Bandscheibenvorfall und Kernspin MRT: Diskusprolaps

Dr. Sigg

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©fotolia-23139461-apfelweileMit Hilfe eines MRT kann nach möglichen Schmerzursachen gesucht werden. (©fotolia-23139461-apfelweile)Was ist auf den MRT-Bildern bei genauerer Betrachtung zu erkennen? Welche speziellen Behandlungsmöglichkeiten sind möglich und warum reichen Schmerzmittel, Akupunktur und Übungen allein nicht immer aus?

Weshalb Sie sich ein MRT des unteren Rückens möglichst genau ansehen und erklären lassen sollten, erfahren Sie hier.

Natürlich muss nicht jeder mit Rückenschmerzen sofort in die Kernspin-/ MRT-Röhre! Eine medikamentöse pharmakologische Schmerztherapie, Akupunkturbehandlungen und Krankengymnastik können zunächst auch ohne diese Schnittbildgebungen – und auch ohne die konventionellen Röntgenaufnahmen - zur Anwendung kommen.

Dauerschmerzen im Rücken

Bei anhaltenden, zunehmenden oder in das Bein ausstrahlenden Schmerzen des unteren Rückens kann heute mittels der Kernspin- oder der sogenannten Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) nach einer strukturell bedingten Ursache gesucht werden. Die Beurteilung eines solchen MRT erfordert allerdings Übung und spezielle Erfahrung – sind diese gegeben, kann die Frage nach einer Bedrängung des Rückenmarkes oder einer Nervenwurzel beantwortet werden.

Lag der bisherige Schwerpunkt der Bildauswertung eines Kernspins der Lendenwirbelsäule und der iliosakralen Hüftspalten eher in der Hand der Neurologen und der Neurochirurgie, werden nun zunehmend auch Veränderungen der Zwischenwirbelscheiben selbst, der angrenzenden Lendenwirbel, der Facetten-/Wirbelgelenke, der bindegewebigen epiduralen Auskleidung des Rückenmarkskanals sowie der umgebenden Muskeln und Faszien von anderen Fachrichtungen als Grundlage ihrer weiteren spezialisierten Tätigkeit mitbeurteilt.

Alle der genannten Strukturen sind dabei als eine funktionelle Einheit und im Kontext der Anamnese und der übrigen Untersuchungsbefunde zu sehen.

Die Bandscheibe

Zunächst sprechen wir aber über die so wichtige und oft auch sehr sensibel reagierende Bandscheibe selbst. Sie besteht aus einem eher gallertigen Bandscheibenkern, dessen Matrix nach außen zunehmend immer dichter gebündelte Faserbündel enthält - d.h, dass sie von immer festeren Bandscheibenfaserring umgeben ist.

Sowohl die Matrix wie die Fasern unterliegen einem ständigen Umbau, der genetisch- oder/und fehlbelastungs-bedingt unterschiedlich stark gestört werden kann. Aus einer anhaltenden Diskrepanz zwischen Belastung und Belastbarkeit kann sich so eine chronische oder akute Überdehnung oder gar Zerreißung des Bandscheibenrings entwickeln.

Wie kommt es zu einem Bandscheibenverschleiß?

Unabhängig davon, ob dann Nervenwurzeln oder das Rückenmark durch den bestehenden Druck geschädigt werden, ist bei einem Bandscheibenschaden die so wichtige Pufferwirkung des Bandscheibenkernes zwischen den Lendenwirbeln nicht mehr wie zuvor gegeben. Es droht eine zunehmende Verschmälerung der Bandscheibe, ein „Eintrocknen“, d.h. ein zunehmender Bandscheibenverschleiß:

Mögliche Folgen sind die „Osteochondrose“ und schließlich auch eine „Spondylose“ mit Gleitwirbel, „Spondyl-Arthrose“ der Wirbelgelenke und vielleicht sogar eine zunehmende Einengung des Rückenmarkskanals („Spinalkanalstenose“). Auch aktive Umbauvorgänge durch Gewebsüberlastung und -reizung wie z.B. Ödemzonen in den Lendenwirbeln („Modic-Changes“) oder in den Bandscheibenringen („HIZ/ Hyper-Intense-Zone“) oder in den kleinen Wirbelgelenken („Spondylarthritis“) sowie nicht selten in Iliosakralgelenken („Sakroiliitis“) können sichtbar werden.

