Botulinumtoxin bei Spannungskopfschmerzen und chronischer Migräne

Wiederkehrende Kopfschmerzen und Migräne können sehr belastend sein und Betroffene massiv einschränken. (© contrastwerkstatt - fotolia)

Botox wurde im Juli 2010 in England und im September 2011 in Deutschland für die Behandlung / Prophylaxe von chronischer Migräne zugelassen. Die Zulassung erfolgte für erwachsene Patienten, die die Kriterien einer chronischen Migräne erfüllen. Die Diagnose "chronische Migräne" betrifft nur einen kleinen Teil der Migräne-Patienten. Studien gehen dabei von einer Häufigkeit von 0,5 % aus.

Derzeit ist eine alternative, vorbeugende medikamentöse Behandlung nur mit Topiramat möglich mit teilweise ausgeprägten Nebenwirkungen.


Wie wirkt Botox bei chronischer Migräne?

Botox blockiert die Freisetzung von Acteylcholin, einem Botenstoff, an Nervenendigungen. Es hat also keine direkte schmerzstillende Wirkung. Zusätzlich hemmt es die Freisetzung von Eiweißen, die an der Entstehung von Entzündungsreaktionen sowie an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Schmerzen beteiligt sind.

Dadurch wird die übermäßige Empfindlichkeit des Nervensystems reduziert, wodurch sonst immer wieder Migräne-Attacken ausgelöst werden. Somit wird auch klar, warum Botox nicht im Akutfall hilft, sondern nur prophylaktisch. Eine Erfolgsgarantie gibt es, auch aufgrund der Inhomogenität des Patientenklientels, jedoch leider nicht.

Botox ist kein Wundermittel bei chronischer Migräne. Es lindert und reduziert normalerweise die Symptome. Die Behandlung muss zusätzlich in ein verhaltenstherapeutisches Konzert mit eingebunden werden:

Alles über Ablauf und Nebenwirkungen

Bei der Untersuchung werden bestimmte Muskeln im Kiefer-Gesichtsbereich, Nacken und Schultern abgetastet und nach Triggerpunkten (schmerzauslösende Punkte) untersucht. Die Punkte werden markiert und mit einer schmerzstillenden Salbe vorbehandelt.

Dann wird der Wirkstoff mit dünnen Nadeln in die angezeichneten Muskeln gespritzt. Die Wirkung tritt nach ungefähr 14 Tagen ein und hält ca. ein Vierteljahr an.

Nebenwirkungen der Behandlung können Muskelschwäche und eine Lidptose (hängendes Oberlid), sein.


Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

Die Kriterien dafür, dass die Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird, sind sehr streng:
Die Patienten müssen mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat haben, davon mindestens 8 Tage mit Migräne. Des Weiteren darf keine Behandlung bisher geholfen haben.

Ausgeschlossen sein muss auch, dass die chronischen Kopfschmerzen durch einen Missbrauch an Schmerzmitteln entstanden sind. Die Patienten müssen vor der Botox-Behandlung eine Medikamentenpause machen und dann die sogenannte 10-20-Regel einhalten. Trotzdem sollten sich die Betroffenen nicht davon abhalten lassen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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