Mögliche Methoden für die Liposuktion eines Lipödems

Wie wird eine Liposuktion durchgeführt? (© azatjan - freepik)

Die Liposuktion (Fettabsaugung) ist eine minimalinvasive Operation, mit der man ein Lipödem besonders nachhaltig behandeln kann. Der Eingriff kann die Fettanlagerungen Betroffener so nahezu vollständig beseitigen und Beschwerden lindern. Für die Liposuktion gibt es verschiedene Methoden mit besonderen Vorzügen. Sie werden auch häufig miteinander kombiniert.

Ein Lipödem tendiert zur Verschlimmerung

Ein Lipödem ist eine genetisch und hormonell bedingte chronische Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen trifft. Sie führt zur Anlagerung größerer Mengen Fettgewebe, meist beginnend an Hüften und Oberschenkeln. Schmerzen in Ruhe und bei Bewegung, Berührungsempfindlichkeit, Neigung zu blauen Flecken und Hautprobleme kommen zu dem unschönen optischen Bild hinzu.

Die gängige konservative Therapie ist aufwendig und muss über Jahre und Jahrzehnte beibehalten werden. Die am häufigsten verschriebenen Maßnahmen sind Kompressionswäsche, die ständig getragen werden muss, ebenso wie die manuelle Lymphdrainage beim Physiotherapeuten. Sie können die Beschwerden lindern und eine Verschlimmerung des Lipödems verhindern. Diese Art von Behandlung beseitigt den Fettüberschuss in den Lipödemzonen allenfalls in geringem Maße. Dieses Ziel lässt sich nur mit einer Liposuktion erreichen. Darum besteht bei vielen Patientinnen und Patienten großes Interesse an dieser Art der Behandlung.

Ziel einer Liposuktion

Mit welcher Methode die Liposuktion auch durchgeführt wird, Ziel ist eine möglichst vollständige Beseitigung der Fettzellen (Adipozyten) in den Lipödemzonen. Dazu führt der Behandler über kleine Einstiche in der Haut eine dünne Absaugkanüle unter die Haut. Mit Hilfe einer Vakuumpumpe wird das zuvor vorbereitete Fettgewebe abgesaugt. Dabei muss er darauf achten, dass er lediglich eine dünne Fettschicht zwischen Muskulatur und Hautgewebe bewahrt, die sogenannte Verschiebeschicht.

Die Vorgehensweise bei der Liposuktion kann je nach verwendeter Methode recht unterschiedlich sein. Neuere Methoden wie die Laserlipolyse zum Beispiel wirken zusätzlich auf das Hautgewebe ein und zielen darauf ab, die Hauterholung zu verbessern. Es folgt ein Überblick zu den wichtigsten Verfahren.

Tumeszenz-Lokalanästhesie

Das Tumeszenzverfahren wurde Ende der 90er Jahre entwickelt und hat die Liposuktion geradezu revolutioniert. Sie wurde dadurch entscheidend verträglicher und schonender. Das Verfahren ermöglicht prinzipiell eine ambulante Liposuktion ohne Vollnarkose, was in vielerlei Hinsicht von Vorteil ist.

  • Bei der Methode leitet der Operateur vor der Absaugung mehrere Liter einer sogenannten Tumeszenzflüssigkeit in das zu behandelnde Gewebe ein.
  • Sie enthält vor allem eine Kochsalzlösung und ein Betäubungsmittel. Das sorgt für Schmerzfreiheit während des Absaugvorgangs.
  • Die Fettzellen werden durch die Einleitung aufgeschwemmt und können nach der Einwirkzeit leichter abgesaugt werden.

Die Tumeszenzmethode ist bei Liposuktionen weltweit heute die am häufigsten verwendete.

Vibrationsliposuktion

Das bewährte Tumeszenzverfahren wird häufig zusätzlich mit vibrierenden Kanülen durchgeführt, die sogenannte Vibrationsliposuktion.

  • Durch die ständige Vibration der eingeführten Kanüle ist es für den Operateur leichter, die Fettzellen aus dem Gewebeverband zu lösen.
  • Das Ergebnis der Absaugung wird so gleichmäßiger. Ein positiver Effekt ergibt sich erfahrungsgemäß auch für die Hauterholung. Die ständige Rüttelbewegung kann die Hautzellen zur beschleunigten Regeneration anregen.
  • Die Kanüle muss so geführt werden, dass die Lymphbahnen nicht verletzt werden. Da das Lymphsystem bei einem Lipödem zusätzlich angegriffen ist, kommt es darauf besonders an. Die Vibrationsmethode schützt zusätzlich die feinen Blut- und Lymphgefäße.

Zum Einsatz kommen heutzutage besonders dünne Kanülen, die nur winzige Hauteinstiche erfordern. Ein Vernähen der Zugänge ist meist unnötig. Gewöhnlich schließen sie sich fast unsichtbar von selbst. Die fast vollständige Narbenfreiheit ist ein gemeinsamer Pluspunkt der meisten neueren Liposuktionsverfahren.

Laserlipolyse

Noch schonender lässt sich bei einem Lipödem mit der laserassistierten Liposuktion arbeiten, der sogenannten Laserlipolyse. Hier bringt der Operateur zusätzlich zur Absaugkanüle eine medizinische Laserfaser ins Gewebe ein.

  • Die durch die Laserfaser gezielt erzeugte Hitze bricht die Fettzellen auf, verflüssigt sie und ermöglicht ein besonders gleichmäßiges Absaugen.
  • Die Schonung der empfindlichen Lymphgefäße lässt sich so besonders gut verwirklichen.
  • Der Laser unterstützt mittel- und langfristig noch aktiver die Hauterholung.

Die positive Wirkung auf die Haut ergibt sich dadurch, dass der Hitzeeffekt die Bildung von Kollagen- und Elastinfasern fördert. Diese stabilen Eiweißgebilde stützen bei jedem von uns das Hautgewebe und halten es elastisch. Für die Liposuktion bei einem Lipödem ist die Neubildung dieser Fasern von besonderer Bedeutung. Denn die Rückbildung des Hautmantels ist hier eine besondere Herausforderung. Schließlich entfernt der Behandler bei der Absaugung in der Regel Fettgewebe im Umfang von mehreren Litern.

Die Laserlipolyse fördert die Fähigkeit der Haut, sich wieder fest an die darunter liegenden Gewebeschichten anzulegen. Ohne solche unterstützenden Maßnahmen wird längere Zeit nach der Liposuktion gewöhnlich eine chirurgische Hautstraffung erforderlich. Sie bringt auffälligere Narbenbildung mit sich.

Einige Monate nach der Liposuktion lässt sich der Hautzustand beurteilen. Dann zeigt sich, ob zusätzliche chirurgische Maßnahmen erforderlich sind. Bei der Laserlipolyse können sie meist unterbleiben.

Ergebnis einer Liposuktion beim Lipödem

Eine Liposuktion kann Lipödeme nicht heilen. Die Veranlagung zu dieser Erkrankung besteht, wenn sie einmal aufgetreten ist, ein Leben lang. Der Zustand kann durch die Fettabsaugung aber erheblich gebessert werden. Viele Frauen brauchen nur in der ersten Zeit nach der OP noch Kompressionswäsche zu tragen, später kann nach und nach darauf verzichtet werden.

Auch die Notwendigkeit der manuellen Lymphdrainage wird meist geringer, oft wird sie ganz verzichtbar. Schmerzen und andere Beschwerden gehen meist erheblich oder vollständig zurück. Zur Vorbeugung sollten Arzt und Patient aber in jedem Fall weiter ein Augenmerk auf Ernährungskontrolle und Sport legen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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