Gesundheitsfaktor Partnerschaft: 5 Erkenntnisse nach Gottman

Worauf kommt es bei einer gesund geführten Partnerschaft an? (© Iurii Sokolov - fotolia)

Der positive Einfluss einer zufriedenen Partnerschaft auf die psychische und physische Gesundheit ist inzwischen hinreichend bekannt und erforscht. Wie aber schaffen es Paare, eine zufriedene Partnerschaft zu pflegen? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Der Paarforscher John Gottman (US-amerikanischer Psychologe, geb. 1942) hat dazu mehr als 30 Jahre lang zahlreiche Paare untersucht und ist zu einigen erstaunlichen Erkenntnissen gelangt, die ich Ihnen gerne vorstellen möchte.

1. Zufriedene Partnerschaften gründen auf tiefer Freundschaft

Was Paare also über lange Zeit zusammenhält und ihre Beziehung attraktiv macht, sind nicht (oft überhöhte) Erwartungen an eine dauerhaft hohe erotische Anziehung, denn diese schwankt erfahrungsgemäß. Sondern es ist die verbindende Freundschaft, die Freude am Miteinander und an dem, was beide miteinander teilen – eben wie gute Freunde.

2. Das Verhältnis von Kritik und wertschätzendem Umgang beträgt 1:5

Oft ist dieser Wert jedoch viel mehr als 5. Diese Erkenntnis stellt die weitverbreitete Idee von „je mehr ich dich kritisiere, umso eher verbessere ich unsere Beziehung“ absolut infrage. Kritik als Drehschräubchen für mehr Glück? Das Gegenteil ist der Fall! Statt Fehler beim anderen zu suchen und zu finden, ist das Einüben eines liebevollen, wertschätzenden Blicks entscheidend. Wie wir den andern sehen, durch welche Brille wir die Partnerin wahrnehmen, macht viel aus. Sie können lernen, einen wohlwollenden Blick zu trainieren.

Was macht Ihr Partner gut? Welches Verhalten Ihrer Partnerin freut Sie? Was mögen Sie an ihr/ihm? Wo hat sie der Partner positiv überrascht?

3. Der destruktive Kreislauf von Vorwurf, Rechtfertigung, neuer Vorwurf, Rechtfertigung sollte schnell unterbrochen werden

Denn diese Art von Streit geht mit hohem Adrenalinspiegel einher. Beschleunigter Puls, starke Erregung, rote Haut, geballte Fäuste zeugen davon. Verbale und physische Gewalt kennzeichnen diese Art von Streit.

Wenn man sich bedroht fühlt, wird Adrenalin ausgeschüttet, um kämpfen oder flüchten zu können. Was als Notprogramm zum Überleben sinnvoll ist, taugt jedoch nicht für die kreative Konfliktlösung. Biologisch ist es also nicht möglich, unter Adrenalin ein klärendes, gutes Gespräch zu führen – geschweige denn, einen Kompromiss zu finden.

Deshalb ist es sehr gesund, solche Streits schnell zu stoppen. Denn sie gehen nahezu immer mit seelischen Verletzungen einher, die die Entfremdung der PartnerInnen vergrößern.

4. Zufriedene Paare bleiben neugierig aufeinander

Die Neugier zu pflegen ist ein Gegenkonzept zum gelangweilten „ich weiß eh schon alles über dich“, bei dem man gar nicht mehr hinschaut und auch nichts Neues erwartet. Sich die Neugier zu erhalten, fördert nicht nur die Freude aneinander, sondern macht das gemeinsame Leben auch spannend. „Sag mal, wie machst du das bloß mit der Lea, dass sie bei dir abends immer so gut einschläft?“ Oder „Wie hast du es bloß geschafft, im Job diese Aufgabe zu bekommen?“

5. Die meisten Paarprobleme sind unlösbar, weil sie mit den Unterschieden der Persönlichkeiten zusammenhängen

Ein Beispiel sind unterschiedliche Schlafgewohnheiten (sie mag es mit offenem Fenster und hell, er bevorzugt sehr warme, dunkle Räume). Darüber lässt sich endlos streiten – oder aber, man lernt, einander zu akzeptieren. „Mein Partner ist anders als ich“. Dann ist der Weg geebnet, um Lösungen zu finden oder Kompromisse oder man wechselt ab etc. „Einigen wir uns darauf, dass wir darüber uneins sind“ könnte ein geflügeltes Wort werden – bevor man noch länger Energie darauf verschwendet, den andern so zurechtzubiegen, wie man ihn/sie gerne hätte.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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