Meine Mutter erkennt mich nicht mehr: So können Sie besser mit Demenzerkrankten umgehen

Frau Hintzen

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© HintzenChristiane Hintzen und ihre Mutter (© Hintzen)Dieser Artikel kann für Sie interessant sein, wenn es für Sie schwierig ist, dass Ihr Angehöriger Demenz hat. Doch muss es wirklich schwierig sein?

Woher kommt der schwierige Umgang mit Demenzerkrankten?

Meine Mutter (inzwischen verstorben) hat ab der Diagnose 10 Jahre mit Demenz gelebt. In dieser Zeit habe ich sie intensiv unterstützt. Ich habe währenddessen auch andere Demenzkranke und deren Angehörige kennengelernt. Sie ertrugen die wiederholten Fragen nicht. Oder das, für uns "Gesunde", unverständliche Verhalten und etliches mehr.

Konfrontieren Sie sich doch einmal mit der Frage: "Was ist mit mir los, dass ich die Demenz meines Angehörigen nicht aushalte oder als sehr schwierig empfinde?". Es ist schon normal zu sagen, dass Demenz anstrengend ist und andere genauso fühlen. Das würde heißen, es gibt keine Alternative. Hat man einen demenzkranken Angehörigen, ist es schwierig, schwer und schrecklich. So entstehen viele Ängste vor Demenz.

Wie kann ich lernen die Demenzerkrankung zu akzeptieren?

Wenn Sie mit dem Verhalten eines Demenzkranken an Ihre Grenzen stoßen, sind Sie aufgefordert, bei sich zu schauen. Alles Leid, das Sie fühlen, weil Sie den Zustand des Angehörigen nicht ertragen können, ist ein Zeichen dafür, dass Sie kindlich reagieren und nicht erwachsen. Sie wollen, dass Ihre Mutter sie erkennt. Für ein Kind ist es unerlässlich und lebenswichtig, dass die eigene Mutter weiß, wer da vor ihr steht.

Doch Sie sind eine erwachsene Tochter oder ein erwachsener Sohn. Natürlich darf es Sie im Herzen berühren. Das ist essentiell. Denn das zeigt, dass Sie den demenzkranken Angehörigen mit dem Herzen unterstützen und ihn wertfrei annehmen. Berührtsein ist etwas völlig anderes als Überforderung. Betrachten Sie Ihren Angehörigen wie ein kleines Kind, das die Welt verstehen will, so will der Demenzkranke seine Umgebung und Sie verstehen.

Ein Demenzkranker ist authentisch. Wenn er wütend ist, zeigt er Wut. Wenn er traurig ist, weint er. Wenn er Freude spürt, lacht er. Wenn er etwas nicht versteht, wird er unruhig. Der demenzkranke Mensch zeigt sich. Und das ist etwas, was wir vermeintlich "Gesunde" oftmals nicht leben oder sogar nicht kennen. Wir reißen uns zusammen, wenn wir ärgerlich sind. Wir zeigen unsere Zuneigung nicht, aus Angst vor Ablehnung und vielen anderen Beispielen.

Fazit

Zeigen Sie symbolisch gesagt nicht mit dem Finger auf den Demenzkranken, nach dem Motto: Der ist schwierig. Trauen Sie sich zu, sich einzugestehen, dass es Ihnen an erwachsener Stabilität fehlt, wenn Sie mit dem demenzkranken Angehörigen nicht umgehen können oder wollen. Es ist immer früh genug, sich selbst zu erkennen und sich zu motivieren, stabiler zu werden. Wenn Sie daran arbeiten, kann das Zusammensein mit Ihrem demenzkranken Angehörigen ein Genuss werden. Es liegt an der inneren Haltung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


30.08.2020 - 11:15 Uhr

Mein Mann ist 62 Jahre alt und hat eine vaskuläre...

von Ute G.

