Das jameda-Interview: 9 Fragen an Herrn Dr. med. Gernot Vogels

Dr. Vogels

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©Dr. VogelsHerr Dr. Vogels praktiziert als Orthopäde in Düsseldorf. (©Dr. Vogels)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Samir Eduard Shnayien interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.

jameda: Herr Dr. Vogels, was hat Sie motiviert, Orthopäde/Fußchirurg zu werden?
Herr Dr. Vogels: Begonnen habe ich meine operative Ausbildung in der Unfallchirurgie. Schon frühzeitig ist mir bewusst geworden, dass mich besonders der Umgang mit filigranen Strukturen und der Einsatz hochpräziser Implantate fasziniert. Auch im privaten Bereich bin ich Handwerker aus Leidenschaft und spiele (wenn es die Zeit erlaubt) Klavier. Der Wechsel aus der unfallchirurgischen Klinik in Kaiserswerth in das orthopädische Marienkrankenhaus erlaubte die Ausbildung in eine Abteilung, welche der Fußchirurgie zum damaligen Zeitpunkt bereits einen hohen Stellenwert zumaß. In früheren Jahrzehnten genoss die Fußchirurgie ein Schattendasein. Operateure konzentrierten sich auf den Einbau künstlicher Gelenke oder Wirbelsäulenoperationen, die Fußchirurgie wurde häufig durch nachgeordnete Ärzte erledigt. In diesem Umstand liegt voraussichtlich begründet, dass es auch heute noch viele Vorurteile gegenüber der korrigierenden Vorfußchirurgie gibt. Aussagen wie "man soll so lange warten, bis es gar nicht mehr geht", "Fußoperationen werden eh nichts" halten sich leider nicht nur bei medizinischen Laien, sondern auch noch bei einer Reihe von Fachkollegen.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 
Herr Dr. Vogels: Auch nach mehreren tausend Fußoperationen freue ich mich immer noch mit jedem einzelnen Patienten, wenn diese(r) mit dem Operationsergebnis - hinsichtlich Belastbarkeit (und Optik) - zufrieden ist und mir berichten kann, dass er/sie weniger Schmerzen hat sowie wieder problemloser Schuhe anziehen kann. Das schönste ist jedoch, wenn der Patient/die Patientin zum Schluss sagt: ich hatte mir das alles viel schlimmer vorgestellt, warum habe ich die Operation nicht schon früher machen lassen? Die größte Herausforderung sehe ich darin, für die Patienten die individuell sinnvollste und aussichtsreichste Operationsmethode auszuwählen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Dr. Vogels: Gerade die Vorfußchirurgie hat in unserem Land viel mit Vorurteilen zu kämpfen. Da veraltete Operationsmethoden aus der Vergangenheit häufig keine guten Ergebnisse erzielten, herrscht auch heute noch die Meinung vor, man solle so lange wie möglich eine Fehlstellung am Vorfuß nicht operieren. Der große technische Fortschritt der letzten 25 Jahre wird dabei nicht berücksichtigt.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?  
Herr Dr. Vogels: Richtig! Gerade die Nachbehandlung nach komplexen Vorfußoperationen erfordert über viele Wochen eine körperliche Schonung und das Einhalten konkreter Nachbehandlungsschemata. Meinen Patienten empfehle ich, sich auf meine Erfahrung zu verlassen, dass die konsequente Schonung in den meisten Fällen zu einer schnelleren Heilung und einer schnelleren Rückkehr zu Alltagsaktivitäten führt als der Versuch, so schnell wie möglich auf eigene Faust wieder zur Routine zurückzukehren.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Vogels: Jeder Patient erhält vor der Operation bereits genaue Informationen, wie die Nachbehandlung aussehen wird. Wenn ich merke, dass sich jemand nicht daran hält, versuche ich noch einmal auf die Bedeutung für den langfristigen Erfolg hinzuweisen. Manchmal greife ich dabei auch auf Anekdoten und Geschehnisse aus der Vergangenheit zurück, die eindrucksvoll erkennen lassen, welche Gefahren drohen, wenn eine Nachbehandlung nicht konsequent umgesetzt wird.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Vogels: Wir alle sollten uns bewusst machen, dass wir in einem Land mit einem sehr hohen medizinischen Versorgungsstandard leben. Trotz hoher Krankenkassenbeiträge für den Einzelnen ist die Summe der zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt. Nicht jede kleine Verletzung und nicht jedes Wehwehchen muss den Menschen direkt zum Arzt führen. Dadurch können Mittel eingespart werden, die dann in größerem Umfang für die Behandlung schwer Kranker oder chronisch Kranker besser genutzt werden könnten.

©Dr. Vogels - PraxisEin Einblick in die Praxisräume von Herrn Dr. Vogels. (©Dr. Vogels - Praxis)jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Vogels: Wir Ärzte müssen wieder mehr Zuhören lernen. Wir müssen über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes hinausschauen und versuchen, den Patienten/die Patientin als Ganzes zu betrachten.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden? 
Herr Dr. Vogels: Die Einführung der Stoßwellentherapie hat unser Behandlungsspektrum wirklich erweitert. Mit dieser praktisch nebenwirkungsfreien Behandlungsmethode können wir vielen Patienten ohne Operation und ohne nebenwirkungsbehaftete Medikamente bei den unterschiedlichsten Krankheitsbildern weiterhelfen. Wie bei allen neuen Behandlungsmethoden darf keine unkritische Ausweitung der möglichen Einsatzgebiete erfolgen. Beschränkt man sich auf die in der medizinischen Fachwelt anerkannten Erkrankungen (auch wenn dies manchmal von den Einschätzungen der Krankenkassen abweicht) sind die Behandlungsergebnisse in vielen Fällen sehr erfreulich. Eine Heilung von Arthrose (Gelenksverschleiß) ist bis heute leider nicht möglich. Dennoch gibt es Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit und Belastbarkeit betroffener Gelenke zu verbessern. Die Verabreichung von Hyaluronsäure in verschlissene Gelenke kann in vielen Fällen helfen, die beschädigten Flächen innerhalb eines Gelenkes besser aneinander entlang gleiten zu lassen. Positive Rückmeldungen vieler Patienten bestärken mich in der Überzeugung, dass es sich hierbei um ein sinnvolles und in vielen Fällen aussichtsreiches Behandlungsverfahren handelt, welches ich auch im eigenen Familienumfeld einsetze.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 
Herr Dr. Vogels: Kein Mensch möchte sich ständig von Verboten oder Einschränkungen gängeln lassen. In vielen Fällen bestimmen Kompromisse unser Leben. Niemand muss ständig ins Fitnessstudio laufen, nur und immer gesunde Schuhe tragen oder ausschließlich Lebensmittel zu sich nehmen, die nur gesund sind. Mit gesundem Menschenverstand sollte man ein gewisses Mittelmaß finden: Regelmäßige sportliche Aktivität (ohne extreme Belastungen) beugt vielen Erkrankungen der Wirbelsäule, der Gelenke und des Herz-Kreislauf-Systems vor. Werden häufig vernünftige Schuhe getragen, können gelegentlich auch wunderschöne furchtbar unvernünftige Schuhe ohne größere Folgen genutzt werden. Eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung verzeiht auch gelegentliche Sünden beim Fußballabend oder auf einer Party.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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