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Wirbelsäulenoperationen und die zweite Meinung: Sechs interessante Tipps

Dr. Wojtas

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© Monkey Business - iStockNutzen Sie die Angebote von Arztpraxen, um Zweitmeinungssprechstunden wahrzunehmen. (© Monkey Business - iStock)Eine Wirbelsäulenoperation stellt im Leben des Betroffenen einen wesentlichen Einschnitt dar.

Meiden Sie Halbwahrheiten und unseriöse Quellen

Die Entscheidung für oder gegen eine Operation muss zwar durch den Betroffenen selber getroffen werden. Doch er muss sich dabei auf Grund der Unkenntnis medizinischer Tatsachen auf die Meinung von Außenstehenden verlassen. Dabei meint jeder – vom Nachbar, über Verwandte, Krankenkassenbetreuer und Ärzten – am besten zu wissen, was gut ist.

Die mediale Verteufelung von Wirbelsäulenoperationen durch Presse und Krankenkassen hinterlässt eine tiefe Verunsicherung und hilft nicht weiter. Dabei wird häufig mit Mythen und Unwahrheiten argumentiert.

So bleib z. B. laut Statistischem Bundesamt und den Zählungen durch die Fachgesellschaften die Anzahl der Operationen seit fünf Jahren mehr oder weniger unverändert. Leider entsprechen die „Studien“, die einen deutlichen Anstieg von Operationen belegen, nicht den geringsten wissenschaftlichen Anforderungen und sind voll mit statistischen Fehlern. Ein weiteres Phänomen sind Schmerzkliniken, die immer mehr aus dem Boden schießen, und Heilung ohne Operation versprechen.

Interessanterweise hat sich die Bezahlung so gewandelt, dass eine Schmerztherapie um 50 % besser vergütet wird als eine Operation und für die Krankenhäuser zunehmend attraktiv wird.
Natürlich finden sich auch im Bereich der Wirbelsäulenchirurgie „schwarze Schafe“, die versuchen, auch an der Wirbelsäule zu operieren.

Was also tun, wenn man Betroffener ist?

Dauerhafte Schmerzen, tägliche Einnahme von Tabletten und Einschränkungen im beruflichen und sozialen Leben sind auf die Dauer zermürbend.

Das Versprechen eines Wirbelsäulenchirurgen, nach einer Operation wird alles besser, ist stets verlockend. Gleichzeitig ist aber die Angst vor einer Operation und deren Folgen groß.

Woher weiß ich, dass die Empfehlung des Arztes für mich gut ist? Sechs Tipps

  1. Wer gibt Ihnen die Empfehlung für oder gegen eine Operation? Ist es ein erfahrener Wirbelsäulenchirurg oder jemand, der eine derartige Operation noch nie durchgeführt oder gar gesehen hat? Häufig werden Zweitmeinungssprechstunden durch Schmerztherapeuten angeboten. Würden Sie Ihre Wurst von einem Vegetarier beurteilen lassen?
  2. Wie unabhängig ist ihre Zweitmeinung? Wenn Ihre Krankenkasse Sie zum Beispiel zu einem Gutachter schickt, der für sie tätig ist, können wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen.
  3. Es sollte immer gewährleistet sein, dass der Arzt, der Sie das erste Mal untersucht, auch das Aufklärungsgespräch mit Ihnen und selbstverständlich auch die Operation durchführt. Im besten Fall sollte dieser Arzt Sie auch nach der Operation betreuen.
  4. Heutzutage verfügt ein Spezialist in der Wirbelsäulenchirurgie über entsprechende Zertifikate der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (mindestens Basiszertifikat, besser Masterzertifikat) und arbeitet im besten Fall auch in einem durch die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft zertifizierten Zentrum. Sie finden entsprechende Ärzte auf der Homepage der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft gelistet. Achten Sie zwingend darauf, dass Sie auch wirklich von dem jeweiligen Arzt beraten werden.
  5. Ärzte, die auf die Zweitmeinung-Sprechstunde spezialisiert sind, bieten in der Regel kurzfristig Termine an. Wichtig ist, dass die Zweitmeinungs-Sprechstunde für Patienten da ist, die unmittelbar vor einer Operation stehen und nicht für Patienten, die schon seit zwei Jahren Rückenschmerzen haben und wissen möchten, ob es noch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt.
  6. Berücksichtigen Sie bitte, dass es sich bei vielen Auszeichnungen, die durch Zeitschriften oder andere Organisationen als die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft vergeben werden, um teils käufliche Zertifikate handelt.

©goodluz - fotoliaUnvoreingenommene Zweitmeinungen helfen Ihnen dabei, eine objektive Meinung zu bekommen. (©goodluz - fotolia)Für Ihre Gesundheit sollte kein Weg zu weit sein

Wenn Sie diese Tipps befolgen, sind Sie zunächst auf dem richtigen Weg. Viele Patienten scheuen sich, weite Wege auf sich zu nehmen, um sich in einer Zweitmeinungssprechstunde vorzustellen oder sogar weit von zu Hause operieren zu lassen. Es ist leider ein Phänomen unserer Gesellschaft, dass es uns wert ist, 400 km zurückzulegen, um ein Auto abzuholen, aber nicht, um etwas Wichtiges für die eigene Gesundheit zu tun.

Fazit

Am Ende sollten Sie immer daran denken, dass es um Sie und Ihren Körper und damit um Ihre Zukunft geht. Noch dürfen wir in Deutschland den Luxus genießen, dass die Zweitmeinungs-Sprechstunde vollständig von den Krankenkassen bezahlt wird.

Eines sollten Sie jedoch zwingend berücksichtigen. Am Ende zählen nur das Vertrauen und der persönliche Eindruck von dem Arzt, der Ihnen gegenüber sitzt. Sie sind durch keine Zertifikate ersetzbar.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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