Senkfuß: So läuft die OP ab

Dr. med. Christian Kinast

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© chalabala - fotoliaEin Senkfuß kann schwere Folgeerkrankungen verursachen, wenn er nicht behandelt wird (© chalabala - fotolia)Vor einer OP müssen immer die Beschwerden und das genaue Ausmaß der Fehlstellung abgeklärt werden. Dabei muss man zwischen Kinder,  Jugendlichen und Erwachsenen unterscheiden.

Beim erworbenen Plattfuß des Erwachsenen sind die deutlichsten Symptome Sehnenschmerzen auf der Innenseite des Fußes unterhalb des Innenknöchels. Die Knickfußstellung des Rückfußes nach innen begleitet den Senkfuß und überlastet die sogenannte Tibialis-posterior-Sehne, wodurch sie schließlich reißt.

Wie kann der Senkfuß behandelt werden?

Konservative Therapien sind möglich und werden aufgrund ihrer Nachhaltigkeit unterschiedlich bewertet. Möglich sind auch konservative Behandlungen mit

  • Einlagen
  • adäquatem Schuhwerk
  • Physiotherapie
  • PRP-Injektionen
  • Ruhigstellung mit einer abnehmbaren Schiene

Der Patient entscheidet, ob und wann eine OP stattfindet. Je nach Ausmaß der Fehlstellung wird das OP-Verfahren gewählt. Es kann minimalinvasiv sein oder offen chirurgisch, wobei die Dauer der Nachbehandlung unwesentlich davon beeinflusst wird.

© KinastBild von oben auf den operierten Fuß, Korrektur der Hallux valgus Fehlstellung durch eine modifizierte Lapidusoperation mit einer plantaren Platte, körperferner Weichteilkorrektur und Großzehenbegradigung, Verlängerung des Fersenbeins zur Reorientierung des Sprungbein- Kahnbeingelenkes (© Kinast)So läuft die OP ab

Beim MIS-Vorgehen wird das Fersenbein minimalinvasiv durchtrennt, nach innen verschoben und mit zwei Schrauben fixiert. Zusätzlich kann die Bewegung des unteren Sprunggelenkes zum Schutz der Sehne durch eine Schraube verblockt werden. Wenn der Patient wieder schmerzfrei ist, kann die Schraube entfernt werden.

Bei einem Teilriss der Sehne wird sie zusätzlich repariert. Bei schweren Fehlstellungen werden sie zusammen mit Weichteileingriffen korrigiert. Eine komplexe Fehlstellung liegt bei folgenden Erkrankungen vor:

  • Spitzfuß
  • Knickfuß
  • Senk-/ Plattfuß
  • Abweichung des Vorfußes nach außen
  • Anhebung der Fußinnenseite nach oben auch in Kombination mit Abweichung nach innen

Unterhalb des Innenknöchels bereitet die teil- oder komplett gerissene Tibialis-posterior-Sehne Schmerzen. Die Innenbänder können auch chronisch überdehnt sein. Durch die Fehlstellung nutzt sich das obere Sprunggelenk auf lange Sicht ab, wodurch eine Arthrose entstehen kann.

Die Fehlstellungen korrigiert der Arzt, indem er die Ferse nach innen und das Fersenbein nach vorn schiebt. Damit wird das vordere untere Sprunggelenk wiederhergestellt. Auf Höhe des innen liegenden Keilbeins wird der Innenrand des Vorfußes nach unten abgesenkt.

Wenn gleichzeitig auch der erste Mittelfußknochen wie bei einem Hallux valugs erheblich abweicht, korrigiert ihn der Arzt mit einer gelenkstabilisierenden Verschraubung. Je nachdem wie stark die Weichteile geschädigt sind, werden sie genäht oder durch eigenes Sehnenmaterial ersetzt. Die Operation dauert ca. zwei Stunden.

Wie geht es nach der OP weiter?

Der Krankenhausaufenthalt dauert vier bis sieben Tage. Gegen die Schmerzen helfen sehr gut örtliche Schmerztherapien, so dass solche Beschwerden selten ein Problem darstellen. Um die Weichteilkomponenten zu schützen, wird der Fuß-Unterschenkel-Komplex für vier bis sechs Wochen ruhiggestellt.

Danach beginnt der Patient Bewegungsübungen unter Anleitung erfahrener Physiotherapeuten und steigert sie bis zur Vollbelastung. Das Gehen ohne Stützen ist in der Regel nach acht Wochen möglich. Sport ist erst nach vier Monaten zu empfehlen.

© KinastSeitliche Ansicht des Fußes nach hinterer Fersenbeinversetzung nach innen und Verlängerung des Fersenbeins ohne Knochenblock aus dem Becken. Unten liegende Platte einer modifizierten Lapidusarthrodese (© Kinast)Alleinstehenden Patienten wird empfohlen, ihr soziales Umfeld um Hilfe zu bitten. Die Arbeitsunfähigkeit kann zwischen vier Wochen und sechs Monaten liegen. Sowohl gesetzliche wie auch private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für den stationären Aufenthalt, aber nicht für eine stationäre Reha.

Diese Risiken können entstehen

Neben den üblichen Risiken nach einer orthopädischen Operation wie Infekte und Wundheilungsstörungen kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Unterschenkelamputationen
  • Thrombose
  • Embolie mit Todesfolge
  • pathologische Schmerzkrankheit (CRPS)
  • verzögerte Knochen- und Weichteilheilung

Es gibt Unter- und selten auch Überkorrekturen. Die Schädigung der Gelenke könnte auch weiter fortschreiten und Folge-Eingriffe wie Arthrodesen notwendig machen. Bei der Korrektur des Senkfußes können auch primäre Arthrodesen notwendig sein.

Alle Eingriffe können zur kompletten Beschwerdefreiheit in jedem Lebensalter führen, erfordern aber einen kompetenten Chirurgen und eine langdauernde Rehabilitation über viele Monate, bis ein zufriedenstellendes Endergebnis erzielt wird. Nur Patienten mit Geduld und Willen zur langfristigen Nachbehandlung sollten sich diesem Eingriff unterziehen. Eine Standard-Hüftprothese ist vergleichsweise ein Kinderspiel im Vergleich zur Korrektur eines Plattfußes.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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