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Wie sicher ist Chiropraktik? Das sind die Risiken und Nebenwirkungen

Herr Kastenberger

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© psdesign1 - fotoliaIst die Chiropraktik mit mehr Risiken behaftet als andere Behandlungsmethoden? (© psdesign1 - fotolia)Moderne Chiropraktik geht zurück auf das Jahr 1895. Die Anfänge waren bescheiden: Es ging darum, Kranken zu helfen und prophylaktisch zu arbeiten. Erst in jüngerer Zeit hat sich der Fokus auf Schmerzlinderung verlagert. Eine immer wiederkehrende Frage ist, wie sicher chiropraktische Behandlungsmethoden sind und ob Schäden auftreten können. 

Welche Reaktionen kann die Behandlung verursachen?

Folgende Begleiterscheinungen können gelegentlich nach der ersten Behandlung auftreten, klingen jedoch meist innerhalb von 24 Stunden ab:

Wenige Patienten können stärkere Symptome entwickeln. Länger anhaltende Reaktionen sind aber nicht zu erwarten.

Was passiert bei einer Bänderüberdehnung?

Die Frage nach der Gefahr einer Bänderüberdehnung wird besonders häufig in Deutschland gestellt, vielleicht in Zusammenhang mit der Methode des „Einrenkens“. Viele Ärzte und Therapeuten wenden sie im Namen der Chiropraktik an. Unserer Meinung nach birgt diese unspezifische Gelenkmanipulation wahrscheinlich eine höhere Gefahr als klassische, spezifische Chiropraktikjustierungen.

Überdehnte Bänder befinden sich in einem Zustand, den wir „creep“ nennen, ähnlich wie ein überdehntes Gummiband, das aber mit der Zeit wieder auf seine normale Länge zurückschrumpft. Überdehnte Bänder sind empfindlich und oft schmerzhaft, wie nach einem Schleudertrauma oder nach längerem Sitzen in einer schlechten Haltung. Eine Studie zeigte, dass Bänder, die 60 Minuten lang gedehnt wurden, ca. 24 Stunden benötigten, um wieder ihre normale Länge zu erreichen.

Wenn für einen Bruchteil einer Sekunde während einer chiropraktischen Justierung ein Band überdehnt wird, schnappt es praktisch sofort wieder in seine ursprüngliche Länge zurück. Ein Gelenk wird anfänglich zweimal in der Woche justiert – die Wahrscheinlichkeit, dass es dadurch instabil wird, lässt sich damit nicht begründen.

© WavebreakmediaMicro - fotoliaErnsthafte Verletzungen wie Knochenbrüche konnten als Folge der Chiropraktik nicht beobachtet werden (© WavebreakmediaMicro - fotolia)Können Knochen im Rahmen der Behandlung brechen?

Die Art der Justierung orientiert sich an dem Gesundheitszustand einer Person. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer normalen Justierung einen Knochen zu brechen, ist äußerst gering. Dieses Phänomen wurde in keinem Forschungsbericht und in keinen ernst zu nehmenden Berichterstattungen beschrieben. Die einzige Ausnahme wäre die Behandlung bei einer nicht erwähnten Osteoporose, da die abnehmende Knochendichte das Potenzial für Knochenbrüche erhöht. Die Rippen sind am meisten gefährdet. Aus diesem Grund fragen wir immer nach Vorerkrankungen.

Versicherung - Ein Maßstab

Risiken sind der Maßstab für Versicherungen. Wenn die Chiropraktik wirklich eine riskante
Behandlungsmethode wäre, würden das die Versicherungsprämien nach 120 Jahren Chiropraktik reflektieren. Das ist nicht der Fall. Selbst in den USA sind Versicherungsprämien für Chiropraktiker erschwinglich und sehr viel günstiger als für Ärzte.

Besteht ein Risiko für Schlaganfälle?

Zu beiden Seiten der Nackenwirbel verlaufen zwei Vertebral-Arterien innerhalb der tatsächlichen
Knochenstruktur. Wenn die Wirbel justiert werden, besteht ein größeres Risiko, dass die arterielle Innenverkleidung beschädigt wird. Hier spricht man von einer sogenannten Aortendissektion. Dabei kann leicht ein Gerinnsel entstehen, das das Gehirn übers Blut erreicht und einen Schlaganfall verursacht.

Dieses Thema wird detailliert in der Literatur behandelt. Die medizinische Meinung lautet, dass in den frühen Stadien der Aortendissektion Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen häufige Symptome sind und ein Patient daraufhin einen Chiropraktiker wie auch einen Arzt aufsuchen sollte.

Das Risiko eines Schlaganfalls wird als identisch angesehen, egal für welche Behandlungsmethode er sich entscheidet. Auch laut medizinischer Ansicht ist das Risiko eines Schlaganfalls gleich hoch oder niedrig, unabhängig davon, ob der Patient einen Arzt oder einen Chiropraktiker aufsucht. Mit anderen Worten, das Risiko ist dasselbe, mit oder ohne chiropraktischer Behandlung.

Das bedeutet nicht, dass ein Schlaganfall nicht auftreten kann. Es kommt aber eher auf den Zeitpunkt der Behandlung und das Schlaganfallereignis an und nicht auf die Behandlung an sich.

© WavebreakMediaMicro - FotoliaJede Behandlung ist individuell auf den Patienten ausgerichtet (© WavebreakMediaMicro - Fotolia)Altersabhängige Behandlung

Wie erwähnt werden die Techniken an den Patienten individuell angepasst. Es gibt keine bekannten spezifischen Gefahren bei der Justierung von Kindern, Schwangeren oder älteren Senioren. Jede Gruppe hat Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit erfordern. Aber solange man sie berücksichtigt, besteht unserer Meinung nach kein Grund zur Sorge.

