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Was tun gegen chronische Rückenschmerzen?

Dr. Gaiser

von
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©Dan Race - fotoliaChronische Rückenschmerzen hängen oft mit mangelnder Bewegung zusammen (©Dan Race - fotolia)Bis zu 80-90 % der Bevölkerung erleiden während ihres Lebens eine schwere Schmerzattacke im Bereich der Wirbelsäule. Etwa 10 % gehen in einen chronischen Zustand über, d.h. die Schmerzen dauern länger als drei Monate an.

Ursachen für chronische Rückenschmerzen sind häufig schwache tiefliegende Rückenmuskeln, mangelnde Bewegung, eine sitzende Tätigkeit bei der Arbeit und Übergewicht. Was tun? 

Wie können chronische Rückenschmerzen entstehen?

Risikofaktoren für eine chronische Erkrankung sind eine ängstliche Grundpersönlichkeit, Neigung zum Katastrophisieren, ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, Überforderungen in Beruf und Familie sowie Unzufriedenheit am Arbeitsplatz.

Aber auch ärztliches Verhalten wie Überdiagnostik spielt eine große Rolle, d.h. immer gleich die Überweisung zu MRT oder CT und stigmatisierende Aussagen wie "mit Ihrer Wirbelsäule ist es ein Wunder, dass Sie noch nicht im Rollstuhl sitzen!".

Was passiert, wenn die Schmerzen nicht behandelt werden?

Werden die funktionellen Störungen nicht beseitigt, die meistens durch mangelnden Muskelstatus, mangelnde Bewegung und falsche Bewegungsmuster entstehen, verändert sich mit der Zeit die Struktur der Wirbelsäule.

Dazu zählen bei den Bandscheiben Vorwölbungen bzw. Vorfälle, arthrotische Veränderungen an den kleinen Wirbelkörpergelenken mit Knorpelaufbrauch und der Ausbildung knöcherner Anbauten. Daraus resultieren wiederum Nervenwurzelreizsyndrome und knöcherne Engen des Wirbelkörperkanals. Schließlich verändert sich auch die Statik und die Wirbelkörper beginnen zu gleiten.

© RioPatuca Images - fotoliaLassen Sie chronische Rückenschmerzen nicht unbehandelt! (© RioPatuca Images - fotolia)Wie können die Rückenschmerzen behandelt werden?

Stehen die funktionellen Probleme noch im Vordergrund, ist das die Domäne der manuellen Medizin, d.h. der Chirotherapie, Osteopathie und Co.

Während man mit diesen Techniken die Gelenkfunktion wiederherstellt, muss der Patient selbst durch die medizinische Trainingstherapie Muskeln aufbauen. Das geschieht bei der medizinischen Kräftigungstherapie bzw. medizinischen Trainingstherapie an speziellen Therapiemaschinen, die denen aus dem Fitnessstudio ähneln, jedoch in der Regel komplexer ausgebaut und hochisolierend sind. Dazu sollte der Patient mobilisierende und stabilisierende Übungen in Eigenregie durchführen.

Unterstützend können für einen kurzen Zeitraum auch antientzündliche, schmerzstillende oder auch muskelentspannende Medikamente eingenommen werden. 

Wärme-Anwendungen wie Rotlicht, heiße Rolle und Fango helfen bei muskulären Verspannungen. Ich empfehle meinen Patienten zusätzlich als antientzündliche physikalische Maßnahmen fünf bis zehn Anwendungen pulsierender Magnetfeldtherapie und hochenergetischer Laser-Strahlung.

Welche Behandlung wird eingesetzt, wenn die Schmerzen nicht verschwinden?

Wenn die Nervenwurzeln weiterhin gereizt sind, muss eine minimalinvasive Schmerztherapie durchgeführt werden. Dazu gehören die röntgen- oder ultraschallgestütze Periradikulärtherapie, die Facetteninfiltrationen oder die Periduralanästhesie. Dabei wird ein Kortison-Lokalanästhetikum in ein bis drei Sitzungen an die Nervenwurzel, die kleinen Wirbelkörpergelenke oder die Rückenmarkshäute gespritzt.

Wenn die Schmerzen auch durch die minimalinvasive Schmerztherapie nicht gelindert werden, kommt die operative Medizin auf den Plan. Hier wird störender Knochen oder die Bandscheibe offen-chirurgisch oder auch endoskopisch entfernt. So lässt sich der Druck von der gereizten Nervenwurzel nehmen. Ist sehr viel Knochen zu entfernen, muss in manchen Fällen ein Stab-Schraubensystems eingesetzt werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Die beste Therapie ist die Prävention. Bauen Sie Muskeln auf, bewegen Sie sich regelmäßig und vermeiden Sie Übergewicht. Sportliche Aktivitäten in der Gruppe machen besonders viel Spaß.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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