Was tun bei einem verstauchtem Fuß? Hausmittel zur Selbstanwendung

Claudia Galler

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© Werner - fotoliaDas Sprunggelenk gehört zu den am häufigsten verstauchten Gelenken. (© Werner - fotolia)Ein umgeknickter Fuß tut höllisch weh und der Knöchel kann innerhalb von Minuten kugelrund anschwellen. Gut zu wissen, welche Hausmittel dann helfen und wie man unter Anwendung der PECH-Regel Schlimmeres verhindert.

Typisch: Verstauchter Fuß durch Umknicken

Eine Verstauchung ist eine stumpfe Verletzung, bei der der physiologische Bewegungsradius eines Gelenks überschritten wird. Bänder, Muskeln und Blutgefäße werden dabei durch die ruckartige Überdehnung verletzt. Am häufigsten ist die Sprunggelenksdistorsion, die Verstauchung des Fußgelenks. Sie entsteht, wenn der Fuß seitlich nach innen oder außen über den Knöchel hinaus umknickt.

Typische Gelegenheiten dafür sind z. B. das Gehen auf unebenen Wegen, das Tragen von Schuhen mit ungewohnt hohen Absätzen und Sportarten wie Tennis, Squash und Fußball, bei denen die Fußgelenke durch Anlauf- und Abbremsbewegungen stark belastet werden. Dabei können die Innenbänder, Außenbänder und die Verbindungsbänder zwischen Waden- und Schienbein an- oder abreißen. Werden Blutgefäße verletzt, bildet sich ein blauer Fleck. Knochenabbrüche sind im Zuge einer Verstauchung selten.

Symptome einer Verstauchung sind

  • Schmerzen
  • Schwellung
  • Bewegungseinschränkung
  • Bluterguss

Hausmittel bei Verstauchung: An die PECH-Regel denken!

Zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Fußverstauchung gehört die Anwendung der PECH-Regel:

  • Pause: Fuß nicht mehr belasten
  • Eis: Sprunggelenk kühlen
  • Compression: Bandage anlegen
  • Hochlagern: Fuß hochlegen

Pause: Ruhe und Schonung

Wer sich den Fuß verstaucht, sollte ihn möglichst schnell entlasten. Man unterbricht die sportliche Tätigkeit, den Spaziergang oder die Arbeit und zieht Schuhe mit hohen Absätzen aus. Am besten lassen Sie sich stützen, haben Krücken zur Hand oder lassen sich nach Hause begleiten. Ruhe und Schonung sind für ein verstauchtes Fußgelenk wichtig. Insgesamt kann es vier bis sechs Wochen dauern, bis das Gelenk wieder vollkommen verheilt ist.

©makieniBesonders bei Laufsportarten ist das Sprunggelenk stark belastet und damit anfälliger für Verstauchungen. (©makieni)Eiswürfel, Kühlpads und Sofort-Kälte-Kompressen

Kühlpads aus dem Eisfach oder Eiswürfel in einem Plastikbeutel dienen zur Kühlung. Man schlägt sie in ein Tuch ein, um die Haut zu schonen. Ideal sind auch Sofort-Kälte-Packs zum Einmalgebrauch: Knickt man den Beutel kräftig, so dass sich die enthaltenen Komponenten vermischen, liefert die Kompresse Kühlung in Sekunden.

Kältesprays sind ebenfalls sehr praktisch. Man sprüht dabei das Flüssiggasgemisch aus etwa 30 cm Entfernung auf das verstauchte Gelenk. Vorsicht, Kältesprays kühlen sehr stark und sind brennbar.

Quark oder Essigsaure Tonerde

Kühlend und abschwellend wirken Wickel mit Quark oder Essigsaurer Tonerde. Dazu bestreicht man ein Tuch fingerdick mit gewöhnlichem Magerquark und wickelt es für etwa 15 Minuten um den Fuß. Für einen Umschlag mit Essigsaurer-Tonerde-Lösung werden zwei Esslöffel der Lösung in 200 ml Wasser gegeben. Tränken Sie ein Tuch damit und wickeln den Fuß ein, bis die kühlende Wirkung wieder abnimmt.

