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Diagnose Bandscheibenvorfall - was tun?

Dr. Haffke

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© photo 5000 fotoliaBandscheibenvorfall erst gründlich untersuchen lassen (© photo 5000 fotolia)Sollte bei Ihnen die Diagnose „Bandscheibenvorfall" gestellt worden sein, so ist es sehr ratsam, keine übereilten Entscheidungen zu treffen. Insbesondere ist von einer vorschnellen Operation abzuraten, da erfahrungsgemäß in weit über 90% der Fälle eine Operation nicht notwendig ist!

Untersuchung des Bandscheibenvorfalls: MRT, CT oder Röntgenaufnahmen?

Durch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, eine gründliche Untersuchung und eine exzellente Bildgebung (in den meisten Fällen ist hier das MRT zu wählen), wird die Basis für ein gezieltes Vorgehen gelegt. Von Röntgenaufnahmen und CT sollte in den meisten Fällen Abstand genommen werden, da der Informationsgehalt für eine hochspezielle Beratung hier zu gering ist. Ferner bedeutet Röntgen und CT eine Bestrahlung des Patienten - das MRT ist strahlungsfrei!

Schmerzen lindern und Mobilität wiederherstellen

Sind keine Lähmungserscheinungen vorhanden und die Schmerzen auf einem erträglichen Niveau, so sollte eine zielorientierte Physiotherapie begonnen werden. Bei diesem Vorgehen kann es auch mal notwendig werden, für eine gewisse Zeit Schmerzmittel in einer speziellen Dosis einzunehmen, um eine gewisse Mobilität zu gewährleisten. Auf eine körperliche Schonung sollte während der Therapie des Bandscheibenvorfalles geachtet werden.

Bei einem Bandscheibenvorfall versucht der Körper, diesen Vorfall aufzulösen. Es ist immer wieder eindrucksvoll, dass es dem Körper zum Teil gelingt, den Bandscheibenvorfall vollständig aufzulösen, so dass auf einem Kontrollbild nichts mehr von diesem Vorfall zu sehen ist. Man kann dies mit einer Kugel Eis vergleichen, die man auf einem Teller in die Sonne legt - das Eis schmilzt vollständig.

Ist der Körper nicht in der Lage, den Bandscheibenvorfall ausreichend aufzulösen, so kann eine PRT („periradikuläre Therapie") sehr hilfreich sein, um die Beschwerden dauerhaft zu überwinden. Hierbei wird in einem Spezial-CT (mit sehr geringer Strahlenbelastung für den Patienten) der gereizte Nerv mit speziellen Medikamenten umspült, um eine Abschwellung zu bewirken. Hierdurch kann sich der gereizte Nerv vom Bandscheibenvorfall im Millimeterbereich wegbewegen und es tritt die Schmerzbesserung ein.

Operation als letzte Möglichkeit

Wenn über eine längere Zeit alle genannten Therapien nicht eine vollständige Wiederherstellung des Patienten ermöglichen, so kann operativ der Bandscheibenvorfall entfernt werden. Diese Operation sollte nur minimal-invasiv unter einem Hochleistungsmikroskop durchgeführt werden, d.h., bandscheibenschonendes Operieren unter Beibehaltung der Natürlichkeit der Wirbelsäule sind hier oberstes Gebot!
In diesem Zusammenhang ist von Versteifungsoperationen jedweder Form komplett abzuraten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


22.04.2016 - 19:14 Uhr

Sehr geehrter Herr Doktor, am 04.04.2016 wurde bei...

von Jan L.

... mir ein MRT der Lendenwirbelsäule durchgeführt. Das Ergebnis: LWK 4/5 nach kaudal umgeschlagener links paramedianer Prolaps der Bandscheibe mit Pelottierung und Affektion der L5 Wurzel links und absoluter Spinalkanalstenose (a.p. Diameter 8 mm). Moderate hypertrophe Spondylarthrose mit konsekutiver hochgradiger neuroforaminaler Einengung beiderseits. Verdickung des Ligamentum flavums. Auf Grund dieses Befundes hat mich mein behandelnder Arzt an ein überwiesen. Er wollte, dass die neurochirurgische Abteilung beurteilt, was sinnvoller ist. Wir standen vor der Frage OP oder PRT. Ich bin seit Dezember in Behandlung mit MT, Infusionen, Akkupunktur und schmerzstillenden Medikamenten. Gestern hatte ich den Termin im Klinikum. Die mich hier behandelnde Ärztin rät mir von einer OP bzw. einer PRT- Behandlung ab; ich solle mich in ca. 6 Wochen wieder vorstellen und ihr mitteilen wie es mir geht. Davon gehen meine Schmerzen aber nicht weg; ich brauche eine Lösung, um mich wieder normal zu bewegen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen, Jan L.

Dr. Haffke

Antwort vom Autor am 25.04.2016
Dr. med. Thomas Haffke

Wenn über Monate eine rein konservative Therapie keine zufriedenstellende Besserung von starken Beschwerden erzielen kann, sollte bei einem Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelkompression und zusätzlich begleitender Spinalkanalstenose zeitnah der nächste therapeutische Schritt gegangen werden; eine PRT kann hierbei zielführend sein. Wenn auch diese nicht den gewünschten Erfolg bringt, sollte eine mikroneurochirurgische Operation erfolgen, um neben der zermürbenden Schmerzsymptomatik auch einen etwaigen Nervenwurzelschaden abzuwenden. Kurzum: wenn starke Beschwerden andauern, sollte eine ,,beobachtende'' Haltung unbedingt verlassen werden.

16.12.2015 - 11:37 Uhr

Seit mehr als 2 Jahre habe ich Schmerzen in der...

von Dieter S.

... rechten Pobacke, der sich bis in den gefühllosen großen Zehn zieht. Nach mehreren Besuchen beim Hausarzt, bei zwei Orthopäden, einem Physiotherapeuten, sowie einem Internisten, hat sich nicht geändert bzw. mir wurde nicht geholfen. Meine Suche im Internet hat ergeben, dass es etwas mit dem Musculus piriformis zu tun haben muss. Alle Ärzte verneinen das jedoch. Wer kann mir mit diesem Problem weiterhelfen?

Dr. Haffke

Antwort vom Autor am 18.12.2015
Dr. med. Thomas Haffke

Bei Schmerzen im Gesäß mit Ausstrahlung in den Fuß sollte zunächst ein hochwertiges MRT der LWS durchgeführt werden, um eine Ursache in diesem Bereich auszuschließen. Wenn sich hier keine Ursache finden läßt, kann auch mal das seltene Piriformis-Syndrom die Schmerzursache sein. Hierfür muß jedoch unbedingt im Vorfeld eine gründliche körperliche Untersuchung stattfinden. Die Therapie besteht dann in einer sehr gezielten Physiotherapie, die nicht von allen Physiotherapien gut beherrscht und angeboten wird.


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