Zehenverlängerung bei Brachymetatarsie, Brachydaktylie & Co.

© Dr. Adrian Kai Wiethoff

Vereinzelte zu kurze Zehen können funktionell, insbesondere aber auch aus ästhetischen Gründen störend sein. Zu den Ursachen zählen zum einen genetische Anomalien wie z.B.:

1. Die Brachymetatarsie
Es handelt sich hier um einen nicht vollständig ausgewachsenen Mittelfußknochen, durch den der Zeh zu kurz erscheint. Die Deformität kann an einem oder beiden Füßen auftreten, Frauen sind etwa 25-mal häufiger betroffen als Männer. Meistens kommt die Brachymetatarsie am vierten Strahl vor, aber auch andere oder mehrere Knochen auf einmal können betroffen sein.

2. Die Brachydaktylie
Bei der Brachydaktylie ist der Zeh selbst zu kurz, weil einer oder mehrere seiner Knochen nicht ausgewachsen sind.
Auch Kombinationen von Brachymetatarsie und Brachydaktylie kommen vor.

Eine andere Ursache für zu kurze Zehen ist leider auch heute noch ein zu radikales Vorgehen bei Operationen von Hammerzehen. Wird hier unnötigerweise im Rahmen der Begradigungs-Operation zu viel Knochen aus einem Zeh entfernt, mag zwar wie bei einer korrekt durchgeführten OP eine Schmerzfreiheit ohne Druckstellen resultieren, das harmonische Längenverhältnis der einzelnen Zehen zueinander ist jedoch stark gestört, was den einen oder anderen Patienten verständlicherweise unglücklich macht.

In der modernen Fußchirurgie stehen glücklicherweise operative Möglichkeiten zur Verfügung, Zehen (wieder) zu verlängern. Bei der Verlängerung von Mittelfußknochen (Brachymetatarsie) bietet sich bei weniger stark ausgeprägten Befunden eine sogenannte Verlängerungs-Osteotomie an, bei der mit einer speziellen Sägetechnik der Knochen verlängert wird. Bei ausgeprägten Befunden können sogenannte Knochendistraktoren verwendet werden, die den Knochen über einen Zeitraum von wenigen Wochen sozusagen „in die Länge ziehen“. Diese Methode ist hier in Deutschland sehr verbreitet.

Eine andere Möglichkeit, die ausgehend von den USA in den letzten Jahren eine zunehmende Verbreitung erfährt, ist die direkte Verlängerung des betroffenen Knochens in einem Schritt (sogenanntes „One stage-Lengthening“) durch ein kleines Knochentransplantat. Diese Methode bietet meist deutliche zeitliche Vorteile, ist aber aufgrund anderer Faktoren (Dehnbarkeit des Gewebes, Durchblutung) oft limitiert auf Verlängerungen bis etwa 1,5 cm (in seltenen Fällen auch mehr).

Zehen selber lassen sich bei Vorhandensein einer Brachydaktylie oder nach einer Voroperation ebenfalls in den meisten Fällen mit Hilfe eines kleinen Knochentransplantates verlängern. Die Nachbehandlung reicht (neben Schonung, Lymphdrainage und Krankengymnastik) vom Tragen eines Verbandschuhs für 4-6 Wochen bei Operationen der Zehen bis hin zur Entlastung mit Gips / Gehstützen für wenige Wochen bis Monate bei größeren Operationen der Brachymetatarsie.

Operationskosten werden im Allgemeinen bei Vorhandensein von Beschwerden (Schmerzen, Druckstellen) von den Krankenkassen übernommen, bei rein ästhetisch motivierten Operationen müssen sie hingegen meist selber getragen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (10)

Joshua S., 17.01.2020 - 21:58 Uhr

Hallo ich Habe beide Daumen sehr kurz und der Nagel ist kurz und platt. Was kann ich operativ dagegen tun? Was für eine Krankheit? Wie kann man es verschönern? Danke im Voraus für die gute Beratung. Lg

Antwort von Adrian K. Wiethoff, verfasst am 19.07.2021

Hallo Joshua, senden Sie gerne bei Gelegenheit Fotos an info @ ars-pedis.de, damit ich mir ein besseres Bild Ihres Problems machen kann. Viele Grüße

Petra, 16.07.2017 - 22:28 Uhr

Hallo, wegen Wachstumsstörungen wurde mir in jungen Jahren von dem rechten Zeigezeh das Gelenk raus operiert. Der ist jetzt viel zu kurz und schaut richtig hässlich aus. Seit ca. 37 Jahren trage ich geschlossene Schuhe. Gibt es da irgendeine Möglichkeit?

Antwort von Adrian K. Wiethoff, verfasst am 17.07.2017

Hallo Petra, ja, in vielen Fällen gibt es glücklicherweise eine Möglichkeit zur Korrektur, siehe Artikel. Gerne können Sie mir bei Gelegenheit einmal Fotos (und wenn vorhanden auch Röntgenaufnahmen) Ihrer Füße zuschicken oder sich persönlich in meiner Sprechstunde vorstellen. Viele Grüße Adrian Wiethoff

Imani, 17.01.2017 - 17:44 Uhr

Guten Tag, wie viel kostet eine Brachymetatarsie und wie viel lange sollte ich dafür in Deutschland bleiben?

Antwort von Adrian K. Wiethoff, verfasst am 20.01.2017

Hallo Imani, die Kosten betragen grob insgesamt zwischen 4000 und 6000€, ein Aufenthalt von 3-4 Tagen in Deutschland wäre empfehlenswert. Viele Grüße Adrian Wiethoff

Silke, 18.08.2014 - 13:16 Uhr

Ich habe recht einen verkürzten Zeh und links zwei was fuer eine Methode kann man durchfuehren

Antwort von Adrian K. Wiethoff, verfasst am 18.08.2014

Guten Tag Silke, welche Methode am geeignetsten ist, lässt sich nach einer persönlichen Untersuchung und Ansicht von Röntgenaufnahmen feststellen. Gerne können Sie sich bei Gelegenheit in meiner Sprechstunde vorstellen, alternativ mir auch zunächst Fotos und Röntgenaufnahmen Ihrer Füße zumailen (wiethoff@ars-pedis.de), falls Sie nicht aus der Umgebung von Düsseldorf kommen. Viele Grüße Adrian Wiethoff

Marcel, 10.11.2013 - 16:07 Uhr

Eine Freundin von mir hat einen zu kurzen Zeh am rechten Fuß,kann man so etwas operieren und wie?

Antwort von Adrian K. Wiethoff, verfasst am 11.11.2013

Guten Tag, vielen Dank für Ihr Interesse. Eine Operation ist mit höchster Wahrscheinlichkeit möglich, von den verschiedenen Optionen handelt ja der Artikel. Welche Methode die beste ist, hängt davon ab, welcher Knochen zu kurz ist (d.h. Brachymetatarsie oder Brachydaktylie) und um wieviel er verlängert werden muss. Das wiederum kann man am besten auf Röntgenbildern beurteilen. Ihre Freundin kann sich, wenn gewünscht, gerne unverbindlich in meiner Sprechstunde vorstellen oder auch zunächst Fotos und Röntgenbilder zumailen (wiethoff@ars-pedis.de). Mit freundlichen Grüßen Adrian Wiethoff

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