Hohlkreuz: Was hilft gegen Hyperlordose?

Dr. Gaiser

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©Photographee.eu - fotoliaEin Hohlkreuz bewusst zu trainieren ist kompliziert (©Photographee.eu - fotolia)

Wenn ein Hohlkreuz nicht frühzeitig behandelt wird, kann später eine Operation notwendig sein. Welche Trainingsmöglichkeiten gibt es zur Beseitigung der Hyperlordose?

 

Woher kommt das Hohlkreuz?

Das Achsskelett ist ein komplexes Organ des Bewegungsapparates. Es besteht aus sieben Hals-, 12 Brust- und fünf Lendenwirbelkörpern, dem Kreuz- und dem Steißbein. 

Die Wirbelkörper im Hals-, Brust- und Lendenbereich sind durch die Bandscheiben vorderseitig und durch die kleinen Wirbelkörpergelenke rückseitig miteinander verbunden. Ausnahmen stellen die Verbindungen zwischen Schädel und erstem Halswirbelkörper und dem ersten und zweiten Halswirbelkörper dar: Hier gibt es keine Bandscheiben.

Durch das Aufrichten des Menschen während der Evolution wurde die Wirbelsäule in einzelnen Segmenten vermehrt mit Druck belastet. Die Evolution versuchte durch eine S-förmige Verbiegung der Wirbelsäule ein körpereigenes Puffersystem zu schaffen. Ein gewisses Maß an "Hohlkreuz" oder "Rundrücken" ist somit von der Natur vorgegeben. 

Wie baut sich ein Hohlkreuz weiter aus?

Nimmt die "innere Muskelmanschette" ab – hier baut sich die Tiefenmuskulatur ab – nimmt der Grad der Verbiegung der Wirbelsäule zu, d.h. "Hohlkreuz" und "Rundrücken" nehmen zu. Dadurch werden die Bandscheiben und kleinen Wirbelkörpergelenke vermehrt belastet. Hält dieser Zustand mehrere Monate oder sogar Jahre an, bilden sich Bandscheibenvorwölbungen oder sogar Bandscheibenvorfälle. Auch kleine knöcherne Ausziehungen an den kleinen Wirbelgelenken können sich bilden. Im Weiteren werden dann oftmals Operationen notwendig. 

Soweit darf man es erst gar nicht kommen lassen. Der Erhalt und Aufbau der "inneren Muskelmanschette" spielt die entscheidende Rolle. Dabei sind vor allem die kleinen, unwillkürlichen Tiefenmuskeln bedeutsam. Sie liegen der Wirbelsäule im gesamten Verlauf in der Tiefe an und umspannen sie. Wenn sie angespannt werden, strecken sie sich, wodurch sich die Wirbelsäule aufgerichtet und das Hohlkreuz abnimmt. Dadurch werden die Bandscheiben und kleinen Wirbelkörpergelenke entlastet. 

Die Schwierigkeit liegt im Training der kleinen Wirbelkörpergelenke, denn diese Tiefenmuskulatur unterliegt nicht dem Willen. Das heißt, sie ist nicht willkürlich anspannbar.

Wie ist die Tiefenmuskulatur durch Training zu erreichen?

Dazu muss man sich gewisser "Tricks" bedienen. 

Erstens: der Einsatz hochisolierender Trainingsmaschienen. Diese Maschinen nehmen durch spezielle Fixierungsmaßnahmen die Bewegungs- und Oberflächenmuskulatur aus der Bewegung. Die Übung wird dann kontrolliert durch den Einsatz computergestützter Systeme durchgeführt. Die privaten Krankenkassen übernehmen in der Regel 12 oder 24 Therapie-Einheiten, die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht.

Zweitens: Training auf beweglichem Untergrund (z.B. Balancepad, Wackelbrett, Therapiekreisel, Posturomed, Minitrampolin etc.), oft in Kombination mit Einbeinstand und Seilzugübungen. Entscheidend für den Therapie-Erfolg ist, die Übungen konsequent durchzuführen, am besten zwei bis drei Mal die Woche für mindestens zwei bis drei Monate.

Zusätzlich zum Training der tiefliegenden Rückenmuskulatur sollte beim Rundrücken auch die Bauchmuskulatur trainiert werden. Auch hier wird das Hohlkreuz „entgradigt“, wenn das Becken aufgerichtet wird.

Schließlich sollte bei Beinlängendifferenzen, Beckenschiefstand oder Fußfehlstellungen eine Einlagenversorgung gegebenenfalls mit Verkürzungsausgleich durchgeführt werden.

Besser als jegliche Therapie ist jedoch immer die Prävention. Bleiben Sie aktiv.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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