Die Magnet-Resonanz-Tomografie

©fotolia-99615169-photo 5000Bei Dauerschmerzen im Rücken sollten Sie schnellstens einen Arzt aufsuchen! (©fotolia-99615169-photo 5000)Im MRT sollten Auffälligkeiten möglichst genau angesehen und mitbeurteilt werden - In jedem Stadium sollte eine möglichst schonende Behandlung der Bandscheibe in Erwägung gezogen werden. Ein biologischer Erhalt von Bandscheibe/ Bandscheibenring/ Bandscheibenkern/ Zwischenwirbelraum sowie der Wirbelgelenke und des Spinalkanals befindet sich heute noch in den Anfängen.

Durch minimalinvasiv schonende, bildgesteuerte und auch endoskopische Eingriffe/ Interventionen wird aber zunehmend häufiger bei Bandscheibenschäden versucht, möglichst früh- und rechtzeitig den Faserring und den Bandscheibenkern wieder herzustellen: So kann die Bandscheibe erhalten und ein Segmentkollaps mit instabilem Gleitwirbel und anschließend eintretender Spinalkanalstenose verhindert werden.

Zur Anwendung gelangen verschiedene Laser, Radiofrequenzsonden, Hydrogel-Sticks, ADCT/“Bandscheibenfrischzellen“, Autolog Conditioniertes Plasma und weitere neu entwickelte Optionen. Diese kommen nicht nur zur Schmerzbetäubung zum Einsatz, sondern auch um die wertvolle Bandscheibe und den Wirbelsäulenabschnitt (das „Segment“) in seinen Funktionen für die allgemeine Beweglichkeit und die Durchgängigkeit des Rückenmarkskanals bestmöglich zu erhalten.

Fazit

Die Voraussetzungen zu solchen minimalinvasiven Eingriffen im Bandscheibenkern und am Bandscheibenring hängen immer von der individuellen Situation ab. Eine ganz wesentliche Grundvoraussetzung bleibt die geschulte, erfahrene, spezielle Beurteilung eines Kernspins MRT.

Im persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch muss über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten, über mögliche Risiken, eventuell auch über Alternativen und über erforderliche Zusatzuntersuchungen sowie über die spezielle, sensomotorisch rekonditionierende Nachsorge gesprochen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


17.03.2017 - 13:54 Uhr

Sehr geehrter Dr. Sigg, vielen Dank für Ihre...

von Bob K.

... erfrischende ehrliche Antwort. Bis jetzt wurde ich noch nicht gerettet. Von der ISG wurden auch schon MRT gemacht, jedoch laut demselben fähigen Radiologen sind Entzündungen zu sehen und die Hüfte(Röntgen) ebenfalls nur leichter Verschleiß. Laut Rheumatologen sind diese Entzündungen nicht schwer genug, um zu behandeln. Ich weiß aber, dass in der Hüfte bsd. eine Koxarthore amtlich bestätigt ist! Leider ist es so, dass ich auf dem Gebiet der Radiologie nur als privater Selbstzahler eine kompetente ehrliche Meinung bekomme habe. Betreffend der HWS wurde ich von einem Orthopäden beim Anschauen der Bilder gefragt, ob ich schon in Rente bin. Was ich jetzt denn tun solle: "Alles so lassen und warten, bis alle Bandscheiben unterhalb von C4 kaputt gehen und es wäre Interessant, wie schnell dies geschieht". Zurzeit werden nur die Symptome per Schmerztherapie behandelt, jedoch nicht die Ursache. Mit der Neuratherapie konnte bereits einiges ausdiagnostiziert werden, wen wunderst, die anderen Spezialisten behaupten, dies beweist gar nichts. Komisch jedoch, wenn eine Thermokoagulation Facettengelenke HWS eine leichte Korrektur der Achsabweichung bewirkt (zu alten Aufnahmen) und alles ist nur Verschleiß, der jetzt angeblich wieder rückgängig gemacht wird? Ja, und der Tinitus, der durch die nicht verschleißbedingte Ursache entstand, ist immer noch da. MfG Bob K.

Dr. Sigg

Antwort vom Autor am 22.03.2017
Dr. med. Peter Konrad Sigg

Bitte, sehr gerne! ;) Das ISG ist also doch auch zumindest radiologisch nicht ganz unauffällig: das Kreuzbein = Sakrum ist ja das Fundament der gesamten Wirbelsäule (bis hoch zum Kopf...) und dieses Fundament ist einzig und allein über die Faszien (nicht über Muskeln...) zwischen den beiden Beckenschaufeln festgehalten: wissen übrigens nicht nur (nur privat abrechnende) "craniosacrale Osteopathinnen und Osteopathen". Lassen Sie Ihre ISG vielleicht doch weiter genauer checken und möglichst bald gezielt "retten"! ;)) Ihr P. Sigg

16.03.2017 - 13:35 Uhr

Ihren Artikel finde ich sehr interessant, jedoch...

von Bob K.

