OP bei Bandscheibenvorfall: Ja oder nein?

Sollte ein Bandscheibenvorfall operiert werden - ja oder nein? (© iStock - spukkato)

Nicht jeder Bandscheibenvorfall erfordert eine OP. Jeder Bandscheibenvorfall sollte aber möglichst eingehend analysiert werden, um drohende Folgeschäden bestmöglich zu vermeiden. Aber auch Folgeschäden durch eine OP sind besonders ernst zu nehmen. Ob ein Bandscheibenvorfall operiert werden sollte, muss deswegen immer sehr sorgfältig abgewogen werden.


Wann ist eine OP unbedingt notwendig?

Nicht die Schmerzen, sondern die Auswirkungen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Bandscheibenvorwölbung auf die vorbei ziehenden Nervenwurzeln spielen vor allem bei den so häufig betroffenen Etagen zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel oder dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein die alles entscheidende Rolle. Von ihnen hängt ab, ob und wie operiert werden sollte. 

Wenn eine Nervenwurzel durch einen Vorfall oder eine Vorwölbung so stark Druck auf eine vorbeiziehende Nervenwurzel ausübt, dass sie keine Reize mehr weiterleiten kann, kommt es zu schwerwiegenden Gefühlsausfällen. Auch Lähmungen und sogar Blasen-Mastdarm-Störungen können auftreten, bei denen der Betroffene die Kontrolle über die Darm- und Blasenentleerung verliert. Hier ist die Situation klar: Eine möglichst schonende OP sollte zügig durchgeführt werden.

Wenn aber nur leichte oder gar keine Gefühlsausfälle oder Muskelschwächen festzustellen sind, sollte man möglichst überhaupt keine OP in Betracht ziehen. Hier sollte gezielt konservativ dem natürlichen Heilverlauf nachgeholfen werden.

Was tun bei zunehmenden Nervenausfällen?

Bei zunehmenden Nervenausfällen sollte eine Magnetresonanztomografie durchgeführt und sehr genau analysiert werden:

  • Wo genau liegt der Vorfall oder die Vorwölbung?
  • Welche weiteren Veränderungen wie Erb- und Anlage-Erkrankungen liegen vor?

Viele Kribbelmissempfindungen in den Beinen werden zum Beispiel auf ein Piriformis-Syndrom zurückgeführt, das durch eine Störung im Iliosakral- oder Kreuzdarmbeingelenk verursacht wird.

Wie läuft die OP bei Nervenausfällen ab?

Wenn die Nervenausfälle ernsthaft sind und sich sogar ständig verschlimmern, sollte möglichst schonend vorgegangen werden. Oft verursacht der Vorfall oder die Vorwölbung Gewebsentzündungen und Schwellungen im Rückenmarkskanalgewebe. Diese Entzündung kann zu Nervenschmerzen und Störungen der Nervenfunktionen führen. 

Eine konventionelle Bandscheiben-OP in einem entzündeten Gewebe führt oft zu besonders starken Narbenbildungen und einem so genannten "Postnukleotomiesyndrom". Nachdem das vorgefallene Bandscheibenkerngewebe durch eine OP herausgelöst wurde, bilden sich ständig narbige Reizerscheinungen.

Deshalb werden immer häufiger minimalinvasive Therapien unter Realtime-Bildkontrolle wie eine PRT angewendet. Damit kann die Nervenwurzel oder eine Epiduraltherapie mit speziellen Substanzen gezielt in der Umgebung des Bandscheibenvorfalls eingesetzt werden.

