OP im Ausland: Gleiche Qualität bei niedrigeren Preisen? Das sind die Risiken

Behandlungen im Ausland sind zwar meist billiger, können bei Komplikationen jedoch zu Problemen führen. (© jibilein - iStock)

Operationen im Ausland genießen nach wie vor eine große Beliebtheit bei unseren Mitbürgern. Ob neue Zahnimplantate, Augenlasern zur Sehkorrektur, Haartransplantationen oder eben auch sehr anspruchsvolle und nachbehandlungsintensive Eingriffe wie Facelifting.

Im Zeitalter von Social Media und immer größerer individueller Freiheit wird das Aussehen immer wichtiger. Kritik an dieser Entwicklung ist sicher angebracht. Sie übersieht aber möglicherweise die Tatsachen und Statistiken: Von Jahr zu Jahr vermelden sie immer mehr Behandlungen und Operationen rund um das Thema Schönheit und Attraktivität. An dieser Entwicklung möchten alle teilhaben, leider manchmal auch zu jedem Preis.

Wenn man als Plastischer Chirurg jahrelang in unterschiedlichen Krankenhäusern und Privatkliniken arbeitet, begegnet man unweigerlich einer bestimmen Patientengruppe: frisch im Ausland operiert und mit einer Komplikation.

Die Eingriffe reichen von Lidstraffungen und Nasenkorrekturen über Absaugungen bis hin zu Brust-Ops und Faceliftings. Gerade teure und aufwändige Eingriffe üben hier eine besondere Anziehung aus. Denn im Ausland beträgt der Preis oft nur ein Viertel des in Deutschland üblichen Preises.

Wie kommt so ein drastischer Preisunterschied zustande?

Um das aufzuklären, erläutere ich Ihnen den gewöhnlichen Ablauf einer ästhetischen Operation bei einem seriösen Arzt in Deutschland.

Der Patient findet nach einer intensiven Recherche oder Empfehlung einen Plastischen Chirurgen. Er äußert seinen Wunsch, wird untersucht, ausführlich und realistisch beraten und hat noch viel Zeit, sich zu entscheiden. Das Wichtigste bei der Entscheidung ist nicht etwa der Preis – wenn er sich natürlich im normalen Rahmen bewegt – sondern das Vertrauensverhältnis, das sich zwischen Arzt und Patient aufbaut.

Die Operation wird in einer dafür behördlich zugelassenen Klinik durchgeführt. Die Patientin oder der Patient hat in der Regel keine weite Anreise nach Hause und kann sich bei Komplikationen sofort an den Arzt wenden und gegebenenfalls behandeln lassen oder sich zumindest die Sorgen nehmen lassen. Der Arzt ist immer erreichbar und vor allem haftbar.

Das ist bei einer OP im Ausland anders

All das ist bei einer Operation im Ausland natürlich nur sehr eingeschränkt gegeben: Da der Preis der einzige Entscheidungsgrund ist, wird auf eine ausgiebige Beratung keinen Wert gelegt. Sie ist durch die Sprachbarriere ohnehin von Vornherein zum Teil erheblich eingeschränkt.

Es wird nach Schilderung der Betroffenen zu viel versprochen oder auf entscheidende, individuelle Gegebenheiten kaum eingegangen. Tendenziell wird sich ein Arzt, der ahnt, dass er seinen Patienten nach der Operation wahrscheinlich nie wieder sehen wird, kaum Mühe geben, das Beste herauszuholen.

Meist werden zudem die Patienten nach der Operation zu früh entlassen bzw. treten eine weite Heimreise per Flugzeug oder andere Mittel an. So lange die Wunden gut heilen, mag es ja ein Happy End geben, aber wehe es kommt zu Komplikationen. Die oft angebotene telefonische Beratung ist in vielen Fällen nicht hilfreich bzw. vergrößert die Unsicherheit.

Sollten weitere Nachbehandlungen nötig sein, beginnt meist ein Spießrutenlauf. Kaum ein niedergelassener Arzt möchte die Verantwortung für eine im Ausland entstandene Komplikation übernehmen. Meist bleibt den Betroffenen der Gang zu größeren Krankenhäusern. Dort werden sie unter Umständen von nicht spezialisierten Ärzten mit unklarem Ausgang behandelt.

Welche Kosten können bei einer Zweitkorrektur entstehen?

Eine Kostenübernahme seitens der Krankenversicherungen ist nicht in jedem Fall zwingend gegeben. Eine Beteiligung der Betroffenen an den Kosten ist sehr wahrscheinlich. Jede weitere spätere Korrektur kostet meist das Vielfache der Erstoperation im Ausland und kann vom Ergebnis her unter Umständen weit hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Fazit

Weder geht jede Operation bei einem seriösen Chirurgen in Deutschland super aus, noch endet jede Operation im Ausland in einem Desaster. Aber ein Punkt ist definitiv sicher: Das Risiko für Komplikationen und Unzufriedenheit ist bei Behandlungen im Ausland erheblich höher. Das sollte Ihnen bewusst sein, wenn Sie sich für eine Operation im Ausland entscheiden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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