Auflage von Kohlblättern

Für einen Umschlag mit Kohlblättern eignen sich Weißkohl und Wirsing. Dazu braucht man fünf bis sechs Blätter, deren große Mittelrippen man mit einem Messer entfernt. In ein Tuch eingeschlagen, klopft man die Blätter weich, so dass der Saft austritt. Das Tuch wickeln Sie um den Fuß und belassen es mehrere Stunden oder über Nacht dort. Die enthaltenen Flavonoide und Senöle wirken antientzündlich und abschwellend.

Arnika & Beinwell

Bei stumpfen Verletzungen wirken Arnika und Beinwell gegen Schwellung, Entzündung und Schmerzen. Dazu gibt man 100 ml Arnikatinktur bzw. Beinwelltinktur in 0,5 l Wasser, tränkt ein Tuch damit und legt es als Umschlag auf den verstauchten Fuß.

Franzbranntwein: Kühlend und durchblutungsfördernd

Wenn die Akut-Phase überstanden ist und Schwellungen und Schmerzen abgenommen haben, kann man die Heilung durch alkoholische Lösungen mit ätherischen Ölen wie Franzbranntwein unterstützen. Dazu eignen sich Präparate mit

  • Rosmarin
  • Thymian
  • Eukalyptus
  • Fichtennadel
  • Latschenkiefer

Man sollte sie mehrmals täglich in die Haut einreiben. Im ersten Moment wirken sie durch Alkohol und Menthol/Campher kühlend, später durch die ätherischen Öle durchblutungsfördernd. So können Entzündungsstoffe und Blutergüsse besser abgebaut werden.

Bandagen stützen das Fußgelenk

Eine Bandage stützt den verstauchten Fuß und lässt die Schwellung schneller abklingen. Dazu kann man eine Idealbinde als Verband wickeln oder eine enganliegende, vorgeformte Fußbandage verwenden. In den ersten Tagen trägt man sie tags wie nachts. Später reicht es, sie am Tag zu tragen, um den Fuß bei Belastung zu stützen.

© bilderzwerg - fotoliaWenn sich die Symptome nicht bessern, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. (© bilderzwerg - fotolia)Hoch den Fuß!

Vom ersten Moment an sollten Sie den verstauchten Fuß hochlegen, um den Abfluss von Gewebsflüssigkeit zu ermöglichen und so Schwellung und Schmerzen zu reduzieren. Dies ist vor allem in der Akutphase wichtig, aber auch im Verlauf der Heilung über mehrere Wochen ist eine Entlastung durch regelmäßiges Hochlegen des Fußes angenehm und förderlich.

Nebenwirkungen von Hausmitteln

Hausmittel sind traditionell angewandte Mittel und Maßnahmen, die in der Regel wenige Nebenwirkungen haben. Bei Auflagen, Umschlägen und Einreibungen sind Hautreaktionen wie Rötung und Ausschlag möglich. Grund dafür können individuelle Unverträglichkeiten sein, wie eine Allergie gegen Korbblütler, weshalb z. B. eine Arnikatinktur nicht für Betroffene geeignet ist. Auch Austrocknung durch alkoholische Auszüge und Reizung der Haut aufgrund von zu starker Kühlung können auftreten.

Grenzen der Hausmittel: Wann geht man zum Arzt?

Hausmittel nach der PECH-Regel sollten in der Akutphase unmittelbar nach der Verstauchung eingesetzt werden. Lassen Schmerzen und Schwellung nach 24 Stunden nicht deutlich nach, geht man zum Arzt, um zu vermeiden, dass die Verletzung schlimmer wird. Weitreichendere Schäden am Fuß wie ein Riss der Außen- oder Innenbänder, eine Verletzung des Syndesmosenbandes oder Knochenschäden müssen ärztlich behandelt werden.

Der Arzt prüft manuell das Ausmaß der Bewegungseinschränkung. Über ein MRT werden Verletzungen der Bänderstruktur und durch Röntgenaufnahmen Knochenveränderungen sichtbar gemacht. Der Arzt kann stark entzündungshemmende Schmerzmittel, Gehhilfen und eine Bandage verschreiben sowie eine Krankschreibung ausstellen. Ist das Syndesmoseband (an-)gerissen, wird es in einer Operation wieder zusammengenäht, sobald die Schwellung nachgelassen hat.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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