Selbstverständlich muss bei jedem Bandscheibenvorfall unbedingt schnellstmöglich auch die Tiefenmuskulatur durch spezielle kontrollierte Übungen trainiert werden, um später wieder sportlich aktiv werden zu können.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (10)

Isabella T., 19.05.2021 - 15:23 Uhr

Hallo, ich bin 35 Jahre alt. 2012 hatte ich meinen ersten Bandscheibenvorfall (LWK4/5) mit geringer Wölbung. Nun leider ich seit einem Monat unter starken Schmerzen. Befund nach MRT: Bandscheibenvorfall LWK4/5 (Ausdehnung 11,5 mm) mit Kompression der linken L5-Wurzel. Zu den Symptomen zählen: Schwäche im Bein, Fußhebung nur vermindert möglich, Schmerzen von Rücken bis Fuß, Taubheit in Fuß und großem Zeh, beugen etc. kaum möglich. Bisher habe ich Schmerzmittel bekommen (Ibuprofen, Tramadol, Kortisonspritze), jedoch ohne nennenswerte Besserung. Die Möglichkeit einer OP steht noch im Raum. Wäre es sinnvoll in diesem Fall zu operieren? Mein Orthopäde hat mir die konservative Therapie und die OP vorgestellt, doch bin ich mir unsicher.

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 28.05.2021

Sehr geehrte Frau Isabella T., nur durch eine Befundbeschreibung lässt sich diese Frage nicht beantworten! Es sollte aber nochmal abgeklärt werden, ob neben der Bandscheibe nicht auch eine Mitreaktion des Iliosakralgelenks ISG und des Piriformismuskels mit berücksichtigt werden soll, ob eine spezielle Infiltrationstherapie evtl. auch mit PRP aus dem Eigenblut nicht doch auch eine Option wäre. Und wenn OP, bitte nur mit der perkutanen endo-(nicht mikro-)skopischen Technik durch einen wirklich geübten Spezialisten! Wo leben Sie denn? Beste Grüße, Dr. Sigg

L. B., 22.05.2020 - 12:30 Uhr

Hallo, ich bin 23 Jahre alt und leide seit einem dreiviertel Jahr an einem Bandscheibenvorfall. (S1/LWS5) Ich habe ein dauerhaftes Taubheitsgefühl im rechten Fuß, welches bis in die Wade anhält. Wenn ich mich entspanne (liegend) habe ich kaum bis gar keine Schmerzen. Wenn ich sitze, habe ich ein dauerhaftes stechen im hinteren rechten Oberschenkel. Laufen kann ich kaum noch nur ein paar Meter. Im Januar habe ich Physio bekommen, wodurch es nicht besser wurde. Im April war ich deshalb das erste mal im KH, es wurde erst auf eine konservative Therapie geraten. Ich bekam eine ESI und konnte wenigstens wieder gerade stehen. Nach einem halben Tag konnte ich aber dann wieder nicht mehr laufen. Deshalb bin ich zu zwei verschieden Ärzten, um mir eine Meinung einzuholen. Der Chirurg meinte: auf keinen Fall eine OP, dann können sie damit rechnen, dass in 10Jahren wieder eine OP notwendig ist. Und gab mir einen Überweisungsschein zu einen Neurochirurg, der mir kortison reinspritzen soll. Am Nachmitag war ich dann bei dem anderen Artz, ein Orthopäde. Er meinte: Aufjedenfall eine OP, sie könnten Schäden davon tragen am Nerven, da er schon so lange eingeklemmt ist und sie Taubheit und Muskelschwäche im rechten Bein haben und gab mir einen Überweisungsschein ins KH. Nun weiß ich absolut nicht mehr was ich machen soll? Im Internet sind die Meinungen verschieden. Einige sagen ja, andere nein. Ist es denn wirklich so, dass ich nach 10 Jahren wieder zu einer OP muss ?

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 22.05.2020

Hallo L.B., nicht mehr länger damit herumquälen! Schleunigst zu einem perkutan endoskopischen BSV-Spezialisten gehen! Kein Kortison, keine Physio, sondern wirklich schonendste(!) Dekompression und anschließend wieder ein spezielles Training der Sensomotorik/Corestability in eigener Regie. Mailen Sie gerne bitte mal Ihren MRT-Befund - und melden Sie sich gerne auch zur Videosprechstunde auf meiner Website www.dr-sigg.de an! Dr. Sigg

