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Was ist ein Lipödem? So können Sie das Reithosen-Syndrom erkennen und behandeln

©fotolia-contrastwerkstattLipödeme wirken sich oft stark auf das Selbstwertgefühl und psychische Probleme aus (©fotolia-contrastwerkstatt)Die Ursachen des Lipödems, auch Reithosen-Syndrom genannt, sind unbekannt. Was man weiß: Es tritt fast ausschließlich bei Frauen auf. Das Lipödem ist eine meist fortschreitende und symmetrische Fettverteilungsstörung an den Beinen und in 30 % der Fälle zusätzlich auch an den Armen.

Was sind die Symptome eines Lipödems?

Neben der Fettgewebevermehrung lagert sich häufig Flüssigkeit durch langdauernde Steh- oder Sitzbelastungen ein, Blutergüsse bilden sich leichter und die Betroffenen verspüren eine verstärkte Berührungsempfindlichkeit. Außerdem leiden die Frauen unter einem Spannungsgefühl und einer Druckschmerzhaftigkeit. Die ersten Symptome des oftmals missinterpretierten Lipödems beginnen häufig nach der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in Zusammenhang mit den Wechseljahren. Vielmals besteht eine familiäre Häufung.

Welche Stadien gibt es?

Klinisch wird das Lipödem in 3 Stadien unterteilt:

  • Im Stadium I ist die Haut glatt, die Unterhaut ist verdickt, weich und von feinknotiger Fettstruktur.
  • Im Stadium II wird die Haut uneben und es bildet sich eine grobknotige Fettstruktur.
  • Das Stadium III ist gekennzeichnet durch derbes Bindegewebe und deformierende Fettlappen.

Im Laufe der Zeit kann durch eine Überlastung oder eine Vermehrung von Bindegewebe der Lymphbahnen ein sekundäres Lymphödem entstehen.

© vladimirfloyd - fotoliaOft ist es nicht leicht festzustellen, ob es sich um ein Lipödem oder eine Adipositas handelt (© vladimirfloyd - fotolia)Wie kann festgestellt werden, ob es sich um ein Lipödem handelt?

Die Lebensqualität der Frauen kann durch die Unverhältnismäßigkeit zwischen Oberkörper und Beinen stark beeinträchtigt sein und führt oft zu Frustration und psychologischen Problemen.

Insbesondere die Einschätzung einer gleichzeitigen und zur Irritation beitragenden Fettleibigkeit, die verstärkend auf das Beschwerdebild wirkt, ist im konkreten Fall nicht immer einfach und sofort nachvollziehbar.

Der gewichtsbasierte Body-Mass-Index (BMI) ist das gebräuchlichste Messverfahren, um eine Fettleibigkeit einzustufen, kann bei den Frauen mi einem Lipödem jedoch falsch überhöht sein. Der sogenannte Bauch-Größen-Quotient (BGQ) ist wohl die einzige Methode, die den Adipositasgrad korrekt wiedergeben kann. Der BGQ berücksichtigt neben dem Bauchumfang auch die Körpergröße.

Wie kann ein Lipödem behandelt werden?

Um die Symptome zu behandeln, stehen konservative und operative Verfahren zur Verfügung. Eine ursächliche konservative Therapie des Lipödems ist nicht bekannt. Um das subkutane Fettgewebe dauerhaft zu reduzieren, bietet sich nur die Liposuktion an, also eine Fettabsaugung. Dabei handelt es sich um eine mittlerweile etablierte und risikoarme Methode.

Gemäß den nationalen Leitlinien sollte der Eingriff vorzugsweise mit einer wasserstrahlassistierten, einer „lymphologischen“ Liposuktion (WAL), erfolgen. Durch sehr kleine Hautschnitte wird die Absaugkanüle mit pulsierendem Sprühstrahl, etwa einem kräftigen Duschstrahl vergleichbar, langsam eingeführt und das Fettgewebe wird durch den Wasserstrahl sanft aus seiner Verankerung gelöst und gleichzeitig entfernt.

Es wird sehr genau darauf geachtet, dass die Kanülenbewegungen parallel zur Körperlängsachse erfolgen, damit die Lymphbahnen geschont werden. Die durchschnittliche Operationsdauer beträgt ein bis zwei Stunden, die realistische Höchstmenge an entferntem Fett pro Eingriff sollte vier bis sechs Liter nicht übersteigen.

© tibanna79Indem regelmäßig Kompressionskleidung getragen wird, bilden sich alle Nebenwirkungen schnell wieder zurück (© tibanna79)Welche Folgen bringt der Eingriff mit sich?

Begleiterscheinungen nach der Operation wie mehr oder weniger ausgeprägte Blutergüsse, Schwellungen und lokale Verhärtungen treten praktisch in jedem Fall auf.

Indem Kompressionskleidung konsequent getragen wird, bilden sich diese Nebenwirkungen aber innerhalb von einigen Wochen vollständig zurück. Die operierten Zonen können aber erst nach sechs bis zwölf Monaten endgültig beurteilt werden.

Zahlt die Krankenkasse für den Eingriff?

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA) hat im Juli 2017 keine positive Empfehlung für eine Liposuktion bei Lipödemen ausgesprochen. Aus diesem Grund gibt es sowohl im System der vertragsärztlichen Versorgung und als auch bei privaten Krankenversicherungen generell keine Kostenzusage.

Diesbezügliche und alle sonstigen Fragen zur operativen Lipödembehandlung sollten im Rahmen speziell angebotener Sprechstunden an spezialisierten Kliniken wahrgenommen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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