Haben Sie Alzheimer? Machen Sie den Selbsttest zur Früherkennung!

Claudia Galler

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© De Visu - FotoliaWie erkenne ich Alzheimer? (© De Visu - Fotolia)Ein verlegter Autoschlüssel, ein vergessener Termin oder ein Begriff, der einem einfach nicht einfallen will – harmlose Vergesslichkeit oder schon Alzheimer? Schätzen Sie anhand einiger Fragen selbst ein, ob Sie Ihre Gedächtnislücken von einem Arzt überprüfen lassen sollten.

Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz

Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter an. Die meisten Fälle treten bei Menschen jenseits der 65 auf. Bei der Erkrankung sterben Gehirnzellen nach und nach ab, so dass die Verbindungen zwischen den Nervenzellen zugrunde gehen. Betroffene verlieren mit der Zeit ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten.

Mit zunehmendem Abbau des Gehirns setzt auch der körperliche Verfall ein, so dass viele Patienten am Ende an Infektionen oder Multiorganversagen sterben. Die genaue Ursache der Alzheimer-Erkrankung ist unbekannt, bisher gibt es kein Heilmittel.

Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten abzubremsen und begleitende Beschwerden zu lindern. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto wirkungsvoller ist die Therapie.

Wann ist ein Selbsttest für Betroffene sinnvoll?

Vergesslichkeit im Alter bedeutet nicht automatisch „Demenz“ oder „Alzheimer“. So wie der gesamte Körper wird auch das Gehirn im Alter langsamer, die verlegte Brille oder ein entfallener Name muss also kein Grund zur Besorgnis sein. Zudem gibt es zahlreiche andere Ursachen für kleine Gedächtnislücken wie

Sinnvoll kann ein Alzheimer-Selbsttest sein, wenn man kürzlich erlebte Dinge nicht erinnern kann und der Alltag durch die Vergesslichkeit erheblich eingeschränkt ist. Dabei kann die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung nur ein Arzt stellen. Ein Selbsttest gibt lediglich Hinweise auf mögliche Anzeichen einer demenziellen Erkrankung.

© bilderstoeckchen - fotoliaKommen Ihnen folgende Situationen bekannt vor? Sie können ein Anzeichen für Alzheimer sein. (© bilderstoeckchen - fotolia)Schätzen Sie sich selbst ein

Folgende Szenarien beziehen sich auf Ihre Gedächtnisfunktion und Aufmerksamkeit sowie auf Ihr Vermögen, mit Sprache umzugehen und sich in Ihrer Umgebung zurechtzufinden. Kennen Sie geschilderte Situationen aus Ihrem Alltag, suchen Sie Ihren Hausarzt auf, um den Hinweisen nachzugehen:

1. Kurzzeitgedächtnis

  • Ich verlege oft Dinge wie meinen Schlüssel oder meine Brille.
  • Ich vergesse, ob ich die Haustür abgeschlossen habe und muss zurückgehen, um es zu prüfen.
  • Ich verpasse Termine und Verabredungen.
  • Ich kann mich nicht daran erinnern, was ich gestern erlebt habe.

2. Sprachfähigkeit

  • Mir fallen Begriffe für Alltagsdinge nicht ein.
  • Wenn ich etwas erzähle, verhaspele ich mich.
  • Ich spreche lieber in kurzen Sätzen, weil lange Sätze zu schwierig sind.

3. Aufmerksamkeit

  • Ich bin oft zerstreut.
  • Beim Lesen und Fernsehen verliere ich den roten Faden der Geschichte.
  • Ich kann einem Gespräch nicht mehr konzentriert folgen.
  • Beim Kartenspielen mache ich Fehler.
  • Ein Formular auszufüllen, bereitet mir Schwierigkeiten.

4. Orientierung

  • Im Supermarkt finde ich mich immer schlechter zurecht.
  • Ich kann mir neue Wege schlecht einprägen.
  • Eine ungewohnte Umgebung, z. B. im Urlaub, verwirrt mich.
  • Oft weiß ich nicht, welchen Tag oder Monat wir haben.
  • Es fällt mir schwer, die Tageszeit abzuschätzen.

Fragen für Angehörige

Auch Angehörige sollten darauf achten, ob sie im Verhalten ihrer Liebsten Hinweise auf eine Demenz-Erkrankung entdecken. Auffällig sind dabei typische Vorkommnisse:

  • Die Vergesslichkeit im Alltag schränkt ihn/sie erheblich ein.

