Fett absaugen oder abnehmen?

Dr. Fenkl

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© vladimirfloyd - fotoliaFettabsaugung ist kein Mittel gegen Übergewicht (© vladimirfloyd - fotolia)„Eine gute Figur machen“, das möchte jeder. Denn wenn wir „eine gute Figurmachen“, dann stellen wir uns gegenüber unseren Mitmenschen im besseren Licht dar, wir gelten mehr, wir werden mehr geachtet. Dadurch haben wir auch mehr Erfolg, sei es im Beruf, im Sport oder in einer zwischenmenschlichen Beziehung. So, wie wir auf andere wirken, werden wir auch eingestuft. Sind wir zu kräftig, zu übergewichtig, kommt schnell eine Abwertung auf uns zu, und das wollen wir nicht.

Vielleicht haben Sie sich schon oft gefragt, ob ein Plastischer Chirurg Ihre Figurprobleme lösen kann? Ja, sehr häufig. Alle jedoch nicht. Probleme mit der Figur können vielfältig sein: Angeboren, hormonell bedingt, durch Bewegungsmangel, durch falsche Ernährung, durch Lebensalter und durch Krankheit bzw. Behinderung. Im persönlichen Gespräch mit dem Plastischen Chirurgen sollten diese Aspekte zumindest angesprochen werden. Er sollte wissen, wie Sie leben, was Sie essen, wo Ihre Schwierigkeiten und Beschwerden liegen. Das erfordert Ehrlichkeit, dafür kann der Arzt ofthelfen.

Die Fettabsaugung (Liposuktion) zur Körperformung geeignet, nicht aber zum Abnehmen

Wenn Sie also von der Fettabsaugung erwarten, dass sie Ihre Figurprobleme bei deutlichem Übergewicht lösen soll, werden Sie enttäuscht. Denn selbst wenn man große Mengen Fett absaugt, ohne dass Sie Ihre Diätfehler korrigieren, werden Sie nach und nach Ihre Fettpolster wieder anbauen. Dann hätten Sie eine Operation umsonst durchführen lassen. Die Fettabsaugung ist jedoch optimal für Menschen, deren Körper-Proportionen nicht ideal sind und die gewisse Fettpolster angesetzt haben, die sie trotz Abnehmen nicht wegbekommen. Dies sind z.B. bei Frauen mit schlanker Taille die Hüften, der „Baby-Unterbauch“, die Oberschenkel- und Knie-Innenseiten und die Reithosen. Diese Fettpolster können Sie weder durch Sport noch durch Abnehmen wegbekommen, Sie haben keine Chance. Natürlich sind die Körperproportionen hier entscheidend, so wird beispielsweise bei einer magersüchtigen Patientin keine OP zur Reiterhosen- Fettabsaugung durchgeführt, da sie kein Normalgewicht hat.

Die Problemzonen einer Frau

Die typischen Problemzonen der Frau sind hormonell bedingt (vor allem durch Pille und Schwangerschaft) und können weder durch Sport noch durch Ernährungsumstellung korrigiert werden. Viele Frauen leiden unter kräftigen, stämmigen Unterschenkeln und Sprunggelenken ohne grazile Form. Andere leiden unter dicken Kniegelenken, die keine Form erkennen lassen, die Kniescheiben sind in Fettgewebe eingebettet. All diesen Frauen können Plastische Chirurgen gut helfen, indem wir die unschönen Fettpolster nicht nur absaugen, sondern mittels der Liposuktion neue Formen geben, die den ästhetischen Erwartungen näher kommen.

Wie läuft eine Fettabsaugung ab?

Der Ablauf wird bestimmt durch die berufliche Erfahrung des Arztes. Leider werden auch heute noch viele Liposuktionen ohne ausreichende Sterilität vorgenommen, was unter Umständen sehr gefährlich werden kann. Deshalb müssen Qualitätsstandards unbedingt eingehalten werden.
Es wird zunächst eine genaue Planzeichnung auf der Haut angefertigt und die Patienten bestimmen mit, was ihnen wichtig ist. Danach werden sie in den OP eingeschleust und unter
hochsterilen Bedingungen wird meist nach einer „Ganzkörper-Desinfektion“ die Betäubungs-Lösung (sog. Tumeszenz-Lösung) in die Fettschichten unter der Haut besonders schonend und schmerzarm eingebracht. Die Patienten sind dabei hellwach, auf Wunsch gibt es auch eine „Alles-egal-Spritze“. Sitzt die Betäubung in der Zielregion, kann völlig schmerzfrei abgesaugt werden. Da heute nur noch sehr feine Absaug-Kanülen verwendet werden, die nichts mehr verletzen können, dauern moderne Liposuktionen länger, oft zwischen 3 und 6 Stunden, je nach gewünschter Absaug-Menge. Danach erhalten die Patienten eine Kompressions-Kleidung, damit sich die durch Fettabsaugung abgelöste Haut wieder an den Untergrund gleichmäßig anlegen kann. Auf die Operation folgen immer 2 Stunden Überwachung unter Monitoring, woraufhin es nach Hause geht - schmerzfrei. Erst nach 2 Tagen können leichtere Schmerzen, ähnlich einem Muskelkater, auftreten und vergehen meist innerhalb einer Woche fast ganz. Lediglich Kniegelenke und Unterschenkel sind 2–3 Wochen lang ziemlich empfindlich. Sehr selten leiden Patientinnen unter einem sog. Lymphödem. Hierbei kommt es zu Schwellung und Schmerzen im Fettgewebe.

