Kniegelenksprothese: Welche Arten gibt es und welches Modell ist das richtige für mich?

Prof. Dr. Lill

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©photophonie - fotoliaGerade für sportlich aktive Menschen ist eine qualitativ hochwertige Prothese sehr wichtig (©photophonie - fotolia)Rund 180.000 Knieprothesen werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt, vor allem um Schmerzen und Bewegungseinschränkungen aufgrund von Arthrose, Entzündungen, Verletzungen oder Fehlstellungen zu lindern. Erfahren Sie, welche Arten, Modelle und Typen es gibt und welche Kniegelenksprothese die richtige für Sie sein könnte.

Konservative Therapie oder Prothese?

Weil die Gelenkflächen von Oberschenkel und Schienbein nicht optimal zusammenpassen, hilft die Natur mit Bändern, Knorpelscheiben und Gelenkkapseln nach. Jahrzehntelange Beanspruchung kann allerdings zu schwerwiegenden Rückbildungen führen, die die Lebensqualität stark einschränken.

Eine Prothese kommt meist bei fortgeschrittenem Verschleiß zum Einsatz, wenn konservative Verfahren wie Krankengymnastik, Bandagen, Schmerzmedikamente oder Injektionen nicht mehr helfen. Eine dauerhafte Schmerzlinderung in Verbindung mit dem Funktionserhalt des Knies bietet oftmals nur die Kniegelenksprothese, die eine Lebensdauer von rund 15 Jahren hat.

Schlittenprothese zum teilweisen Ersatz des Knies

Schlittenprothesen kommen zum Einsatz, wenn nur ein Teil der Gelenkflächen des Kniegelenks ersetzt werden muss. Wichtig ist auch, dass die Bänder noch funktionsfähig sind. Die gesunden anatomischen Strukturen bleiben erhalten, was vor allem für junge, aktive Patienten ein großer Vorteil ist.

Die Beweglichkeit ist im Vergleich zur Vollprothese meistens besser und die Operation ist weniger invasiv. Bei diesem minimal-invasiven Eingriff wird ein zehn Zentimeter langer Schnitt gesetzt, um das künstliche Teilgelenk mit Knochenzement am Knochen zu verankern. Zu den Operationsrisiken zählen Thrombose, Embolie, Verletzung anatomischer Strukturen, Infektion, Verklebung und Blutung.

In manchen Fällen kann Jahre später eine Vollprothese notwendig sein, wenn zum Beispiel bei einer fortschreitenden Arthrose der übrigen Gelenkanteile keine Besserung durch andere Maßnahmen erzielt wird.

Biologische Kniegelenkprothese

Bei einseitiger Abnutzung des Knies ist die biologische Prothese eine interessante Alternative, weil sie ohne Metall auskommt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Prothese entfernt der Arzt keinen Knochen und setzt kein Fremdmaterial ein.

Nachdem etwas Knochenoberfläche abgetragen wurde, bildet sich eine Ersatzknorpelschicht, die mehrere Jahre erhalten bleibt. Das Verfahren ist relativ neu und findet bisher nur in wenigen spezialisierten Zentren Anwendung. Häufig besteht diese Operation aus einer Gelenkspiegelung und einer Optimierung der Beinachse.

Totalprothesen: Knie-TEP

Ist die Muskulatur und der Bandapparat gut erhalten, wird ein Oberflächenersatz verwendet. Sie sind die am häufigsten verwendeten Kniegelenksprothesen. Dabei erhalten die Gelenkflächen des Oberschenkels und des Unterschenkels einen passgenauen Metallüberzug. Zwischen die beiden Metallflächen wird eine Kunststoffscheibe eingesetzt.

Eine „gekoppelte“ Knieprothese kommt zum Einsatz, wenn eine typische Instabilität oder Abweichung vom Körperbau besteht. Die Beweglichkeit des Kniegelenks kann nach der Operation im Vergleich zur ungekoppelten Variante etwas schlechter sein.

©fotolia-alarico73Eine Knieprothese kann Ihnen in vielen Lebensbereichen helfen (©fotolia-alarico73)Individuelle Kniegelenkprothese

Das Knie ist eine hochkomplexe anatomische Struktur, die mehrdimensionale Bewegungen erlaubt. Dazu kommt, dass sich Kniegelenke von Mensch zu Mensch unterscheiden. Um sich optimal an die vorgegebene Gelenksituation anzupassen, kann es sinnvoll sein, individuelle Teil- und Vollprothesen zu verwenden.

Der Vorteil ist, dass kaum Knochenmaterial abgetragen werden muss um die Größe der Standardprothese anzupassen. Ein Fremdkörpergefühl tritt daher weniger häufig auf. Bei jungen, sportlichen Patienten mit hohen Ansprüchen an Funktion und Beweglichkeit kann diese Art der Prothese eine Alternative zur Standardversorgung sein.

