Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. Jörg Fuchs

Dr. Fuchs

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©Jörg FuchsDr. Jörg Fuchs praktiziert als Allgemeiner Chirurg in Köln. (©Jörg Fuchs)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Jörg Fuchs interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Allgemeiner Chirurg.

jameda: Herr Dr. Fuchs, was hat Sie motiviert, Allgemeiner Chirurg zu werden?
Herr Dr. Fuchs: Ich kann mich daran erinnern, dass ich schon zu meiner Schulzeit Chirurg oder Orthopäde werden wollte. Der Mensch ist ein Wunderwerk der Natur. Dieses zu verstehen und meine handwerklichen Neigungen einbringen zu können, begeistert mich jeden Tag.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 
Herr Dr. Fuchs: Der Praxisalltag eines Gefäßmediziners, eines Allgemeinchirurgen oder eines Phlebologen ist vielschichtig. Den Patienten ganzheitlich zu sehen, bereitet mir sehr viel Freude, fordert aber auch meine ganze Erfahrung und Intuition.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis? 
Herr Dr. Fuchs: Meine Behandlung mit dem Venenkleber bei Krampfadern stößt bei den Betroffenen auf Skepsis. Es beruhigt sie, dann zu hören, dass der Venenkleber ungiftig und nicht krebserregend ist und seit 60 Jahren in der Medizin zum Einsatz kommt. Ähnliche skeptisch waren Patienten in den 80iger Jahren, als erstmalig Kunststoffnetze bei der Behandlung von Leistenbrüchen und Nabelbrüchen eingesetzt wurden.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?  
Herr Dr. Fuchs: Glücklicherweise kann der Chirurg in vielen Fällen Heilung bewirken. Patienten, die eine intensive Betreuung benötigen, können mich telefonisch jederzeit erreichen. Das hat per se eine beruhigende Wirkung.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Fuchs: Arzt und Patient sind ein Team. Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel. Ich möchte meine Patienten überzeugen. Schaffe ich dies nicht, respektiere ich den Wunsch des Patienten, einen anderen Spezialisten aufzusuchen.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Fuchs: Es fällt mir nur ein Wunsch ein. Jeder Patient, egal wie er versichert ist, bekommt eine Rechnung. Auf dieser kann er genau sehen, was gemacht wurde und was es kostet. Auch die gesetzlichen Krankenkassen stehen von Seiten des Gesetzgebers in der Pflicht, ihren Versicherten auf Antrag die sogenannte Kostenerstattung, einzuräumen. Viele gesetzliche Krankenkassen tun sich schwer, andere hingegen sind progressiv und unterstützen einen mündigen Patienten. Auf den Punkt gebracht: Der Patient sucht sich seinen Spezialisten selbstständig aus. Egal, ob er einen Kassen- oder Privatarzt aufsucht, der Versicherte bekommt den Betrag ersetzt, den seine Kasse sowieso bezahlen müsste. Diesen Weg, der übrigens in jeder Satzung steht, würde ich als Gesundheitspolitiker fördern. Es gibt keine Zweiklassenmedizin. Es wäre vieles einfacherer, wenn die Kassen das ausleben, was der Gesetzgeber ihnen aufgetragen hat. 

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Fuchs: Nach wie vor sind Einfühlungsvermögen und Gesprächsführung Stiefkinder in der Ausbildung junger Mediziner.

©Dr. Jörg Fuchs PraxisEin Einblick in die Praxis von Herrn Fuchs: Der Wartebereich (©Dr. Jörg Fuchs Praxis)jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden? 
Herr Dr. Fuchs: Ich habe nach über 20 Jahren in der Krampfaderbehandlung für mich Abstand von Stripping-Operationen genommen und eine neue Therapie eingeführt: der Venenkleber. Hiermit können Krampfadern schonend und ohne Kompressionsstrümpfe beseitig werden. Weder das Alter, noch ein Narkoserisiko oder Durchblutungsstörungen sind zu beachten. Medikamente können weiter eingenommen werden. Das Ganze funktioniert ähnlich wie die Blutabnahme. Hierfür brauche ich auch keine Narkose. Viele schaffen es nicht, nach der Operation ihre Kompressionsstrümpfe anzuziehen - das ist nämlich ziemlich schwer. Auch diese Sorge entfällt bei der Behandlung mit Venenkleber. Die Vene wird zugeklebt, das ist genial einfach und effektiv. Selbst im Hochsommer ist die Behandlung möglich - oder sogar in der Mittagspause. Vorübergehend stören nur gelegentliche Knubbel, Rötungen oder ein Ziehen.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Fuchs: Die Ehefrau eines Patienten hatte mich gebeten, ihm nichts von seiner Tumorerkrankung zu erzählen. Ich habe ihren Wunsch verstanden, es gemacht und damit das Vertrauen zu meinem Patienten zerstört. Nie wieder. Jeder bekommt von mir eine ehrliche Antwort, wenn er mir Fragen stellt. Manche möchten kein Gespräch, obwohl sie wissen, was mit ihnen passiert. Auch das habe ich zu respektieren.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 
Herr Dr. Fuchs: Es gibt amüsanter Weise in der Gefäßmedizin einen Risikofaktor, an den wenige denken: Es handelt sich um den Bewegungsmangel. Bewegen Sie sich bitte, Ihr Körper wird es Ihnen danken!

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