Fabrizio M., 25.05.2018 - 16:51 Uhr

Guten Tag, ich leide an einem vor fast einem Jahr zufälligerweise entdeckten maßiven BSV an der HWS (C4-C5). Nach einem Jahr konservativer Behandlung (4 mal mit Kortison gespritzt und fast kein Sport) zeigen die neue MRT-Bilder eine "deutliche Rückbildung" und nur "geringe" Penetration im Wirbelkanal, jedoch fühle ich seit 6-8 Woche Missempfindungen in dem entsprechenden Bereich (v.a. Schulter und Bizeps), sowie Schmerzen an LWS (der Arzt meint hier bloß ISG-Verspannung). Letzte Bemerkung ist, dass alle diese Missempfindungen waren - in der Zeit als der BSV entdeckt war- ursprünglich nicht vorhanden. Die Frage ist also: Wie können die MRT-Bilder besser sein, aber die Symptome schlimmer? Ist das erfahrungsgemäß normal? Soll man abwarten und Ibuprofen weiter nehmen, wie mir empfohlen wurde?. Vielen Dank, LG

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 29.05.2018

Hallo, sehr geehrter Herr Fabrizio M.! Das gehört wohl von einem spezialisierten Schmerztherapeuten im Detail abgeklärt und behandelt! "MRT-Bilder besser" ist ein Hinweis, dass wahrscheinlich nicht eine Bandscheibe, sondern eine andere Veränderung/Reizquelle ursächlich ist! Wahrscheinlich gibt es eine bessere Alternative zu Ibuprofen....

