Weg mit der Hautschürze: Ablauf & Nachsorge der Bauchdeckenstraffung

Hausmittel können überschüssige Haut am Bauch nicht entfernen. (© vladimirfloyd - fotolia)

Abnehmen ist eine Herkulesaufgabe. Doch auch nach dem Erreichen des Wunschgewichts ist nicht jeder rundum glücklich. Sind dabei große Mengen Speck verschwunden, bleibt oft ein unangenehmes Souvenir zurück: überschüssige Haut am Bauch. Solche Hautschürzen können sich leider auch nach Schwangerschaften oder durch schlaffes Bindegewebe entwickeln. Doch egal welche Ursache – Massagen, Sport oder Cremes sind dagegen machtlos. Hier muss der geschickte Plastische Chirurg ran.

So entsteht die Hautschürze

Haut ist ein Wunderwerk. Das trifft auch auf die Haut am Bauch zu. Ob angefutterte Fettmengen oder Schwangerschaft, die Bauchhaut dehnt sich mit und sorgt dafür, dass „alles drin bleibt“. Die Dehnfreudigkeit der Haut hat jedoch eine Kehrseite. Ist das Volumen wieder verschwunden, bildet sie sich oft nicht ausreichend zurück. Vor allem nach schnellem Abnehmen vieler Kilos bleibt gern ein Haut- oder Hautfett-Lappen übrig, der von der Schwerkraft gezogen wie eine Cocktailschürze über dem Unterbauch hängt.

Ähnliches erleben Frauen auch durch Schwangerschaften. Dabei können sowohl mehrere, nacheinander liegende Schwangerschaften als auch das einmalige Austragen von Mehrlingen die Bauchhaut über Gebühr beanspruchen. Frauenhaut ist naturbedingt noch dehnbarer als die der Männer. Das liegt nicht nur an den Hormonen, sondern auch an einem etwas anderen Hautaufbau. Um die Dehnbarkeit zu fördern, sind die Bindegewebsfasern anders angeordnet als in der Männerhaut. Leider zieht sich gedehnte Frauenhaut deshalb auch schlechter wieder zusammen.

Doch nicht immer sind verlorener Speck oder zurückliegende Schwangerschaften an der schlaffen, herabhängenden Bauchhaut schuld. Im Alter geht die körpereigene Produktion von Kollagen und Elastin zurück. Bei manchen Menschen erschlaffen die Haut und das darunter liegende Gewebe so sehr, dass sich durch die Schwerkraft eine kleine oder größere Hautschürze bildet und die Körpersilhouette empfindlich stört.

Hautschürzen: ungeliebt und auch gefährlich

Doch egal ob Frauen- oder Männerbauch, eine Hautschürze mag niemand vor sich hertragen. Und nicht nur kosmetisch ist die überschüssige Haut ein Problem. Sie birgt auch erhebliche gesundheitliche Risiken. Aufgrund von Schweiß und Wärme bildet sich unter der Schürze leicht eine feuchte Kammer, die ein ideales Milieu für Bakterien und Hautpilze darstellt. Dazu kommt, dass die Hautteile durch Bewegungen aneinander reiben, zusätzlich reizt enge Kleidung das ganze Gebiet. Die Folge sind entzündliche Veränderungen, die oft nur sehr schwer zu behandeln sind.

Neben all diesen medizinischen Problemen leiden manche Menschen auch psychisch sehr stark unter ihrer Hautschürze. Sie meiden Sport und Schwimmen, weil sie sich ihres Aussehens schämen. Oft führt das sinkende Selbstwertgefühl dazu, dass die Betroffenen sich aus dem sozialen Leben zurückziehen und vereinsamen. Es kommt zu Depressionen und im schlimmsten Fall sogar zu Suizidgedanken.

Das hilft gegen die Hautschürze

Kein Wunder, dass die Träger ihre Hautschürze so schnell wie möglich ablegen möchten. Zur Behandlung werden oft Massagen mit speziellen Ölen und Cremes oder Bauchmuskeltraining empfohlen. Doch das nützt alles leider nichts. Überschüssige Haut lässt sich nicht wegcremen oder wegturnen, hier müssen stärkere Geschütze aufgefahren werden. Das Rezept ist theoretisch einfach: Die Haut muss weg.

Entfernen lässt sich die Hautschürze jedoch nur mit dem Skalpell, d. h. durch eine Bauchdeckenstraffung. Der richtige Experte dafür ist der Plastische Chirurg. In erfahrenen Händen ist diese durchaus aufwändige Operation ein risikoarmer Eingriff mit großer Wirkung: Sie löst die oben genannten medizinischen Probleme und sorgt dafür, dass sich die Betroffenen endlich wieder wohl in ihrem Körper fühlen.