... in der Praxis läuft dies meist ganz anders. So hatte ich z.B. Schmerzen der HWS/LWS bis in die Hüfte und das seit ca.5 Jahren. Es wurden mehrere MRTs von verschieden Ärzten gemacht und immer nur die Diagnose "leichter Verschleiß" gestellt. Weil ich aber diesen Aussagen dann doch nicht vertraut habe, lies ich eine Zweitmeinung erstellen. Dies lies ich deshalb machen, weil in einer Spezialuntersuchung in der HWS eine Höhenminderung von 5 mm auf ca. 1 mm zu sehen war und im Vergleich zu einer Voraufnahme der BSV klar zu sehen war. In der LWS waren ebenfalls deutliche Veränderungen zu sehen. Ärztliche Versorgung gleich null und nur auf mein Wirken hin über einen Neurochirurgen erfolgt. Ich hätte mir eine Versorgung, wie Sie es beschreiben, gewünscht - weil ich Kassenpatient bin und Beschwerden nicht verschleißbedingt sind, fällt man halt durchs Raster. Komisch ist nur, warum die ersten Radiologen angeblich nichts sehen konnten, obwohl der klinische Verlauf eindeutig war und sich niemand genötigt sah, weiter zu forschen.

Dr. Sigg

Antwort vom Autor am 16.03.2017
Dr. med. Peter Konrad Sigg

Sehr geehrter Bob K.! Ihr Kommentar spricht mir aus dem Herzen! Weniger deswegen, weil ich die unselige Zweiklassengeschichte auch als Arzt und Spezialist mehr als längst überfällig finde, sondern weil ich jeden Tag Ihre Leidensgeschichte mehrfach erfahren muss! Natürlich nützt ein MRT aber auch nur dann was, wenn es von wirklich kundigen Augen analysiert zügig in eine gezielte Therapie mündet. Die Physio kostet meistens mehr als ein MRT... ;( Hoffe, Sie konnten doch noch "gerettet" werden!? Was ist mit Ihrem ISG: heute gerade wieder gelesen, dass eine Wahnsinnszahl erfolgloser Bandscheiben-OP`s auf ein übersehenes ISG-Insuffizienz-Syndrom zurückzuführen ist! Also: nochmals vielen Dank für Ihren Kommentar und eine hoffentlich wieder gute, wirklich freie, lebenswerte Zeit! P. Sigg

05.09.2016 - 18:38 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hatte vor 3...

von Ute T.

... Monaten einen Bandscheibenvorfall - betroffen sind L4/L5 mit einem S1-Syndrom. Außerdem verspüre ich an meinem rechten Bein ein Taubheitsgefühl im Bereich der Achillessehne und der lateralen Fußseite bis zum kleinen Zeh. Zwischenzeitlich hatte ich zweimal wöchentlich eine manuelle Therapie. Leider ist nach insgesamt 18 Behandlungen noch keine Besserung eingetreten. Muss ich mehr Geduld haben, helfen die Behandlungen dennoch oder muss ich mich in die Hände eines Neurochirurgen begeben? Bisher bin ich in hausärztlicher Betreuung. Bis auf morgens bin ich tagsüber weitgehend schmerzfrei, kann ohne Probleme die Zehen rechts mit Kraft bewegen und bin auch in der Lage, auf den Zehen zu stehen. Ich fahre wieder Auto und Fahrrad. Über Ihren Rat wäre ich Ihnen sehr dankbar. Vielen Dank und mit freundlichem Gruß, Ute T.

Dr. Sigg

Antwort vom Autor am 06.09.2016
Dr. med. Peter Konrad Sigg

Sehr geehrte Frau Ute T., weitere Physiotherapie halte ich bei Ihnen nicht mehr wirklich zielführend und ich würde Ihnen dringend raten, sich bald in die Hände eines Spezialisten zu begeben: es muss ja nicht gleich operiert werden, aber eine periradikuläre oder epidurale Injektion an die Nervenwurzel S1, evtl. auch eine Lasertherapie der Bandscheibe L4/5 sollten wohl zumindest in die Überlegungen mit einbezogen werden...! P. Sigg


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