Schönheitschirurg - ein ungeschützter Titel?

Dr. med. Armin Rau

von
verfasst am

© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com© WavebreakMediaMicro - Fotolia.comDank Boulevard Medien wird Laien vermittelt, Schönheitschirurgie
sei ein operatives Fachgebiet mit dazugehöriger Gebietsbezeichnung
(= Facharztausbildung) zum Schönheitschirurg.

Weit gefehlt - ein Ausbildungsfach „Schönheitschirurgie“ gibt es nicht, auch nicht kosmetische Chirurgie. Vielmehr kann sich jeder Medizinstudent, der das Examen absolviert hat, Schönheitschirurg nennen, ohne jemals ein Skalpell in der Hand gehalten zu haben.

In Deutschland sind ästhetische operative und nicht-schneidende Techniken Bestandteil der Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Daher ist es ausschließlich Plastischen Chirurgen vorbehalten, den Begriff der „Ästhetik“ in seinem Facharzttitel zu führen.

Für Laien ebenso verwirrend stellt sich der Begriff „Plastische Operationen“ dar. Diese so genannte Zusatzbezeichnung beinhaltet Ausbildungsinhalte aus einem Teil der Plastischen Chirurgie, die gelegentlich von benachbarten Fachgebieten behandelt werden. So begrenzt sich das Spektrum für Plastische Operationen für den HNO-Arzt auf Nasen- und Ohrenbehandlungen. Ebenso erlernt der Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg keine Techniken der Fettabsaugung, Bauchdeckenplastik oder Brustoperationen. Verwunderlich ist jedoch, dass diese Operationen von solchen Kollegen angeboten und durchgeführt werden, ohne dass diese dafür ausgebildet sind.

Weder der Schönheitschirurg vom Bodensee noch jener von der Kö in Düsseldorf haben in Ihrer Ausbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde jemals Brustoperationen, mikrochirurgische Gewebetransplantationen, Fingerreplantationen oder Behandlungen von Schwerbrandverletzten durchgeführt. Darauf von der Gesundheitsministerin angesprochen prahlte der Düsseldorfer Kollege damit, seine HNO-Facharzt-Urkunde zurückgegeben zu haben, um sich dadurch „Schönheitschirurg“ nennen zu können.

Es ist an den Medien dieses für Konsumenten bestehende Wirrwarr aufzulösen und im Rahmen der Berichterstattung auf diese Details hinweisen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


09.02.2009 - 16:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Rau, sehr richtig...

von Dr. Chr. Greven

... bemerken Sie, dass der Begriff oder gar Titel (das ist aber gar keiner) "Schönheitschirurg" in der Tat nicht geschützt ist. Dies ist zu bedauern, entspricht aber den augenblicklichen Gegebenheiten. Allerdings ist nicht ganz korrekt, dass Sie als Plastischer Chirurg qua Ausbildung einzig in der Lage sein wollen (pars pro totum) die ästhetische Chirurgie ausüben zu wollen. Wie Sie sicherlich wissen, ist die ästhetische Chirurgie keinesfalls Teil Ihrer Facharztausbildung gewesen und es ist weiterhin so, dass die meisten Plastischen Chirurgen, die sich zweifelsohne hervorragende Verdienste um die rekonstruktive Chirurgie erworben haben, den Schuh der ästhetischen Chirurgie ebenso arglos anziehen wie ahnungslose Zahnärzte. Es ist sicherlich ebensowenig eine gute Idee als HNO-Arzt Brüste zu korrigieren wie als Plastischer Chirurg Nasen, denn er weiß leider meist nicht, was er im Inneren der Nase anrichtet. So denke ich, dass jeder das tun sollte, was er gelernt hat; insbesondere sollten die Fachärzte, die sich am Kopf gut auskennen (HNO, MKG), auch diesen behandeln. Wenn sich der Plastische Chirurg hier profunde Zusatz-Kenntnisse erworben hat - gut so (z.B. Prof. Gubisch!)! Andererseits bin ich auch strikt gegen Behandlungen eines HNO-Arztes am Körperstamm. Der Plastische Chirurg jedenfalls hat per se auch nicht die Kunstfertigkeit mit "Löffeln gefressen". Schließlich sei noch bemerkt, dass die Zusatzbezeichnung der HNO- und MKG-Ärzte lautet: "Plastische und Ästhetische Operationen", sich aber ausschließlich auf deren Gebiet bezieht. Mit freundlichem Gruß Dr. Chr. Greven


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