Doch Achtung, nicht jeder kommt für eine Bauchdeckenstraffung infrage. Abgesehen von der Hautschürze muss ein guter Gesundheitszustand vorliegen. Vorerkrankungen oder bestehende Beschwerden müssen gründlich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Für Frauen ist es ratsam, mit der Familienplanung abgeschlossen zu haben. Denn eine erneute Schwangerschaft ist zwar auch nach der Bauchdeckenstraffung möglich. Sie macht aber den Effekt der nicht ganz billigen Operation möglicherweise wieder zunichte.

Ganz wichtig außerdem: Die Bauchdeckenstraffung dient keinesfalls der Gewichtsabnahme! Sie macht erst Sinn, wenn das Wunschgewicht erreicht ist und am besten auch schon eine Weile konstant gehalten wurde.

Ablauf der Bauchdeckenstraffung

Eine Bauchdeckenstraffung erfolgt in der Klinik und unter Vollnarkose. Zur Entfernung der ungeliebten Hautschürze gibt es verschiedene Verfahren. Bei der kleinen Bauchdeckenstraffung beschränkt sich der Eingriff auf einen Teil des Bauchs, meist auf den Unterbauch. Mithilfe eines waagrechten Schnitts über dem Schambein entfernt der Chirurg die überschüssige Haut und näht den Rest wieder zusammen. Diese Operation wird gewählt, wenn die Hautschürze nur gering ausgeprägt ist.

Eine große Hautschürze erfordert eine große, komplette Bauchdeckenstraffung. Hierbei ist nicht nur der waagrechte Schnitt über dem Schambein, sondern auch ein ungefähr ringförmiger Schnitt um den Nabel herum erforderlich. Auch hier entfernt der Chirurg die überflüssige Haut. Zusätzlich strafft er auch den oberen Bauchbereich und die Bauchmuskulatur, wodurch auch die Taille mitmodelliert wird. Hat der Patient eine Rektusdiastase (auseinanderweichende senkrechte Bauchmuskulatur) oder Hernien, kann der Chirurg sie im gleichen Eingriff oft mitversorgen.

Eine Bauchdeckenstraffung kommt erst in Frage, wenn der eigentliche Abnehmprozess abgeschlossen ist. (© ego_tranfreepix - freepik)
Direkt nach der Operation bekommt der Patient ein Kompressionsmieder angepasst, das den operierten Bauch in Form hält. Dann erholt er sich einen oder zwei Tage in der Klinik. Die OP-bedingten Schmerzen werden individuell mit Schmerzmitteln behandelt. Kompressionsstrümpfe und subkutane Thrombosespritzen dienen der Vorbeugung von Thrombose und Lungenembolie.

Außerdem sollte der Patient zunächst auf dem Rücken schlafen, um die Wunde zu entlasten. Ein mildes Abführmittel sorgt dafür, dass die Bauchpresse beim Stuhlgang nicht Druck von innen macht. Das Mieder muss sechs bis acht Wochen lang getragen und darf nur für die Körperpflege kurzfristig abgelegt werden. In dieser Zeit ist auch körperliche Schonung angesagt. Nach drei bis sechs Monaten wird der Blick in den Spiegel immer erfreulicher: Bauch und Hautschürze sind weg, das Gewebe meist regeneriert und die Narben verblasst.

Wer trägt die Kosten der Bauchdeckenstraffung?

In den allermeisten Fällen muss der Betroffene die Operation selbst bezahlen. Die Kosten belaufen sich je nach Aufwand, Klinik und Dauer des stationären Aufenthalts auf 4.000 bis 8.000 Euro. In sehr seltenen Fällen übernehmen die Krankenkassen aufgrund einer medizinischen Indikation die Kosten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Hautschürze nachgewiesenermaßen zu Bewegungseinschränkungen führt. Oder wenn sich nach monatelanger fachärztlicher Behandlung immer wieder entzündliche Geschwüre unter der Hautschürze entwickeln.

Die Kostenübernahme muss beantragt werden, wobei die Voraussetzung dafür je nach Kasse unterschiedlich sind. Meist wird ein Nachweis verlangt, dass das Gewicht schon seit mindestens sechs Monaten gehalten wurde. Die medizinischen Probleme müssen von einem Facharzt attestiert werden. Oft verlangen die Kassen aber auch, dass sich die Patienten von einem Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenkassen untersuchen lassen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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