Internetinfos zur Vasektomie – immer korrekt?

Informationen zur Vasektomie sollte man am besten beim Arzt einholen. (© Ocskay Mark - fotolia)
Die Vasektomie ist eine sichere Form der Verhütung. Internationalen Daten zufolge liegt die Komplikationsrate gerade einmal bei 0,2 % (1). Der Pearl-Index, das Maß für die Zuverlässigkeit von Verhütungsmitteln, liegt für die Vasektomie bei 0,1. Sie ist somit zuverlässiger als Pille und Kondom.
 
Der Vorteil der Vasektomie liegt unter anderem in der Durchführbarkeit in lokaler Betäubung. Es unterziehen sich jedoch bedeutend mehr Frauen einer komplikativeren chirurgischen Eileiterdurchtrennung in Vollnarkose als Männer sich vasektomieren lassen. Und die Anzahl der Vasektomien in der westlichen Welt sinkt sogar (2). Woran liegt das?
 
Ein Faktor ist die Art unserer heutigen Informationsbeschaffung. Sie erfolgt nämlich zu 90 % im Internet (3). Das ist zwar praktisch, eine Beurteilung der Qualität und des Wahrheitsgehaltes ist aber nicht immer sofort möglich. Und eine Prüfung der meisten Online-Inhalte erfolgt nicht. Mythen über mögliche Folgen der Vasektomie wie Beeinträchtigung des Sexuallebens, Hoden- und Prostatakrebs sowie Autoimmunerkrankungen kursieren deshalb dauerhaft, obwohl sie in der Fachpresse widerlegt sind (1).
 
Kein Wunder also, dass bei der Fülle der angebotenen Inhalte bei diesem Thema Unsicherheit herrscht. Unwissenheit und Fehlinformationen sind somit sicherlich ein wesentlicher Grund für die die Zurückhaltung der Männer. Qualitativ hochwertige und gleichzeitig niederschwellige Informationen sind aber für den Entscheidungsprozess extrem wichtig.
 
Eine Forschergruppe aus den USA hat kürzlich den Wahrheitsgehalt von Beiträgen zur Vasektomie auf dem Portal YouTube untersucht (4). Sie kam zu wenig erstaunlichen Ergebnissen. Insgesamt 78 Videos mit Inhalten zur Vasektomie wurden analysiert. Die Videodauer betrug durchschnittlich etwa 6 Minuten mit im Schnitt etwa 217.000 Views. Das Verhältnis von durchschnittlich 3.000 Likes zu nur 120 Dislikes illustriert, wie sehr diesen Beiträgen Glauben geschenkt wurde.
 
Die wissenschaftlich solide Auswertung der Forscher zeigte, dass in 17 % falsche Informationen sowohl von Ärzten als auch von Vloggern verbreitet wurden. Oft wurde irrigerweise ein sofortiger Effekt der Vasektomie angegeben, was etwas heikel ist. Denn diese Falschinformation kann genau das Gegenteil einer Verhütung zur Folge haben. Richtig ist nämlich, dass die Zeugungsunfähigkeit erst nach zwei bis drei Monaten eintritt. Eine Phase parallel eingesetzter Verhütungstechniken ist also wichtig. Bis das Fehlen der Samenfäden im Sperma unter dem Mikroskop zweimal hintereinander bestätigt ist.
 
Dass im Internet eklatante Fehlinformationen zu Gesundheitsthemen verbreitet werden, haben wir während der Corona-Pandemie erfahren (5). Diese Studie belegt jedoch zum allerersten Mal, dass auch Berichte zur Vasektomie im Internet nicht immer korrekt sind. Für Vasektomieinteressierte bedeutet dies: Bei der Recherche sollte man auf die Glaubwürdigkeit der Quellen achten.
 
Und warum nicht bei diesem, alle Geschlechter betreffenden Thema, sich die Zeit für einen realen Besuch beim Hausarzt, Urologen oder Gynäkologen nehmen? Denn die qualifizierte, persönliche Beratung zur Verhütung inklusive der Untersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen. Vielleicht räumt das mit manchem Vorurteil auf.

1 Shih, G., Turok, D. K., Parker, W. J. (2011). Vasectomy: The other (better) form of sterilization. Contraception, 83(4), 310–315
2 Ostrowski, K. A., Holt, S. K., Haynes, B., Davies, B. J., Fuchs, E. F., Walsh, T. J. (2018). Evaluation of vasectomy trends in the United States. Urology, 118, 76–79.
3 Perrin, A., Anderson, M. (2019). Share of U.S. adults using social media, including Facebook, is mostly unchanged since 2018. Pew Research Centre.
4 Lang, J., Giffen, Z., Hong, S., Demeter, J., El-Zawahry, A., Sindhwani, P., Ekwenna, O. (2022). Assessing Vasectomy-Related Information on YouTube: An Analysis oft he Quality, Understandability, and Actionability of Information. American Journal of Men´s Health
5 Szmuda, T., Syed, M. T., Singh, A., Ali, S., Özdemir, C., Słoniewski, P. (2020). YouTube as a source of patient information for coronavirus disease (COVID-19): A content-quality and audience engagement analysis. Reviews in Medical Virology, 30(5), Article e2132 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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