Lippenvergrößerung mit Hyaluronsäure oder Eigenfetttransplantation: Ablauf & mögliche Komplikationen

Welche Möglichkeiten bieten sich an, um Lippen zu korrigeren? (© Robert Kneschke - fotolia)

Der Expertenratgeber stellt zwei Möglichkeiten vor, die Fachärzte für Plastische Chirurgie und Dermatologie nutzen, um Lippen zu vergrößern: die Unterspritzung mit Hyaluronsäure und die Eigenfetttransplantation.

Volumenaufbau und Formung der Lippen mit Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist eine im Körper natürlich vorkommende Substanz, die eine enorm hohe Wasserbindungskapazität aufweist. Sie kommt besonders in der Haut und im Bindegewebe vor, aber auch in Knorpel und Knochen.

Der Gehalt an körpereigener Hyaluronsäure nimmt im Laufe des Lebens ab. Dadurch verliert das Gewebe an Elastizität, Feuchtigkeit und Spannkraft und die Zeichen des Alterns werden sichtbar. Den Verlust der körpereigenen Hyaluronsäure kann man ersetzen. Für die Durchfeuchtung der Haut und zum Volumenaufbau des darunterliegenden Gewebes verwendet man naturidentische, künstlich hergestellte Hyaluronsäure-Produkte.

Je nach Behandlungsregion und gewünschtem Effekt stehen uns unterschiedlich stark vernetzte Hyaluronsäure-Produkte zur Verfügung. Je stärker die Vernetzung der Moleküle ist, umso haltbarer und zähflüssiger sind die Präparate.

Für den Bereich der Lippen stehen den Behandlern verschiedene, mittelstark vernetzte Hyaluronsäure-Produkte zur Verfügung. Je nachdem ob es sich um den Wunsch nach einer Lippenvergrößerung, einer speziellen Ausformung oder der Korrektur der feinen radiären Fältchen handelt, verwenden sie die exakt dafür entwickelte Hyaluronsäure.

Ein Vorteil der Hyaluronsäure ist, dass sie ein Mittel ist, das die Hyaluronsäure wieder auflösen kann, wenn sie an die falsche Stelle gelangt oder Komplikationen bei der Behandlung auftreten sollten. Diese Möglichkeit besteht bei anderen Füllsubstanzen nicht. Deshalb hat sich die Hyaluronsäure in den letzten Jahren als Filler durchgesetzt.

Daher sieht man das Ergebnis des Volumenaufbaus mit Hyaluronsäure auch nicht sofort, sondern erst ein bis zwei Wochen nach der Unterspritzung. Außerdem aktiviert die Hyaluronsäure Bindegewebszellen und regt die Neubildung von Bindegewebsfasern an, was das Gewebe längerfristig aufbaut. Die Substanz selbst wird vom Körper im Laufe von Monaten wieder langsam abgebaut, je nach Vernetzungsgrad unterscheidet sich auch hier die Geschwindigkeit.

Die meisten Hersteller bieten mittlerweile Produkte mit lokalem Betäubungsmittel an, sodass Injektion weniger schmerzen.


So läuft die Behandlung ab

Im Vorfeld wird ein detaillierter Behandlungsplan erstellt, der oft aus mehreren Schritten besteht. Der Eingriff erfolgt ambulant nach einer vorherigen gründlichen Aufklärung über die Möglichkeiten, die Haltbarkeit und etwaige Risiken.

Natürlich müssen Kontraindikationen, wie z. B. Überempfindlichkeit gegen das Produkt, vorbestehende Autoimmunerkrankungen oder Schwangerschaft ausgeschlossen sein. Auch die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten muss vor der Behandlung vermieden werden.

Kommen Sie am Tag der Behandlung bitte ohne Make-up. In entspannter Atmosphäre wird Ihre Haut gründlich gereinigt und mehrmals mit einem sanften antiseptischen Mittel desinfiziert. Die Produkte sind in sterilen Glasspritzen mit feinen Nadeln oder Kanülen bereits vorgefertigt und können sofort verwendet werden. Im Vorfeld bespricht der Behandler mit Ihnen, ob eine Oberflächenbetäubung oder eine regionale Betäubung, wie bei einer Zahnbehandlung, angewendet wird.

