ein System zur Verhinderung von Über- bzw. Unterforderung und die Arbeit an tiefsitzenden Glaubenssätzen.

Das kann man alles gar nicht alleine schaffen, daher sollten sich Betroffene unbedingt qualifizierte Unterstützung holen.

Symptomen des Burnouts und Boreouts:

  • Erschöpfung, Energiemangel
  • innere Unruhe, Nervosität
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Niedergeschlagenheit, Depressionen
  • Antriebs- und Schlaflosigkeit mit Ein- und Durchschlafstörungen
  • Tinnitus
  • Infektanfälligkeit
  • Magen-/Verdauungsbeschwerden
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Schwindelgefühle
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • verringerte Initiative und Phantasie
  • Gleichgültigkeit, Langeweile
  • Desillusionierung
  • Neigung zum Weinen
  • Schwächegefühl
  • Verzweiflung
  • Aggressionen
  • Partnerschafts- und/oder Familienprobleme
  • Engegefühl in der Brust, Herzrasen, Atembeschwerden
  • vermehrtes Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Gisela, 18.06.2022 - 18:55 Uhr

Ich habe Ängste und bin leicht aggressiv.

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