was habe ich verpast im Leben, 12.05.2018 - 15:11 Uhr

Hallo, ab wann ist eine OP Notwendig bzw Sinnvoll? Ich habe schon Seit vielen Jahren immer wiederkehrend Beschwerden, Symtome siehe ganz unten. Im letzten Monat habe ich mich mal endlich überwunden, das beim meinem Hausarzt, eigendlich nur als rand notiz, zu erwähnen. Dieser hat mich dann zum Radiologen überwiesen. Laut MRT habe ich einen Bandscheibenvorfall zischen dem C4 und C5 wobei es nach den Bilderen auch zu einer verengung das Spinalkanals gekommen ist, kann auch gerne die MRT Aufnahmen bereit stellen. Meine Frage ist auch, da ich das schon über jahre habe, ( ca 15 Jahre ) immer wiederkehrend, woran es liegen kann da ich zu dem zeitpunkt ja erst 20 Jahre alt war. Desweitern bin ich mir nicht ganz sicher welche Symtome von der Bandscheiben Problematik kommen können und welche, vielleicht von ganz anderen Problemen. -Ischias Nerv rechte Seite -Verspannungen Nacken beidseitig ( besonders die linke) -schmerzen an Sehen / Muskel Ansätzen Hals Ansatz ( Schlüsselbein ) rechte Seite -Verspannungen Schulterblatt Muskel rechte Seite -Verspannungen Rückenmuskel beidseitig der Wirbelsäule, besonders schmerzhaft rechte seit. -Kribbeln rechte Gesichtshälfte -Taubheit- Gefühl im Gesicht rechts -Augen zucken vor allem rechte Seite -Ohren fiepen ( meist rechts) -Hörsturz -Hoden rechts / Samensträngen rechts schmerzen, ( wurde vom Urologen untersucht Ultraschal, auch auf Hinsichtlich Leistenbruch aber keine Ursache erkennbar, als Überempfindlichkeit diagnostiziert, keine weiteren maß nahmen) -Kribbeln im rechten Arm -Taubheitsgefühl im Rechten Arm , bis teils in den Handballen hinein -Schmerzen rechte Brust Seite -Schmerzen Brustkorb, Brustbein bis Schwertfortsatz -Das Gefühl das der Kopf zu schwer ist -das Gefühl das der Kopf nach rechts hängt -Schwindel -Kälte Schauer / wärme Schauer durch den Körper -Elektronen Schauer durch den Körper von oben nach unten -schmerzen Rechtes Becken -Kopfschmerzen, zum teil überall verteil , zum teil Rechte Gehirn Hälfte hinterer Bereich / linke Seite vordere Gehirn Hälfte -Teils weise das Gefühl das zwischen Gehirn und Schädel eine Entzündung ist -Temporär Problem beim sehen( pünktlichen, Sterne) , leicht verschwommen, Überempfindlichkeit gegenüber Helligkeit -teilweise Taubheitsgefühle rechter arm -allgemeines Krankheitsgefühl ( als ob eine Infektion im Körper wütet) -teilweise Überempfindlichkeit warm / kalt -Zusammenbruch "alles" soll heißen Schwindel, danach teils Taubheit im ganzen Körper ,zusammen sacken, -elektronen Schauer durch den ganzen Körper, Zittern des Körpers ( aber er nach innen , nicht wie beim frieren), kurz danach alles wieder in Ordnung. -unregelmäßiger Stuhlgang, also von Normal bis Wässriger Durchfall alles dabei, bei gleichbleibender Ernährung -am 05.05.18 Wässriger Durchfall, Krankheitsgefühl wie bei Erkältung -temporär wiederkehrende schmerzen beim Wasserlassen -Überreizbarkeit der Haut -Temporär Übelkeit / appetitlosigkeit -schmerzen Rücken Mitte -schmerzen Rücken unten -Zittern Unterkiefer -Zuckungen in den Muskeln Beine/Arme -das "Gefühl" immer den After zukneifen zu müssen damit nichts raus kommt -Zittern der Beine , meist kurz nach dem Aufstehen -Innere Unruhe -Zittern am ganzen Körper, meist an beginn des Tages, legt sich im laufe des Tages -schmerzen beim tiefen einatmen in die Brust ( Brustbein) -druck schmerzen beim tiefen einatmen in den Bauch -zittern Beine, kribbeln in den Füßen -Kribbeln in den Zehen rechts -Konzentrationsschwierigkeiten -stechender Schmerz im Gehirn Richtung Schädel ( oben rechts) -zusammensacken der Beine -"häning face" also das Gefühl das das Gesicht von einem abtropft , ähnlich wie bei Örtlicher Narkose Zahnarzt zur halt großflächiger. -häufig kalte rechte Hand -Knacken in allen Gelenken -Angstgefühle -Beklemmungsgefühle -das Gefühl das ein Riesen druck auf meinen Schulteren lastet -algemeine anspannung -Reizbarkeit -Schweissausbrüche -Kraftlosigkeit -müde -Druck gefühl (Emotional) kurz vor Explosion -Gedanken an ich kann nicht mehr , ich will nicht mehr Das ganze geht schon über Jahre, am schlimmsten im Winter. da ich da meist an sich verkrampft bin. Bin Depressiv schon mein leben lang, was auch eine Depressive Körperhaltung beinhaltet. Seit dem 13 Lebensjahr Alkohohlabhänig, seit November 2016 trocken nach Stationärer Langzeittherapie. Seit dem 13 Lebensjahr Nikotienabhänig (ca 20 pro Tag ). Alter 35 männlich 1,73m / 72kg eher Muskulös Mit 17-18 Jahren erstmalige in Behandlung wegen Rückenschmerzen im Lendenbereich mit elekrostimulation, kein Erfolg, habe es dann ausgehalten wie auch den Rest.Davor wahren die schmerzen aber schon seit Jahren vorhanden, aber über die gesamte Wirbelsäule verteilt. über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 18.05.2018

Vielen Dank für Ihre ausführliche Schilderung! Um es kurz zu machen: ich denke, dass Ihre Schmerzen und Beschwerden nicht durch eine Bandscheiben-OP zu lindern sind. Am ehesten kann Ihnen wohl in einer spezialisierten multimodalen Schmerzklinik geholfen werden: erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Hausarzt, mit welcher Einrichtung er zusammenarbeitet! P. Sigg

Anonym, 31.03.2018 - 17:28 Uhr

Der Artikel von Herrn Dr. med. Peter Konrad Sigg war sehr hilfreich! Leider funktioniert die 5 Sternen-Vergabe nicht richtig!

Antwort von Dr. med. Peter Konrad Sigg, verfasst am 04.04.2018

Vielen Dank! Leite ich an jameda weiter...! Ihr P. Sigg

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