Das jameda-Interview: 8 Fragen an Herrn Jacek Kulesza

Herr Kulesza

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© Kulesza© KuleszaÄrzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Kulesza interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Kulesza: Meistens kommen Patienten zu uns, um eine zweite Meinung zu hören zu der Frage: Operieren oder nicht? Besonders an Knie, Hüfte und Wirbelsäule. Die Entscheidung gegen eine OP und der Erfolg nach unserer konservativen Behandlung bereitet uns immer eine große Freude.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Kulesza: Unsere Behandlung ist zeitlich sehr aufwendig. Als Kassenarzt habe ich früher oft nur 3 Minuten Zeit pro Patient zur Verfügung gehabt. Jetzt als Privatarzt kann ich den Patienten viel mehr Zeit schenken.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Kulesza: Patienten mit chronischen Erkrankungen und Schmerzen werden meist mit Schmerzmedikamenten behandelt. Das ist falsch. Wenn der Schmerz ausgeschaltet ist, ermutigt es den Patienten zur Belastung der Gelenke und zerstört sie so eher. Nur die Ursachenbehandlung kann dauerhafte Besserung bringen, z.B. die Behandlung mehrerer Rheuma-Faktoren, Altersosteoporose als Ursache der Arthrosen oder Abschwächung des Bewegungsapparates nach Bewegungsmangel. Diese Patienten brauchen richtige Diagnosen und eine Ursachenbehandlung. Chronische Patienten brauchen wiederum viel Geduld.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Kulesza: In meiner orthopädischen, rheumatologischen Praxis werden meine Patienten alternativ mit homöopathischen Präparaten, wie Akkupunktur, Chiropraktik, ionitisiertem Sauerstoff, pulsierendem Magnetfeld, professioneller Krankengymnastik und Physiotherapie behandelt.
Pharmaprodukte werden bis zur Notwendigkeit nach dem Prinzip reduziert: „So wenig wie nötig bei so großem Effekt wie möglich!“. Gefährliche Schmerzmedikamente werden abgesetzt.

© Kulesza© Kuleszajameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Kulesza: Eine Patientin mit Bandscheibenvorfall wurde im Krankenhaus auf die OP vorbereitet. Der Vorfall war sehr ungünstig in der Wirbelsäule gelegen. Doch die Patientin verließ aus Angst und auf eigene Faust die Klinik und ging wieder nach Hause. Sie kam zu uns in die Praxis.
In der Anfangsphase haben wir keine Besserung erreicht. Die Patientin war verzweifelt und wollte sich doch operieren lassen. Ich habe gesagt, sie soll Geduld bewahren. Und es hat sich gelohnt: Nach weiteren vier Wochen Behandlung war sie zu 100 % beschwerdefreiheit. Wir haben viele solcher Fälle und das macht wirklich Freude.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Kulesza: Ohne Therapie hat der Patient keine Chance auf Besserung. Aber das ist nicht unser Problem. Dieser Patient soll dann besser Hilfe bei einem anderen Arzt suchen.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als erstes tun?

Herr Kulesza: Als Kassenarzt habe ich früher eine sehr große Praxis in Duisburg gehabt, oft mit 200 Patienten am Tag. Für einen Patienten hatte ich oft nur 2-3 Minuten zur Verfügung. Natürlich konnte ich wie andere Kollegen Termine mit teilweise monatelangen Wartezeiten vergeben, aber diese Leute brauchten sofort Hilfe, deshalb hatte ich eine offene Sprechstunde. Jetzt als Privatarzt kann ich in Ruhe und ohne Stress meine Patienten behandeln.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Kulesza: Die konservative Behandlung ist besser als eine zu rasche und nicht richtig überlegte Entscheidung für eine OP.

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