Sanfte Hyperhidrose-Behandlung mit Botulinumtoxin

Hyperhidrose belastet die Betroffenen sehr – eine Botulinumtoxin-Behandlung kann helfen. (© Grimm)

Schwitzen ist eine wichtige Funktion unseres Körpers, die unter anderem die Temperatur reguliert und Stoffe aus dem Körper transportiert. Dennoch wird es in der Regel als sehr unangenehm empfunden. Insbesondere der typische Schweißgeruch und die sichtbaren Schweißflecken an der Kleidung sind für Betroffene häufig eine starke Belastung.

Hyperhidrose ist der medizinische Fachbegriff für starkes Schwitzen. Um sie zu reduzieren, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl. Neben operativen Eingriffen gibt es auch Verfahren, die ganz ohne Operation auskommen. So ist die Injektion von Botulinumtoxin – oft als Botox® abgekürzt und z. B. bekannt aus der Faltenbehandlung – eine sanfte Behandlungsmöglichkeit von Hyperhidrose.

 

Was ist Hyperhidrose?

Hyperhidrose ist eine krankhafte Form des Schwitzens, bei dem der Körper übermäßige Mengen Schweiß abgibt. Das Schwitzen tritt zudem meist ohne äußere Einflüsse wie heiße Temperaturen oder anstrengenden Sport auf. Selbst in völliger körperlicher Ruhe oder im Winter können die Schwitzattacken plötzlich einsetzen.

Primäre und sekundäre Hyperhidrose

Zu unterscheiden sind die primäre und die sekundäre Hyperhidrose. Die zuvor beschriebene Form stellt die primäre Hyperhidrose dar. Bei einer sekundären Hyperhidrose liegt hingegen eine andere Ursache zugrunde, die das starke Schwitzen auslöst. Das Schwitzen ist in diesem Fall lediglich ein Symptom und nicht die Erkrankung selbst. Das kann beispielsweise bei Schilddrüsenfehlfunktionen oder bestimmten Medikamenten sein.

Nicht immer lässt sich sagen, ob das Schwitzen im eigenen Fall normal oder bereits krankhaft ist, da die Schweißabgabe bei jedem Menschen individuell ist. Die Übergänge sind daher fließend. Beim Verdacht auf eine Hyperhidrose sollten eine ärztliche Rücksprache und Untersuchung erfolgen. Der Arzt wird dann feststellen, wie sich die Hyperhidrose am besten behandeln lässt. Bei einer sekundären Hyperhidrose wird die auslösende Ursache therapiert. Bei einer primären Hyperhidrose richtet sich die Behandlung direkt an die Schweißdrüsen.

Wie kommt es zu einer Hyperhidrose?

Die Ursachen für eine primäre Hyperhidrose sind noch nicht abschließend erforscht und bestimmt. Mediziner gehen davon aus, dass eine Störung im vegetativen Nervensystem dazu führt, dass die Schweißdrüsen übermäßig aktiviert werden. Dadurch wird mehr Schweiß, als es für die normalen Körperfunktionen notwendig ist, produziert und abgegeben. Was genau diese Störung hervorruft, ist noch nicht bekannt.

Was macht Botulinumtoxin bei Hyperhidrose?

Botulinumtoxin Typ A wird in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt. Bei der Hyperhidrose-Behandlung wird es in den entsprechenden Bereichen (meist die Achseln) injiziert. Im Körper hemmt Botulinumtoxin die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin. Er ist unter anderem dafür zuständig, Informationen von den Nerven auf die Muskeln oder – wie im Falle der Hyperhidrose – an die Schweißdrüsen weiterzugeben. Wird die Freigabe des Botenstoffs durch das Botulinumtoxin gehemmt, werden die Schweißdrüsen nicht mehr überaktiviert. Dadurch wird kein Schweiß in dem Bereich mehr abgegeben.

Wie läuft die Botox®-Behandlung ab?

Die Hyperhidrose-Behandlung mit Botox® findet ambulant in der Praxis statt. Eine Betäubung der Behandlungsbereiche ist nicht zwingend notwendig, kann aber auf Wunsch an empfindlichen Stellen mit einem Lokalanästhetikum oder einer Anästhesiecreme erfolgen. Anschließend wird der Wirkstoff mit einer dünnen Kanüle in das Areal gespritzt. Insgesamt dauert die Behandlung meist zehn bis 15 Minuten. Die Patientinnen und Patienten können unmittelbar nach der Injektion die Praxis wieder verlassen und ihrem normalen Alltag nachgehen. Mit Einschränkungen ist nicht zu rechnen.

Gibt es Risiken?

Bei erfahrenen und speziell geschulten Ärzten stellen Botox®-Behandlungen eine sichere und risikoarme Methode dar. Die Injektionsbereiche können vorübergehend geschwollen oder gerötet sein. Vereinzelt können leichte blaue Flecken auftreten. Die Beschwerden lassen erfahrungsgemäß schnell wieder nach. Stärkere Komplikationen wie ungewollte Funktionseinschränkungen, Lähmungserscheinungen, Entzündungen oder Infektionen treten bei Experten in der Regel nicht auf.

Wie lange hält das Ergebnis?

Botox® entfaltet seine Wirkung schrittweise. Bei der Hyperhidrose-Therapie benötigt es etwa ein bis zwei Wochen, bis es seine volle Wirkung entfacht hat. Da der Körper das Botulinumtoxin wieder abbaut, hält der Effekt nicht dauerhaft an. Nach etwa drei bis sechs Monaten arbeiten die Schweißdrüsen wieder wie vor der Behandlung. Um eine anhaltende Wirkung zu erzielen, kann die Behandlung mit Botulinumtoxin in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Hyperhidrose

Zu den sanften Behandlungen bei Hyperhidrose zählt auch die minimalinvasive Absaugung der Schweißdrüsen im betroffenen Areal. Durch die schonende Entfernung der lokalen Schweißdrüsen wird die Schweißabgabe in dem Bereich reduziert. Da sich die Schweißdrüsen nicht neubilden, sind die Ergebnisse dauerhaft.

Welche Behandlung sich im konkreten Fall anbietet, bespricht der Arzt im persönlichen Gespräch mit dem Patienten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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