PRT im MRT: Gezielte Wirbelsäulenspritzen ohne Strahlenbelastung

Eine MRT-Untersuchung ermöglicht wichtige Detailaufnahmen des menschlichen Körpers. (© freeograph - freepik)

Obwohl die zielgenaue Wirbelsäulentherapie (PRT) schon ein gängiges Therapieverfahren darstellt, ist die Zielführung durch MRT-Technologie bisher noch eine Rarität, die nur an wenigen Orten angeboten wird. Sicherlich nicht zuletzt deshalb, weil es sich um eine Selbstzahlerleistung handelt, obwohl sich dadurch die Strahlenbelastung auf Null reduzieren lässt.

Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie – auch bezeichnet als Kernspintomographie – lassen sich in kurzer Zeit eindrucksvolle Schichtaufnahmen nahezu jeder Körperregion anfertigen. Besonders gut sind Rückenmark, Nerven, Muskeln und Gelenke zu erkennen.

Dabei werden keine Röntgen- oder radioaktive Strahlen, sondern ein starkes Magnetfeld eingesetzt. Die Kernspintomographie ist ein schonendes und praktisch risikoloses Untersuchungsverfahren, das auch therapeutische Anwendung bei der PRT (periradikuläre Therapie) findet.

Dieses Vorgehen bei der Behandlung von Kreuzschmerzen vermindert die Nebenwirkungen der Bildgebung und nutzt die Vorteile der zielgenauen Schmerztherapie.

Wann kommt eine PRT zum Einsatz?

Die Indikation zur PRT besteht bei Nervenwurzelreizsyndromen. Sie sind meist die Folge eines Bandscheibenvorfalls und/oder einer Einengung der Nervenwurzeln infolge degenerativer Veränderungen der Wirbelsäule wie Spinalkanalstenose oder Facettenarthrose. Gezielt wird hier an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal ein Lokalanästhetikum in Verbindung mit einem Cortisonpräparat gespritzt.

Das gespritzte, örtlich wirkende Betäubungsmittel (Ropivacainhydrochlorid/Naropin) wird die Nervenwurzel zunächst beruhigen und den Schmerz reduzieren. Es tritt ein Entspannungsgefühl mit subjektiver Erwärmung im Rücken und im betroffenen Bein ein.

Durch wiederholte Injektionen werden sowohl die Schmerzintensität, die Entkrampfung der verspannten Wirbelsäulenmuskulatur sowie die Durchblutung der den Nerv umgebenden Gefäße verbessert. Damit der Nerv abschwillt, kann unterstützend ein Cortisonpräparat (Triamcinolon) zum Einsatz kommen.

Diese Methode kann bei allen akuten und chronischen Nervenwurzelreizungen durchgeführt werden, z. B.:

  • Spinalkanalstenose
  • Facettenarthrose
  • Iliosakralgelenksarthrose
  • Nervenwurzelkompression durch einen lumbalen Bandscheibenvorfall

So läuft die Behandlung ab

Konkret wird der Patient in Bauchlage in der MRT-Röhre platziert. Nach den üblichen Vorbereitungen und der Festlegung des zu behandelnden Wirbelsäulenabschnitts werden die Koordinaten auf der Haut markiert. Anschließend wird die Haut mehrfach desinfiziert und die Behandlung beginnt.

Mit Hilfe der Bildsteuerung wird eine dünne Injektionsnadel, unter Lokalanästhesie der Haut und Muskulatur, bis in unmittelbarer Nähe zur Nervenwurzel vorgeschoben. Danach wird im MRT die korrekte Lage der Nadel überprüft. Dadurch können die Medikamente genau an den betroffenen Nerv gespritzt werden.

Bei den Injektionen können zusätzlich Lokalanästhetika um den Nerv injiziert werden. Dadurch schwillt das Gewebe ab und der Druck auf das Nervengewebe wird vermindert. Durch das Lokalanästhetikum lässt der Schmerz meist sofort nach. In den Beinen kann jedoch ein vorübergehendes Taubheitsgefühl auftreten. Das kann mehrere Stunden anhalten und verschwindet wieder gänzlich. Nach der Therapie muss keine Überwachung erfolgen. Diese Art von Behandlung kann auch wiederholt werden.