Der Haustürschlüssel liegt im Kühlschrank, der Zweck des Supermarktbesuchs ist dem Betroffenen plötzlich unklar, Geburtstage engster Angehöriger werden vergessen.

  • Ihm/ihr fallen einfache Worte nicht ein, Erzählungen sind wirr.

Im Gespräch hängt er/sie plötzlich fest, sucht nach einem Alltagsbegriff, erzählt Unzusammenhängendes, wendet sich plötzlich einem anderen Thema zu.

  • Er/sie ist unkonzentriert und kann einfache Handlungen nicht mehr ausführen.

Er/sie versteht Fernsehsendungen nicht, kann Wechselgeld an der Kasse nicht nachzählen oder kann seine Schuhbänder nicht mehr zur Schleife binden. Die Handhabung eines Teesiebs oder einer Zahnbürste ist plötzlich unklar.

  • Er/sie ist orientierungslos, auch in gewohnter Umgebung.

Er/sie findet den Weg vom Bäcker nach Hause nicht mehr. Obwohl er/sie die Uhrzeit ablesen kann, weiß er/sie nicht, welche Tageszeit herrscht.

© sean - iStockWenn Sie die beschriebenen Verhaltensweisen bei einem angehörigen bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. (© sean - iStock)Vom Hausarzt zum Neurologen oder in die Gedächtnissprechstunde

Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Alzheimer oder eine andere dementielle Erkrankung ist der Hausarzt. Er kennt seinen Patienten in der Regel gut, so dass er in einem ausführlichen Gespräch Veränderungen feststellen kann. Er überweist den Betroffenen zu weiteren Untersuchungen an einen Neurologen oder zur Gedächtnissprechstunde.

Gedächtnissprechstunden oder -ambulanzen sind Einrichtungen, in denen Neurologen, Internisten, Psychiater, Psychologen und Sozialpädagogen zusammenarbeiten. Sie diagnostizieren dementielle Erkrankungen genau und beraten Betroffene hinsichtlich Pflege, Kosten und rechtlicher Fragen.

So diagnostiziert der Arzt eine Alzheimer-Erkrankung

Um den Verdacht auf eine Demenzerkrankung zu prüfen und die Art der Demenz zu bestimmen, führt der Neurologe meist eine Kombination von Testuntersuchungen durch. Gängige neurophysiologische Tests sind z. B. der DemTect und der Uhrentest.

Zur umfassenden Diagnosestellung nimmt der Arzt die Krankengeschichte auf, wobei der Patient und enge Angehörige befragt werden. Blut und Urin werden untersucht. Mit bildgebenden Verfahren wie EEG, MRT und CT wird das Gehirn auf Veränderungen geprüft.

DemTect: Früherkennung von Demenz

Der DemTect beinhaltet fünf Aufgaben zu Gedächtnis und Sprache. Seine Durchführung dauert etwa acht bis zehn Minuten. Anhand eines Fragebogens werden die Antworten der Testperson dokumentiert und anschließend unter Berücksichtigung des Alters in Punkte umgerechnet. Die Maximalpunktzahl beträgt 18, bei 8 Punkten und weniger besteht der Verdacht auf Demenz.

Uhrentest: Muster erkennen und zeichnen

Mit dem Uhrentest wird die Fähigkeit geprüft, Muster zu erkennen und wiederzugeben. Dazu erhält der Betroffene ein Blatt Papier mit einem vorgezeichneten Kreis. Seine Aufgabe ist es, das Zifferblatt zu ergänzen und eine bestimmte Uhrzeit, z. B. 10:22, einzuzeichnen.

Der Test dauert nicht länger als 5 Minuten, die Ergebnisse werden einer Punkteskala von 1 bis 6 zugeordnet. Dabei bedeutet 1, dass der Patient Ziffern, Zeiger und Uhrzeit fehlerlos einzeichnen kann. In Abstufungen werden die Punkte 2 bis 6 vergeben, wobei der Patient bei 6 nichts zeichnet. Er malt stattdessen Dinge, die nicht ansatzweise einer Uhr gleichen, oder schreibt lediglich Worte auf. Werte von 3 – hier ist beispielsweise das Ziffernblatt korrekt, die Uhrzeit jedoch falsch – und größer geben Hinweise auf eine Alzheimer-Erkrankung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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