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Lähmungen: Wann ist eine Operation sinnvoll?

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© fotolia - contrastwerkstattDie Ausprägung einer Lähmung lässt sich in verschiedene Kraftgrade unterteilen (© fotolia - contrastwerkstatt)„Eigentlich habe ich keine Schmerzen mehr. Die Spritze hat geholfen. Müssen wir trotzdem operieren?“ Mit großen Augen schaut die Patientin ihren Operateur fragend an. „Natürlich nicht", sagt der gesunde Menschenverstand. Dann untersucht der Arzt die Patientin und stellt fest, dass die Lähmung im Fuß schlimmer geworden ist.

Keine Schmerzen und trotzdem Schwäche - Wie kann das sein?

Der Arzt hatte die Patientin fünfmal mit einer Infiltration behandelt. Wie immer hat er ihr ein Lokalanästhetikum gespritzt, um eine schnelle Wirkung zu erzielen. Geht der Schmerz weg, weiß der Arzt, dass er den Schmerzgenerator erwischt hat. Zusätzlich hat er gegen die Entzündung Kortison gespritzt, um sie einzudämmen.

Kortison kann aber nur die Schmerzen kaschieren, jedoch nicht die neurologischen Ausfälle beheben. Wenn im Spinalkanal eine Nervenwurzel so stark komprimiert wird, dass bereits eine Lähmung auftritt, reicht die abschwellende Wirkung des Kortisons nicht aus. Es überbrückt quasi nur die Zeit, die die Natur braucht, um sich selbst zu helfen. Das ist sehr sinnvoll, wenn die Natur normalerweise alleine zurechtkommt, z.B. bei einem weichen Bandscheibenvorfall. Denn heilen kann nur die Natur sich selbst. Therapien unterstützen sie lediglich.

Auch Kortison kann nur für eine Zeit die Entzündungsreaktion und den Schmerz eindämmen. Schafft die Natur es nicht, den Vorfall abzubauen, kann nur der Operateur helfen. Dabei kann er nicht die Symptome wegoperieren, wie viele meinen, sondern nur eine Situation schaffen, mit der die Natur wieder alleine zurechtkommen sollte.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Das hängt zum einen davon ab, wie stark die Lähmung ausgeprägt ist und wie der Trend der Symptomatik ist. Lähmungen werden in verschiedene Kraftgrade eingeteilt.

Kraftgrad M0 nichts bewegt sich mehr
Kraftgrad M1 der Muskel zuckt etwas
Kraftgrad M2 man kommt nicht gegen die Schwerkraft an
Kraftgrad M3 ein leichter Widerstand des Arztes reicht aus
Kraftgrad M4 der Arzt muss stärker dagegenhalten
Kraftgrad M5 der Patient besitzt die volle Kraft


Hochgradige Lähmungen des Kraftgrades M0-3 sollten zügig operiert werden, da die Chance für eine Besserung selbst mit Operation schnell schwindet. Bei Lähmungen des Kraftgrades M3-5 muss man beobachten, wie sie sich entwickelt. Wird sie besser, kommt die Natur alleine zurecht und man kann noch etwas abwarten.

Früher war die Maßgabe: „Wir operieren nur, wenn Ausfälle da sind.“ Inzwischen werden auch Patienten operiert, die zwar „nur“ Schmerzen haben, aber zunehmend therapieresistent sind und ins soziale Aus geraten. Ärzte warnen auch davor, dass ein akuter Schmerz chronisch werden kann.

Wird ein Nerv über einen langen Zeitraum gedrückt, dann kann die chronische Entzündung zu irreversiblen Schäden führen. Außerdem geht man davon aus, dass es zu einem „Memory Pain“ im Schmerzgedächtnis kommen kann. Selbst wenn der Schaden behoben ist, feuert das Schmerzzentrum immer noch, wenn der Patient Bewegungen ausübt, die früher den Schmerz ausgelöst haben.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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