Unterforderung am Arbeitsplatz: Was ist das Boreout-Syndrom?

Schlossparkklinik Dirmstein

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© fotolia - contrastwerkstattUnterforderung am Arbeitsplatz kann erhebliche Konsequenzen für Körper & Psyche mit sich bringen. (© fotolia - contrastwerkstatt)Burnout ist zur Volkskrankheit der modernen Arbeitswelt geworden. Doch nicht nur Überforderung wird zunehmend zum Problem - auch ständige Unterforderung und Langeweile können krank machen. Was ist unter dem sogenannten Boreout-Syndrom zu verstehen? 

Was ist das Boreout-Syndrom?

Wenig Arbeit und keine Überforderungen - was für viele wie ein Traumjob klingt, kann auf Dauer krank machen. Sicher ist mancher Arbeitnehmer anfangs über ein überschaubares Arbeitsaufkommen erfreut. Doch über längere Zeit können Unterforderung, Monotonie und Langeweile negativ physische und psychische Auswirkungen haben.

Wer keine Herausforderungen und Erfolgserlebnisse erfährt und wenig Sinn in seiner Tätigkeit sieht, für den wird der Arbeitstag oft quälend lang. Das Selbstwertgefühl leidet. Außerdem werden die natürlichen Belohnungsmechanismen des Gehirns permanent außer Kraft gesetzt.

Sind beim Burnout vor allem Faktoren wie die zunehmende Arbeitsverdichtung und ständiger Leistungs- und Zeitdruck das Problem, so ist es beim Boreout im Grunde genommen das Gegenteil: Tag für Tag wenig (Sinnvolles) zu tun zu haben, keine Verantwortung zu tragen und sich unterfordert zu fühlen, kann auf Dauer zu Frust, Motivationsstau und schließlich zum Boreout führen. Dieser Begriff basiert übrigens auf dem Englischen „boredom“, was übersetzt so viel wie „Langeweile“ heißt.


Ist Boreout wirklich eine Krankheit?

Bei einem Boreout handelt es sich um ein relativ neues Krankheitsbild, das bisher noch nicht offiziell anerkannt ist. Studien zur Häufigkeit liegen noch nicht vor. Aber laut einer Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin fühlen sich elf Prozent der Erwerbstätigen beruflich unterfordert.

Die Umfrage einer Krankenkasse ergab vor zwei Jahren, dass sich knapp ein Viertel der befragten Arbeitnehmer durch Langeweile gestresst fühlen. Außerdem ist die Dunkelziffer wahrscheinlich relativ hoch: Wer gibt gerne zu, dass er sich im Job langweilt und kaum etwas zu tun hat? Viele versuchen ein gegenteiliges Bild zu erzeugen und täuschen Tag für Tag vor, beschäftigt zu sein. 


© stokkete - fotoliaDie Symptome eines Boreout-Syndroms sollten ernst genommen werden und mit professioneller Hilfe behandelt werden. (© stokkete - fotolia)Was sind typische Symptome?

Die Symptome ähneln dem eines Burnouts: Neben dem körperlichen und geistigen Erschöpfungszustand werden SchmerzenSchlafstörungen oder Depressionen als Folge eines Boreouts vermutet. Anzeichen dafür sind auch Resignation und Antriebslosigkeit. Doch die medizinischen Erkenntnisse halten sich zur Zeit sehr in Grenzen, da vieles noch erforscht werden muss.


Wer ist besonders häufig betroffen?

Vielfach betroffen sind Mitarbeiter in Verwaltungen und Büros. Nicht selten verlieren sie durch spezielle Computersysteme einen erheblichen Teil ihrer Aufgaben und leiden unter ihrer vermeintlichen „Nutzlosigkeit“. In manchen Fällen werden Mitarbeiter aber auch bewusst durch „verordnetes Nichtstun“ ausgegrenzt und somit gemobbt.

Oft fühlen sich Arbeitnehmer auch durch Tätigkeiten unterfordert, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen. Insbesondere leistungsorientierte Menschen kommen sich in diesen Fällen wertlos vor und verfallen - ähnlich wie beim Burnout - in Depressionen und Resignation.


Inwiefern spielen die Arbeitsbedingungen eine Rolle?

Aufgrund immer restriktiverer Richtlinien und Kontrollen wird der Handlungsspielraum für den Einzelnen vielfach geringer. Gut ist es natürlich, wenn der Arbeitnehmer seine täglichen Arbeitsabläufe nach dem tatsächlichen Arbeitsaufkommen ausrichten und individuell gestalten kann. Das motiviert und vermeidet Monotonie.


Was kann ich als Betroffener tun?

Statt so zu tun, als wäre das Arbeitsaufkommen ausreichend, ist es besser, mit dem Vorgesetzten zu sprechen. Auch wenn es vielen schwer fallen mag, das Problem zu thematisieren. Bitten Sie ihn um verantwortungsvollere Aufgaben und qualifizieren Sie sich beruflich weiter. Sinnvoll ist es auch, im Privatleben aktiv zu werden und so einen Ausgleich zu schaffen. Das hilft aber oft leider nur in der Anfangsphase. Auf jeden Fall sind Entspannungsübungen wie Yoga oder Progressive Muskelrelaxation empfehlenswert.

Bereitet das Boreout deutliches Leiden, so sollte professionelle Hilfe in Form einer Therapie in Anspruch genommen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


29.05.2018 - 19:44 Uhr

Ja, das sind halt die beiden Extremfälle, die es...

von Daniel B.

... heute gibt. Einerseits die, die eigentlich nur sehr minimale Jobs bekommen haben aber aus verschiedenen Gründen danach viel mehr Verantwortung aufgedrückt bekommen. Und andererseits die, die wohl oftmals besser ausgebildet sind oder aber vorher schon mehr Verantwortung hatten und danach aufgrund von Fortschritt in ihren Kompetenzen signifikant eingeschränkt werden. Ich fürchte, bei Boreout hat man aber noch viel mehr Respekt von Laien ohnehin schon bei Borenout, obwohl es doch eindeutig ein fortschreitendes Problem ist....


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