Das jameda-Interview: 9 Fragen an Herrn Dr. med. Bernd Hölperinfo_plain_20gr

Herr Dr. Hölper praktiziert als Neurochirurg in Gelnhausen. (© Hölper)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Bernd Hölper interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Neurochirurg.


jameda
: Herr Dr. Hölper, was hat Sie motiviert, Neurochirurg zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Herr Dr. Hölper: Motiviert durch meine Promotionsarbeit über neuronale Netze während des Medizinstudiums in Göttingen, arbeitete ich mich in die Logik und Komplexität des Nervensystems ein.

Zunächst führte mich dieses Interesse in die Neurologie. Von dort konnte ich in den neurochirurgischen OP-Saal hineinschnuppern und war sogleich von der Kombination aus Medizin und Technologie fasziniert. In den Folgejahren beschäftigte ich mich zunächst sehr intensiv mit den Stoffwechselmechanismen von Schädel-Hirn-Traumen und Hirnblutungen und war an der Entwicklung von Hirnstoffwechselmessungen und Navigationstechniken am Gehirn und der Wirbelsäule beteiligt.

Mit zunehmender operativer Erfahrung begeisterte mich die Ästhetik der Wirbelsäulenchirurgie in Kombination mit High-Tech-Verfahren. So wurde die Wirbelsäulenchirurgie meine berufliche Zukunft und mein Spezialgebiet seit mittlerweile über 20 Jahren. 

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Herr Dr. Hölper: Hier muss ich etwas differenzieren: Mein operativer Tätigkeitsschwerpunkt liegt bei minimalinvasiven, also möglichst gewebeschonenden Operationstechniken an der Wirbelsäule. Hier haben wir in den letzten 15 Jahren enorme Fortschritte gemacht und mittlerweile ein sehr hohes Erfahrungsniveau erreicht, weshalb die Komplikationsraten extrem niedrig geworden sind.

Während der "konservativen" Tätigkeit, also außerhalb des OPs, ist die Diagnosefindung durch detaillierte Anamnese und Diagnostik ein weiterer Schwerpunkt. Dafür entwickeln wird gerade selbst verschiedene Softwareansätze, um sowohl die Diagnostik als auch Therapie für unsere Patienten weiter zu optimieren. 

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Herr Dr. Hölper: Ich habe einige Kollegen und Kolleginnen kennengelernt, die durch Ihre Fachkompetenz, Menschlichkeit, Fürsorge, Beharrlichkeit und Souveränität sicherlich als Vorbilder in Erinnerung sind und meine Laufbahn geprägt haben. 

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Herr Dr. Hölper: Man kann sagen, dass sich die Wirbelsäulenchirurgie in den letzten 15 Jahren revolutioniert hat. Eingriffe, die früher mit hohem Blutverlust, vielen Komplikationen und langen OP-Zeiten assoziiert waren, haben ihren Schrecken verloren.

Viel Technologien haben in der Kombination dazu beigetragen: LED-OP-Leuchten, digitales Röntgen, minimalinvasive Instrumente, neuartige und optimierte Implantate, Navigation und intraoperative Nervenmessung seien hier nur beispielhaft genannt.

Zunehmende intelligente Digitalisierung und Verknüpfung von medizinischen Informationen werden meiner Ansicht nach die Behandlungsergebnisse zukünftig verbessern. 

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Herr Dr. Hölper: In der degenerativen Wirbelsäulenchirurgie liegt diese sicherlich in der differenzierten Behandlung insbesondere bei verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen. Die Fragen, wann man operiert, bei welchen Symptomen und Befunden und welche Ergebnisse wir erhalten, werden uns zukünftig beschäftigen.

Weitere große Herausforderungen der Wirbelsäulenchirurgie liegen in der Behandlung von Querschnittpatienten, Tumor- und Infektionserkrankungen sowie in der regenerativen Therapie, z. B. im Rahmen gentechnischer Verfahren. 

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Herr Dr. Hölper: Ich denke, dass Ruhe und Geduld für meine Patienten sehr wichtig sind. Rückenpatienten befinden sich häufig in einer stürmischen Lebensphase, die hauptsächlich von Krankheit, Schmerzen und Resignation geprägt ist. Da ist es eine Hilfe, ernst genommen zu werden und Auswege hieraus zu erhalten, die wieder neuen Mut geben. 

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Herr Dr. Hölper: Besonders schätze ich bei meinen Patienten die Art und Weise, sich trotz schwerer Schicksalsschläge oder anderer Belastungen zu engagieren und positiv zu denken. 

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Hölper: Während meiner beruflichen Laufbahn erlebe ich tagtäglich unterschiedliche und schwere Patientenverläufe. In Erinnerung bleiben mir aber die Patientinnen und Patienten, die sich bei schwersten Erkrankungen wieder in ihr Leben zurückgekämpft haben.

Aber auch an meine erste "Gründungs-Operation" des Wirbelsäulenzentrums Fulda Main Kinzig, die im Oktober 2006 in Gelnhausen stattfand, kann ich mich noch sehr genau erinnern – sowohl an den Patienten als auch an das gesamte OP-Team.  

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Hölper: Als Rückenspezialist kann ich nur immer wieder dazu motivieren, bewegen – bewegen – bewegen. Die gesundheitlichen Vorteile eines Bewegungs- und Krafttrainings werden immer noch häufig vollkommen unterschätzt. 

Zur Person

Dr. Hölper ist eines der Gründungsmitglieder des Wirbelsäulenzentrums Fulda | Main | Kinzig. Nach dem Studium in Göttingen arbeitete er in Wilhelmshaven, Sanderbusch, Fulda und Richmond (USA). Er beschäftigt sich seit Jahren mit minimalinvasiven Korrekturen von Wirbelsäulenfehlstellungen und des Iliosakralgelenks.

Dr. Hölper ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie und der AO Spine. Er promovierte über neuronale Netze und forschte über Hirndruck und Hirnstoffwechsel und entwickelte eine spezielles Nervenwasserkontroll- und Messgerät. 

Zur Praxis

Das Wirbelsäulenzentrum Fulda I Main I Kinzig MVZ GmbH wurde 2006 in Gelnhausen gegründet und umfasst mittlerweile weitere drei Praxisstandorte (Fulda, Hanau, Neu-Isenburg). Als Besonderheit des Zentrums kann nicht nur das komplette operative, sondern auch konservative, nichtoperative Spektrum angeboten werden. Für die operative Therapie stehen sieben Kooperationskliniken zur Verfügung, so dass in jedem Fall eine regionale Versorgung möglich ist. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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