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Lipödem-Behandlung: So funktioniert die narbenlose Fettabsaugung

Priv.-Doz. Dr. Heidekrüger

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© contrastwerkstatt - fotoliaEtwa 10% aller Frauen in Deutschland leiden an einem Lipödem, wobei die Dunkelziffer jedoch höhere Zahlen vermuten lässt. (© contrastwerkstatt - fotolia)Das Lipödem ist eine chronische und in den meisten Fällen fortschreitende Fettverteilungsstörung, bei der das Unterhautfettgewebe symmetrisch zunimmt. In den meisten Fällen ist die untere Körperhälfte betroffen. Die Fettvermehrung betrifft zunächst den Oberschenkel sowie den Gesäß- und Hüftbereich. Manchmal nehmen auch die Unterschenkel oder die Oberarme an Volumen zu. In der Regel sind Fesseln, Füße und Hände von der Erkrankung nicht betroffen.

Was sind die Anzeichen für ein Lipödem?

Auffallend ist ein Ungleichgewicht zwischen schlankem Oberkörper und voluminöser unterer Körperhälfte. Meist ist die Erkrankung mit Schmerzen verbunden und betroffene Personen sind oftmals sehr berührungsempfindlich. Schon durch leichte Stöße kommt es sehr schnell und leicht zu blauen Flecken. In ausgeprägteren Fällen entstehen auch Hautwulstungen an den Innenseiten der Oberschenkel und am Knie. Das kann zusätzlich Beschwerden und Hautreizungen auslösen.

Der aktuelle Stand der Forschung geht davon aus, dass hormonelle Vorgänge das Lipödem auslösen, da überwiegend Frauen betroffen sind. Diese Fettverteilungsstörung entsteht häufig während Phasen hormonellen Umschwungs im Körper, wie Pubertät oder Schwangerschaft.

Ungefähr 10 % aller Frauen in Deutschland sind von einem Lipödem betroffen. Aufgrund der Schwierigkeit der sicheren Diagnosestellung und der dazu notwendigen klinischen Erfahrung ist die Anzahl in der Realität aber wahrscheinlich deutlich höher.


Die Stadien des Lipödems

Man teilt das Lipödem in vier Stadien ein, die die Struktur des Gewebes und die Textur der Haut beschreiben.

  • Stadium I: Hautoberfläche glatt, Unterhautfett verdickt, Fettstruktur feinknotig
  • Stadium II: Gewebe zusätzlich derber und härter, grobknotige Hautoberfläche mit deutlicher Dellenbildung
  • Stadium III: Gewebe stark verdickt und verhärtet, großlappig deformierende Haut-Fettgewebslappen (sog. Wammenbildung)

Unterscheidung von vier Lipödem-Typen

Im Gegensatz zur Stadieneinteilung rücken bei der Klassifizierung nach Typen die betroffenen Körperareale in den Fokus.

  • Typ 1: Das Unterhautfett ist vor allem im Bereich von Gesäß und Hüften vermehrt, die sogenannten Reiterhosen sind die Folge.
  • Typ 2: Das Lipödem hat sich bis zu den Knien ausgebreitet und es bildet sich vermehrt Fett an den Innenseiten der Knie.
  • Typ 3: Die Erkrankung reicht jetzt von den Hüften bis zu den Fußknöcheln.
  • Typ 4: Das Lipödem betrifft nun auch noch die Arme. Die Handgelenke sind nicht betroffen.


So sieht die Therapie für ein Lipödem aus

Prinzipiell kann das Lipödem in jedem Stadium mit Kompression und einer Fettabsaugung behandelt und operiert werden.

Behandlungsziele:

  • Lymphabfluss verbessern
  • Gewebsveränderungen reduzieren
  • Bindegewebsvermehrung reduzieren
  • Beweglichkeit der betroffenen Regionen verbessern
  • über Selbstbehandlungsmöglichkeiten (Hautpflege, bestimmte Massagetechniken zur Lymphdrainage, lymphologische Kompressionsbandagierung) aufklären
  • Verbesserung der Lebensqualität

Konservative Behandlungsmethode

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)
Im Idealfall ist das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Lipödemen und chronischen Lymphabfluss-Störungen die Normalisierung, zumindest aber die Verbesserung des Lymphtransports.