Wie hoch ist das Risiko bei chiropraktischen Behandlungen?

Das Risiko an Medikamenten zu sterben, liegt bei etwa eins zu 40.000, an den Komplikationen einer Operation zu sterben bei eins zu 100.000 und bei einem Autounfall ist es eins zu 7.000. Chiropraktik wird in keiner dieser Listen erwähnt.

Eine spanische Studie fand heraus, dass rund ein Viertel der gesamten chirurgischen Eingriffe nicht notwendig sind. Trotzdem setzt man die Patienten dem Risiko aus. Das Risiko an Schmerzmitteln zu sterben, ist höher als bei einem Verkehrsunfall umzukommen. Das Risiko der Entwicklung von Magengeschwüren nach nur zwei Wochen medikamentöser Behandlung liegt bei 3,6 %.

In Relation gesetzt ist diese Wahrscheinlichkeit höher als an Gebärmutterhalskrebs, Asthma oder einem malignen Melanom zu sterben.

Eine kurzzeitige Reaktion auf eine Justierung ist relativ häufig, aber in der Regel von sehr kurzer Dauer und ohne langfristige Nachwirkungen. Die Risiken fast aller medizinischer Eingriffe sind sehr viel höher. Wenn das mit chiropraktischen Justierungen verbundene Risiko auf eine medizinische Behandlung angewandt werden würde, wäre die Behandlung als 100 % sicher eingestuft.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


23.09.2018 - 20:04 Uhr

Ich hatte zwei Tage nach einer Einrenkung der...

von Sonja S.

... Halswirbel, die vermutlich nicht funktioniert hat, einen fast steifen linken Arm und starke Schmerzen, konnte mich weder anziehen noch Haare kämmen, Arm nur minimal anheben, jeder Schritt ohne Bewegung des Armes tat weh. Mir kamen die Tränen vor Schmerzen. Es hat sich jetzt etwas beruhigt, obwohl ich noch Druckschmerzen am Oberarm habe. Hatte auch schon mal Thrombose im Oberarm, trat auch nach einer Behandlung auf vor zig Jahren, angeblich keinerlei Zusammenhang. Jetzt wieder in der Achsel Schmerzen wie damals, kann hier ein Zusammenhang bestehen? Chiropraktische Behandlungen scheinen mir doch recht riskant. Einmal habe ich danach vor Schmerzen gezittert und keiner hat sich um mich gekümmert, wollte nur nach Hause ins Bett und bin in dem Zustand alleine nach Hause gefahren. Bei ständigen HWS Blockaden scheint eh nichts wirklich zu helfen.

Herr Kastenberger

Antwort vom Autor am 25.09.2018
Robert Kastenberger

Liebe Sonja, erstmal tut es mir sehr leid dass Sie solche Reaktionen auf eine "Einrenkung" der HWS hatten, auch wenn Sie nicht Patientin in unserer Praxis sind. Aus unserer Erfahrung ist Chiropraktik sehr wohl ein probates Mittel bei Blockierungen der Halswirbelsäule, allerdings gilt es folgendes zu beachten: Der Patient sollte eingehend untersucht werden und die Konstitution der Person sollte beachtet werden. Es sollte nicht eingerenkt, sondern "justiert" werden. Dies beherrschen nur ausgebildetete Chiropraktiker. Die Justierung zeichnet sich durch folgendes aus: Sie erfolgt aus einer sog. "Position of Ease", heisst: aus völliger Entspannung des Patienten. Die Justierung erfolgt schnell, sanft und präzise in ein Bewegungssegment der Wirbelsäule. Der Chiropraktiker ist hierauf spezialisiert und macht den ganzen Tag nichts anderes. ( anders als in herkömmlichen Praxen in denen ein weites Therapiespektrum angeboten wird) Um Ihre Frage zu beantworten: Bitte suchen Sie einen Phlebologen auf um ihre Blutgefäße untersuchen zu lassen. Wir wünschen in jedem Fall gute Besserung und alles Gute für die Zukunft. Danke Mfg Craig Osborne und Robert Kastenberger, Chiropraktik Lounge München

27.12.2017 - 00:03 Uhr

"Zu beiden Seiten der Nackenwirbel verlaufen zwei...

von Sascha

... Vertebral-Arterien innerhalb der tatsächlichen Knochenstruktur. Wenn die Wirbel justiert werden, besteht ein größeres Risiko, dass die arterielle Innenverkleidung beschädigt wird. Hier spricht man von einer sogenannten Aortendissektion. Dabei kann leicht ein Gerinnsel entstehen, das das Gehirn übers Blut erreicht und einen Schlaganfall verursacht." FALSCH! a) Wenn, dann würde eine "Vertebralis-Dissektion" vorliegend und b) eine Aortendissektion führt meist zum Tod und nicht zum Schlaganfall. Ein Artikel zu Marketingzwecken ohne die notwendige Qualitätskontrolle... Schade, Marktführer Jameda...

Herr Kastenberger

Antwort vom Autor am 29.12.2017
Robert Kastenberger

Sehr geehrter Sascha, danke für Ihren Kommentar und den Hinweis. Sie haben natürlich völlig recht. Die Artikel die wir hier veröffentlichen werden in der Regel von meinem Kollegen in englischer Sprache verfasst und hier hat sich tatsächlich ein Übersetzungsfehler eingeschlichen. Wir bitten dies zu entschuldigen. Mit freundlichen Grüßen, Robert Kastenberger, Chiropraktik Lounge München


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