Emotionale Neu-Synchronisation bei Partnerschaftsproblemen

© Yuri Arcurs - Fotolia.com

Jedem Paar kommt das bekannt vor: Aus dem Nichts heraus eskaliert eine scheinbar völlig banale Situation zu einem heftigen Streit. Das Ergebnis ist, wenn das oft vorkommt, eine Entfremdung der beiden Partner.

Wenn beide gutwillig sind und die Lage nicht schon hoffnungslos verfahren ist, dann wird der Versuch gestartet, mit einem klärenden Gespräch die Lage zu entschärfen. Das klappt aber meistens nicht so recht, weil die Partner sich immer wieder in die gleichen Vorwürfe und Anklagen verstricken, frei nach dem Motto: Wer ist eigentlich schuld?

Eine andere Form ist das Gespräch mit einem neutralen Dritten, zweckmäßigerweise einem professionellen Therapeuten. Das scheitert oft am Einspruch einer der Beteiligten, indem finanzielle Gründe genannt werden oder auch Unwille darüber gezeigt wird, vor einer fremden Person sehr persönliche Themen zu bereden.

Aber was bleibt dann noch? Nach meiner Erfahrung ist hier das Verfahren der emotionalen Neu-Synchronisation manchmal sehr hilfreich. Was beinhaltet der Begriff?

In Zeiten der heftigen Verliebtheit findet man das Allermeiste, was der Partner sagt, oft gut, zumindest aber nicht kritikwürdig: Der andere wird einfach so akzeptiert, wie er bzw. sie ist. Dies hängt sehr stark mit der speziell in der Anfangsphase oft extrem vorhandenen Neigung zur Symbiose zusammen, die sich auch im Nähefaktor ausdrückt: Diese Nähe wird exzessiv gesucht, in welchem Bereich auch immer, und wird in der Regel auch als beglückend und energetisierend erlebt.

Je länger die Beziehung andauert, umso mehr vermindert sich bei den meisten Paaren diese Form der emotionalen Synchronisierung: Konnte zu Anfang das Bett nicht klein genug sein, so werden nach einigen Jahren getrennte Zimmer gewünscht, für die es durchaus gute Gründe gibt.

Aber auch andere Rituale aus der Frühzeit reduzieren sich deutlich: Viele Paare berühren sich kaum noch, von erotischer Besessenheit redet keiner mehr. Als Folgeerscheinung kommen Unstimmigkeiten auf, indem mehr gegeneinander als miteinander geredet wird. Der einstige Gleichklang der Seelen weicht zurück hinter einer Streitkultur, die oftmals auch noch Fairness auf beiden Seiten vermissen lässt. Dieses Streiten und Rechthabenwollen ist aus meiner Sicht eine Folge von nicht synchronisierten Gefühlen, die bei Nichtbearbeitung unausweichlich in Resignation und Verbitterung führen.

Fazit: Der ursprünglich vorhandene Gleichklang in der Beziehung des Paares besteht nicht mehr, er muss durch eine Neu-Synchronisation wieder hergestellt werden.

Natürlich kommt bei dieser Erkenntnis automatisch die Frage, wie denn dieser Zustand wieder geändert werden kann. Wenn noch ein grundlegender Respekt und Sympathie für den anderen vorhanden ist, sind die Chancen nicht schlecht für eine Neu-Synchronisation. Dazu müssen alte verbindende Beziehungsrituale wiederbelebt und möglicherweise neue geschaffen werden, die dem veränderten Zustand der Beziehung Rechnung tragen. Vermutlich steht dann nicht mehr Leidenschaft an erster Stelle, sondern Harmonie, Solidarität und Vertrauen. Lohnenswert ist der Versuch allemal, egal, ob er in eigener Regie oder mit Unterstützung eines Beraters durchgeführt wird.

Die folgenden drei Schritte sind empfehlenswert:

  1. Bestandsaufnahme: Was funktioniert gut in der Beziehung, was nicht? Sehr wichtig ist es, die positiven Aspekte herauszustellen. Es reicht, wenn jeder die positiven sowie negativen Aspekte zuerst einmal allein aufschreibt, um diese danach zu einem verabredeten Zeitpunkt mit dem Gegenüber zu besprechen. Gibt es überhaupt keine positiven Merkmale mehr auf beiden Seiten, dann hat die Beziehung wenig Chancen für einen Neubeginn. 
  2. Aufbauphase: Wie können die beiden die funktionierenden Punkte stärken und vielleicht noch ausbauen? Wie können Streitpunkte befriedet werden, ohne dass Zorn zurückbleibt? Suche nach gemeinsamen Feldern, die für beide interessant sind. Im Optimalfall wird eine gemeinsame Leidenschaft gefunden, die möglicherweise bisher völlig brachgelegen hat.
  3. Ausrichtungsphase: Definition von gemeinsamen Lebenszielen. Was wollen wir als Paar gemeinsam erreichen? Sehr hilfreich kann es hierbei sein, wenn ein gewisser geistiger Anspruch damit verbunden ist. Damit wird erreicht, dass die Beziehung mehr Tiefe und Verbindlichkeit gewinnt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 3

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (6)

E., 14.05.2014 - 01:42 Uhr

Ich habe das Gefühl, dass der Artikel, welcher so gut anfing, abrupt geendet hat und hätte mir viel mehr Ausführlichkeit in Form von Definition der angesprochenen Synchronisation erhofft. Es liest sich wie ein Anfüttern für ein Buch und lässt einen unbefriedigt zurück.

Antwort von Claus-Dieter Marowsky, verfasst am 14.05.2014

Danke für den Hinweis. Der Artikel wird gerade von mir überarbeitet und sollte im Laufe der nächsten Woche in der Neufassung erscheinen. Claus Marowsky

Claus, 12.05.2014 - 11:59 Uhr

Sie haben recht, dass die Neubewertung einer Partnerschaft nicht einfach ist, vor allem dann, wenn das Paar dies ohne Hilfe von außen probiert. Die alten Muster zeigen sich dabei wieder: Es werden "alte Kisten" aus dem Keller geholt, und schnell verzweifelt man. Ich empfehle, einen Außenstehenden hinzu zu ziehen, enge Freunde sind dazu meist nicht geeignet, weil sie zu dicht dran sind.

Anne, 11.05.2014 - 20:31 Uhr

Ganz schön schwierig

Lili, 25.01.2013 - 16:37 Uhr

Ich habe Probleme mit mein Partner wegen Sex,bin jetzt in Wekseljahren und habe kein Lust auf auf Sex,er ist aber sehr lustvoll.Was soll ich machen? Vielen Dank Lili

Antwort von Claus-Dieter Marowsky, verfasst am 29.01.2013

Das ist ein sehr heikles Thema, das in vielen Partnerschaften nach einiger Zeit auftrittl. In jedem Einzelfall muss dabei überlegt werden, ob sich hier Möglichkeiten ergeben, die beiden Partnern gerecht werden. Dies läßt sich nicht in ein paar Zeilen schreiben. Wenn Sie mögen, können Sie mich unter meiner Nr. 06174-3818 anrufen. Herzlichen Gruß Claus Marowsky

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?