Therapeutische Methoden:

  1. Hautpflege
  2. Manuelle Lymphdrainage (MLD)
  3. Kompressionstherapie (Bandagierung bzw. Flachstrick-Versorgung)
  4. Bewegung
  5. Richtige Ernährung

© vladimirfloyd - fotoliaDie Fettabsaugung einer Lipödem-Therapie lässt sich gut mit anderen Behandlungen kombinieren. (© vladimirfloyd - fotolia)Operative Behandlungsmöglichkeiten

Neben den konservativen Behandlungsmöglichkeiten ist die Liposuktion die effizienteste und sicherste Methode, um ein Lipödem dauerhaft zu therapieren. Hier werden die erkrankten Fettzellen abgesaugt.

Eine Fettabsaugung kann

  • Wasseransammlungen und somit die Schmerzhaftigkeit verringern oder sogar völlig beseitigen
  • die Neigung zu blauen Flecken reduzieren
  • die Notwendigkeit einer Manuellen Lymphdrainage (MLD) und des Tragens von Kompressionsstrümpfen reduzieren
  • tiefe Hautfalten beseitigen, durch die es, aufgrund ständiger Feuchtigkeit, zu Entzündungen kommen kann 
  • ein gestörtes Gangbild verbessern und somit Gelenkschäden vorbeugen
  • der Entstehung eines Lipo-Lymphödems vorbeugen
  • die unproportionierte Körperform harmonisieren
  • seelische Belastungen lindern oder beseitigen
  • die Lebensqualität verbessern

Für die Fettabsaugung beim Lipödem oder auch bei allgemeiner Fettverteilungsstörung kommen prinzipiell folgende Areale in Betracht:

  • Doppel-Kinn
  • Oberarme
  • weibliche Brust
  • männliche Brust
  • Bauch/Taille
  • Rücken
  • Hüften
  • Oberschenkel
  • Waden
  • Fußknöchel-Region

Die Erfahrung und die Sorgfalt des Behandlers sind die wichtigsten Faktoren für die Qualität der Therapie mittels Fettabsaugung. Die gewählte Methode ist dabei abhängig von der individuellen Erfahrung und patientenbezogenen Faktoren.

Die Erfahrung bestätigt: Ein neues, besonders schonendes und effektives Verfahren stellt die „narbenlose Fettabsaugung“ dar.


Was ist die narbenlose Fettabsaugung?

Narbenlose Fettabsaugung ist nicht nur eine der modernsten Techniken zur Fettabsaugung, sondern eine Philosophie, die darauf abzielt, so minimalinvasiv wie möglich zu sein. Das gesamte Verfahren ist darauf ausgerichtet, die Heilung durch schonende Technik mit weniger Blutergüssen und Traumata für die behandelte Fläche zu beschleunigen.

Durch die spezielle Technik sind bei dem Eingriff kein Skalpell und kein Nadelstich notwendig. So müssen keine Fäden gezogen werden und das Ergebnis ähnelt natürlichen Hautveränderungen. Es bleiben keine Linien und Nahtmarkierungen zurück, die der Welt zeigen, dass Sie operiert wurden.

In vielen Fällen und in Abhängigkeit vom Ausmaß des zu behandelnden Areals wird die Fettabsaugung in örtlicher Betäubung durchgeführt und eine Vollnarkose überflüssig. Dadurch haben unsere Patienten die geringstmöglichen Risiken und können so schnell wie möglich zu ihren alltäglichen Tätigkeiten zurückkehren.

Durch die extrem schonende Art der Fettabsaugung besteht die Option, das gewonnene hochwertige Fett für einen Eigenfett-Transfer zur Behandlung von Falten – zum Beispiel im Gesicht zur Reduzierung der Hautalterung oder zur Brustvergrößerung – zu nutzen.

Die narbenlose Fettabsaugung ist weit weniger invasiv als eine herkömmliche Fettabsaugung. Daher sind Ausfallzeiten kürzer und die Resultate des Eingriffes sind schneller zu sehen. Weniger invasiv zu sein bedeutet auch, dass Sie nach dem Eingriff weniger Schmerzen haben. Die meisten Patienten sind innerhalb von 48 Stunden wieder am Arbeitsplatz.


Vorteile der narbenlosen Fettabsaugung 

  • Weniger Schwellung
  • Weniger Blutergüsse
  • Weniger Beschwerden/ Schmerzen
  • Schnellere Wiederherstellung
  • Kürzere Ausfallzeiten
  • Keine Vollnarkose
  • Option für einen Eigenfetttransfer (falls gewünscht)

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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