Eine wirkungsvolle Therapie für Rückenschmerzen

Infrage kommen dafür auch die Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke), die bei Rückenschmerzen im Rahmen der Facettenarthrose häufig die Schmerzquelle sind. Hierbei sind diese Gelenke meist durch Verschleißprozesse vergrößert als Reaktion zur Druckentlastung.

Allerdings ist diese Reaktion des Körpers eher nachteilig, denn durch die knöcherne Raumforderung wird häufig die Nervenaustrittsregion eingeengt. Der Druck auf den Spinalnerv kann nun die typischen, ins Bein ausstrahlenden Beschwerden auslösen.

Auch das Iliosakralgelenk eignet sich für diese Therapie sehr gut. Im Gegensatz zu den häufigen Blockierungen im ISG können Arthrosen der Kreuzdarmbeingelenke durch sogenannte diagnostische Blockaden, recht sicher und eindeutig festgestellt werden. Dabei handelt es sich um bildgesteuerte, gezielte und dokumentierte Gelenkeinspritzungen mit einem nur örtlich wirksamen Betäubungsmittel.

Häufig wird dabei eine ergänzende Infiltration des Bandapparates vorgenommen. Begleitend sollten dabei auch Fasziensyndrome, Muskelverspannungen und Stresszustände behandelt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (10)

Dore Z., 11.09.2021 - 10:24 Uhr

Guten Tag, mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Da ich leider sehr weit von Ihrer Praxis entfernt wohne, würde mich interessieren, wie ich einen Arzt finden kann, der die PRT unter MRT Kontrolle durchführt. Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. med. Martin Ihle - Privatpraxis, verfasst am 14.09.2021

Sie können mir gern eine Email schreiben unter praxis@orthopaedie-ihle.de Dann helfe ich Ihnen gern weiter. Gruß Dr Ihle

Gary B., 01.05.2021 - 16:22 Uhr

Wie lang dauert eine solche Therapie? Gb

Antwort von Dr. med. Martin Ihle - Privatpraxis, verfasst am 06.09.2021

In der Regel könne nach der ersten erfolgreichen Infiltration noch zwei weitere erfolgen mit Pausen von 2-4 Wochen.

Dr. T. Opel, 24.04.2021 - 15:53 Uhr

Vielen Dank für den sehr guten Artikel. Es wäre noch sehr interessant zu wissen, ob es überhaupt Kliniken gibt und welche, die MRT + PRT anbieten, wenn dies eine Rarität in Deutschland ist, um mal Beispiele zu sehen.

Antwort von Dr. med. Martin Ihle - Privatpraxis, verfasst am 26.04.2021

Lieber Hr. Opel. Danke für die freundliche Anfrage. Gern kann ich Ihnen dazu ein paar Hinweise geben. Schreiben Sie mir doch eine kurze Mail mit Ihrem Kontakt und ich melde mich bei Ihnen. Gruß Dr. Ihle

Karin L., 07.01.2021 - 07:25 Uhr

Ich interessiere mich 'brennend' für die Neuromodulation! Könnten Sie mir bitte Info-Material als PFD zwecks einer eventuellen OP zusenden? herzlichen Dank Karin L.

Antwort von Dr. med. Martin Ihle - Privatpraxis, verfasst am 07.01.2021

Ich beschreibe in meinem Artikel eine periradikuläre Infiltrationstechnik zur Therapie der gereizten Nervenwurzel. Die Neuromodulation bzw. SCS (spinal cord stimulation) ist eine chirurgische Intervention zur Schmerztherapie mit Implantation eines elektrischen Impulsgebers. Diese Methode gehört nicht zu meinem Therapiespektrum. Weitere Informationen dazu erhalten Sie bei spezialisierten Neurochirurgen oder Wirbelsäulenchirurgen.

Sabihoulah, 08.11.2020 - 14:08 Uhr

Hallo Meine Name ist Sabihoulah, ich habe Seite einer Woche viele Rückenschmerzen und ich kann nicht wegen Rückenschmerzen schlafen.

Antwort von Dr. med. Martin Ihle - Privatpraxis, verfasst am 10.11.2020

Lieber Hr Sabihoulah. Gerne können Sie sich einen Termin in meiner Sprechstunde buchen und wir überlegen gemeinsam welche Therapie für Sie in Frage kommt. Ihr Dr IHLE

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