... Demenz. Er ist seid 10 Wochen im Heim, erkennt mich, redet mit mir und lacht. Meine Frage ist die Ohr- Akupunktur, ich habe viel darüber gelesen, ich würde gern ihre Meinung darüber wissen und was sie davon halten. Würde mich sehr über eine Rückantwort freuen. Lg Ute

Frau Hintzen

Antwort vom Autor am 02.09.2020
Christiane Hintzen

Liebe Ute G., vielen Dank für Ihre Frage. Da ich Heilpraktikerin für Psychotherapie bin, kenne ich mich mit medizinischen, bzw. alternativen Therapien bezüglich der Demenz nicht aus. Es tut mir leid, dass ich Ihnen dahingehend keine Hilfe anbieten kann. Meine Mutter hatte ebenfalls vaskuläre Demenz. In der damaligen Zeit bekam sie zur Unterstützung ein Antidemenzmittel, dass bei ihr auch sehr gute Wirkung zeigte. Sie konnte sich besser erinnern. Ich spreche hier auch von der Anfangszeit der Demenz bei meiner Mutter. Ich freue mich, wenn es mittlerweile noch weitere therapeutische Möglichkeiten gibt, die es dem an Demenz erkrankten Menschen erleichtern können. Sie verhalten sich sehr gut. Holen Sie sich Informationen und horchen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Es wird ein guter Ratgeber sein in dieser sensiblen Situation . Von Herzen wünsche ich Ihnen Kraft und das Sie der Situation und dem Zustand Ihres Mannes innerlich gelassen begegnen können. Anfänglich eine Herausforderung und doch wirklich machbar. Herzlichst, Christiane Hintzen

26.08.2020 - 01:47 Uhr

Ich wäre froh, wenn Sie mir einen Rat geben...

von Maria E.

... könnten. Meine Mutter erkennt mich manchmal nicht mehr und meint dann ich hätte eine Schwester - nach der sie auch immer wieder frägt.. "wo ist denn jetzt die andere? ich weiß gar nicht wie die andere heißt... " wenn ich und mein vater sagen dass es keine andere als mich gibt, dann wird sie ganz verstört. Soll ich ihr besser nachgeben und mir praktisch eine Schwester andichten lassen? oder sie aufklären dass ich es bin und es keine zweite gibt? Ich merke, dass sie es verwirrt wenn ich sage, dass es die andere nicht gibt. Doch bisher wollte ich bei der Wahrheit bleiben. Könnten Sie mir dazu etwas sagen? Vielen dank schon mal, mfg maria

Frau Hintzen

Antwort vom Autor am 27.08.2020
Christiane Hintzen

Liebe Maria E., es ist sehr nachvollziehbar, dass Sie verunsichert sind und in dieser Situation nicht genau wissen, was besser ist. Da Sie meinen Artikel gelesen haben, wofür ich mich sehr bedanken möchte, haben Sie sicher erkennen können, dass mein Ansatz der ist, sich selbst als Angehöriger zu hinterfragen. Das tun Sie und das ist stimmig. Nun möchte ich auf Ihr Beispiel, Ihre Situation eingehen. Anscheinend gibt es für Ihre Mutter diese Schwester. D.h. es ist die "Wahrheit für die Mutter". Wenn Sie nun Ihre Mutter korrigieren, wird sie verständlicherweise verwirrt. Doch fragen Sie sich selbst einmal: "Wieso ist es für mich - Maria - so wichtig, (meine) Wahrheit rüber zu bringen?" Bei der Demenz nimmt beim Menschen der Verstand, die Ratio mehr und mehr ab. Die Kopfarbeit wird immer geringer. Dem gegenüber steht das Gefühl, die Emotionen oder anders ausgedrückt die Herzarbeit. Nehmen Sie Ihre Mutter ernst. Denn im Herzen Ihrer Mutter gibt es diese Schwester. Dann sagen Sie z.B., dass sie gerade nicht da sei oder sie auch nicht wüssten, wo sie wäre oder sie kommt bestimmt noch vorbei. Horchen Sie auf Ihr Bauchgefühl! Nicht auf den Kopf. Der will sowieso nur Recht haben. Damit allerdings bekommen Sie keine Nähe zur Mutter. In der Demenz geht es im Kontakt um Herzensnähe, nicht um richtig und falsch, Wahrheit oder Lüge. Die Demenz ist ein "Feld" in dem man sich als Angehöriger eines an Demenz erkrankten Menschen prüfen kann, ob man Recht haben will oder bereit ist, das eigene Herz für die Veränderung des Demenzkranken wirklich zu öffnen. Vielleicht konnte ich Ihnen mit dieser Antwort etwas Unterstützung bieten. Sollten Sie noch offene Fragen haben, können Sie sehr gerne mit mir telefonisch in Kontakt treten. Ein kraftvoller Gruß aus meinem Herzen, Christiane Hintzen


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