Nach der Injektion der Substanz, was nur wenige Minuten dauert, sehen Sie sofort eine Veränderung, die jedoch noch nicht endgültig ist. Das endgültige Resultat ist erst nach ein bis zwei Wochen zu sehen. Der Behandler wird die Füllsubstanz noch etwas massieren und auf die korrekte Verteilung achten. Danach sollten Sie hier weiteren Druck und starke Mimik vermeiden, damit es zu keiner Dislokation des Materials und unerwünschter Formveränderung kommt. Dass nach einer Lippenvergrößerung mit Hyaluronsäure eine Schwellung auftritt, ist normal und lässt sich durch leichte Kühlung vermindern.


Das sind die möglichen Komplikationen

Wenn Sie sich für die Behandlung mit Hyaluronsäure in die erfahrenen Hände von gut ausgebildeten Fachärzten für Plastische Chirurgie und Dermatologie begeben, ist sie im Allgemeinen risikoarm.

Normale Reaktionen auf Injektionen, wie Rötung, Schwellung, Schmerz oder Jucken im behandelten Bereich, sind in der ersten Woche nach der Behandlung möglich. Kleine Blutungen an der Einstichstelle und dadurch entstehende Hämatome im behandelten Bereich sind ebenso wie Schwellungen meist vorübergehend.

Allergische Reaktionen gegen Inhaltsstoffe der Injektion sind möglich. Deshalb wird bei einer ausgeprägten Vorgeschichte von starken allergischen Reaktionen von einer Behandlung abgeraten bzw. es sollte eine Woche vor der Behandlung ein kleiner Test durchgeführt werden. Es kann im behandelten Bereich jedoch auch zu einer Reaktion des Körpers auf die Füllsubstanz mit Verhärtung, Knötchenbildung oder Hautverfärbung kommen.

Außerdem können schwerwiegende Komplikationen wie Abszesse, Nekrosen oder Granulome auftreten. Wichtig ist hier, die Anatomie gut zu kennen, um diese Risiken zu minimieren, man kann sie jedoch nie ganz ausschließen.

Sollte sich das Hautareal in den ersten Stunden nach der Behandlung weiß verfärben, müssen Sie sofort ärztlich behandelt werden. Es kann zu einer Verstopfung von Blutgefäßen mit der Substanz oder zum Abdrücken durch die Schwellung und daraus Minderdurchblutung des versorgten Gewebeareals mit Gewebeuntergang und folgender Narbenbildung kommen.

Im Bereich um das Auge und der Nase können sich Arterien für die Netzhaut verstopfen, was bis zur Erblindung führen kann. Hier ist die schnelle Behandlung mit Hylase und durchblutungsfördernden Mitteln essentiell.


Potenzielle Risiken lassen sich verringern, indem die Behandlung nur von qualifizierten Ärzten durchgeführt wird. (© szepy - iStock)
Erfolgsaussichten der Behandlung

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut. Der erste Effekt ist sofort zu sehen, der volle Effekt des Volumenaufbaus ist nach ein bis zwei Wochen sichtbar. Man muss aber natürlich auch wissen, dass es sich um einen resorbierbaren Filler handelt, der vom Körper nach und nach wieder abgebaut wird.

Eine Wiederholung der Behandlung ist zum Erhalt des gewünschten Volumenaufbaus oder der Faltenbehandlung daher in den meisten Fällen notwendig. Ein längerfristiger Effekt wird durch die Stimulierung der Bindegewebszellen zur Neubildung von Kollagenfasern beobachtet.


Volumenaufbau mit Eigenfetttransplantation

Eine längerfristige Alternative zur Lippenvergrößerung mit Hyaluronsäure ist die Eigenfetttransplantation. Hier kommt es zur Lippenvergrößerung mit körpereigenem Fettgewebe, das zum Beispiel von der Knieregion oder dem Bauch mit feinen Kanälen entnommen und anschließend in die Lippe eingebracht wird. Auch hier sind meist zwei bis drei Behandlungen notwendig, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Bei dieser Behandlung verbessert sich zusätzlich deutlich die Gewebestruktur. Dies liegt an den mit dem Fettgewebe transplantierten Stammzellen, die die Haut regenerieren und verjüngen.

Vom Ablauf her ist diese Behandlung etwas aufwendiger, weil die Substanz, die in die Lippen injiziert wird, zuerst aus dem eigenen Körper entnommen werden muss, im Gegensatz zur fertigen Hyaluronsäure.

Die Eigenfetttransplantation ist eine Alternative für Patienten, die eine Kontraindikation für künstliche Filler aufweisen und eine langfristige Behandlung wünschen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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