Nach einer CT-Untersuchung wird ein exaktes Modell des Knies errechnet, nachdem die Prothese gefertigt wird. Auch die Schnittführungen und Schablonen für die OP sind maßgeschneidert. Da dieses Verfahren relativ neu ist, liegen ausreichende Langzeitstudien noch nicht vor.

Welche Prothese ist die richtige?

Aus allen Modellen wählt der Orthopäde dasjenige aus, das aufgrund von Form, Größe und Funktion am besten zum Patienten passt. Fragen Sie ruhig nach verschiedenen Möglichkeiten. Weil nicht jede Klinik alle Kniegelenksprothesen anbietet, kann auch eine Zweitmeinung hilfreich ein.

Achten Sie bei der Arztwahl darauf, wie viel Erfahrung Ihr Operateur mitbringt und wie viele Knieprothesen er pro Jahr einsetzt. Bei einem routinierten OP-Team ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie zu den 80 – 85 Prozent der Patienten gehören, die mit ihrem neuen Knie vollkommen zufrieden sind.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (5)


31.05.2018 - 19:46 Uhr

Hallo und guten Tag. Die Oma meiner Freundin soll...

von Frank M.

... jetzt das dritte mal innerhalb von acht Wochen ein neues Gelenk bekommen. Die erste OP verlief eigentlich gut, in der Reha stellte sich dann aber ein knacken ein, dann ging nichts mehr. Dann die zweite OP vor ca acht Tagen. Vor drei tagen ging wieder nichts mehr. Jetzt soll am Montag eine dritte OP gemacht werden, dabei soll eine Prothese eingesetzt werden, die wie ein Zahnrad funktionieren soll. Können sie mir darüber genauere Infos geben? Danke schon mal im Vorraus. Und dann noch die Frage wergen der Narkose oder besser der Pda. Drei mal in acht Wochen und zwei davon innerhalb von 14 tagen ist das nicht etwas viel?

Prof. Dr. Lill

Antwort vom Autor am 11.06.2018
Prof. Dr. med. Christoph Lill

Sehr geehrter Herr M., der Verlauf der beschriebenen Operation ist sehr unerfreulich und ich kann leider zu Ihrer Frage der `Zahnradprothese` wegen fehlender Hintergrundinformationen keine konkreten Auskünfte geben. 3 Narkosen in 8 Wochen sind sicherlich nicht wünschenswert, aber zur Sanierung der Kniesituation wohl unumgänglich. Ich wünsche der Grossmutter Ihrer Freundin alles Gute für die geplante Operation. L G Prof. Lill

17.02.2018 - 11:16 Uhr

in welchen Krankenhäuser ( Köln - Bochum -...

von Peter P.

... Dortmund bevorzugt ) wird die gute Technik eingesetzt- Ich brauche ein neues Kniegelenk im Bein, welches schon mit einer Hüft-Tep versorgt(2015) werden mußte(Unfallbedingt 1983). Welche Technik wird von den Krankenkassen bezahlt?

17.12.2017 - 19:39 Uhr

Bei mir wurde Osteonekrose im Knie diagnostiziert....

von Regina B.

... Ich bekomme am 02. 01.2018 ein neues Kniegelenk. Wer hat damit schon Erfahrung gemacht?

09.11.2017 - 11:42 Uhr

Hallo - eine Frage: Ich habe nun das 3. Kniegelenk...

von H. Knoll

... (TEP) in mir und wiederum nach nun 4,5 Jahren schnappt es bei jedem Schritt (auch deutlich hörbar), manchmal geht auch mein Knie durch, d.h. ich knicke ohne Vorankündigung nach hinten ein. Es handelt sich um ein "Schlitten- gelenk". Wodurch passiert das? Es gibt doch mittlerweile auch "Knie-Dreh-Gelenkersatz", wie verhält sich dieses ?

Prof. Dr. Lill

Antwort vom Autor am 11.11.2017
Prof. Dr. med. Christoph Lill

Sehr geehrte/r Patient/in, es scheint sich bei Ihnen um eine Instabilität des Kniegelenkes nach KTEP zu handeln. Diese Instabilität kann zum einen durch eine Insuffizienz eines oder mehrerer Bänder entstehen aber auch durch die Prothese selbst. Eine genaue Einschätzung ist nur durch eine Untersuchung möglich. Grundsätzlich gibt es unterschiedlich stark stabilisierende Knieprothesen, die je nach Ursache der Instabilität verwendet werden. Mit freundlichen Grüssen Prof. Lill

15.10.2017 - 16:42 Uhr

Meine Frage wäre: Gibt es auch gekoppelte...

von Maria W.

... Prothesen die frei sind von Nickel bei ihnen in der Klinik.?

Prof. Dr. Lill

Antwort vom Autor am 23.10.2017
Prof. Dr. med. Christoph Lill

Sehr geehrte Patientin, Sie fragen vermutlich wegen einer Nickelallergie an. In solchen Fällen verwenden wir Prothesen mit Titanbeschichtung. Herzliche Grüsse Prof. Lill


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