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Kommentare zum Artikel (2)


08.07.2015 - 19:17 Uhr

Ich lese bei Fettabsaugungen immer, dass man...

von Valeria B.

... zuerst abnehmen muss und dann erst kann die Formung mittels Absaugung passieren. Ist es nicht möglich, dass jemand sagt, er ist zufrieden mit seinen 20 kg Übergewicht und möchte nur den Babyunterbauch wegoperieren lassen?

Dr. Fenkl

Antwort vom Autor am 11.07.2015
Dr. med. Roman Fenkl

Das kann man sich gerne wünschen, aber die Praxis sieht oft anders aus: Der Mensch besteht nun einmal nicht aus Einzelteilen, wie z. B. ein Auto, bei dem man einen kaputten Kotflügel abschraubt und einen neuen anschraubt. Bei der Fettagsugung einzelner Regionen verändert man die Proportionen an der Stelle, an der man absaugt, das kann schnell "unproportional" aussehen. Mit großer Erfahrung kann man während der Operation das erforderliche Ausmaß abschätzen, das Endergebnis steht erst nach ca. 6 Monaten. Dann ist da noch die Haut. Kann sie nachschrumpfen? Dann der Blutdruck: Übergewichtige Menschen neigen zu hohem Blutdruck, damit Nachblutungen, Kreislauf-Komplikationen und natürlich auch Wundheilungsstörungen (weil Fettgewebe viel schlechter durchblutet ist als andere Körpergewebe und damit auch vermehrt zu Infektionen neigt). Außerdem kann ich mich in den letzten 10 Jahren an keinen einzigen übergewichtigen Patienten erinnern, der ledigleich eine umschriebene Region ("Babybauch") gezielt entfernt haben wollte. Alle wollten nur schlanker werden mit einer besseren Figur und die Reduzierung der Kleidergröße spielte eine wesentliche Rolle. Sollten Sie also auf die Behandlung einzelner Regionen besonderen Wert legen, dann empfiehlt sich sehr ein persönliches Gepräch mit Ihrem Plastischen und Ästhetischen Chirurgen. Ich bin sicher, er wird für Sie die passende Lösung finden.

17.05.2015 - 15:18 Uhr

Guten Tag, bitte ich habe eine Frage. Bieten Sie...

von oras

... auch die Fett-weg-Spritze an? Danke

Dr. Fenkl

Antwort vom Autor am 11.07.2015
Dr. med. Roman Fenkl

Die Fett-weg-Spritze ist nicht so ganz ohne! Sie führt an derjenigen Stelle, an der sie eingespritzt wird, zu massiven und sehr schweren Entzündungen des Fettgewebes, in deren Verlauf das Fettgewebe abgebaut wird. Dadurch ist diese Spritze nur schwer kalkulierbar und steuerbar. Man benötigt eine sehr große Erfahrung damit und ist - sowohl als Arzt wie auch als Patient - immernoch auf der Risiko-Seite. Tatsächlich gibt es gerade wieder in der Fachliteratur Informationen über einen Todesfall damit. Wenn ich all diese Umstände zusammen nehme, dann bevorzuge ich die Liposuktion: Ich kann damit sehr genau und definiert gezielt störendes Fettgewebe reduzieren, kann die Menge des zu entfernenden Fettgewebes genau bestimmen und führe einen fast schmerzfreien, sicheren, ambulanten Eingriff durch. Wozu sollte ich dann das Risiko schlecht kalkulierbarer Maßnahmen eingehen, wenn ich doch alles zielgerecht mit meinen Möglichkeiten erreichen kann? Nur für den Namens-Unterschied "Spritze/Operation"? Ich glaube, die Fett-weg-Spritze ist für Ärzte geschaffen worden, die die Fettabsaugung nicht oder nicht ausreichend beherrschen. Der Rest erklärt sich dann von selbst ...


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