Klitoraler Orgasmus: eine Frage der Anatomie?

Dr. von Lukowicz

von
verfasst am

© Gina Sanders - Fotolia.com© Gina Sanders - Fotolia.comBis heute sind sich Sexualforscher nicht einig, was dem weiblichen Orgasmus zuträglich ist oder was ihn zu verhindern vermag. Sind es rein psychologische Gründe oder können anatomische Gegebenheiten eine Rolle spielen?

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud unterschied streng zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus. Und er behauptete, eine Frau, die keinen vaginalen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr erlebe, sei psychologisch unreif oder gehemmt.

Ausgerechnet Freuds Vertraute Marie Bonaparte, ebenfalls Psychoanalytikerin und eine Urgroßnichte Napoleons, hatte 1924 eine ganz andere - eine anatomische - Theorie. Ihrer Meinung nach erlebten Frauen, deren Klitoris näher an den Harnröhrenausgang gelegen ist, häufiger Orgasmen als Frauen, bei denen der Abstand größer ist. Sie hatte bei 43 Frauen diese Distanz vermessen und die Frauen zu ihren sexuellen Erlebnissen befragt. Und sie kam zu dem Schluss: Je näher die Klitoris am Harnröhrenausgang ist, desto häufiger erlebten die betroffenen Frauen einen Orgasmus. Da sie selbst nie einen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr bekommen hatte, entwickelte sie zusammen mit einem Chirurgen eine OP-Technik, um den Abstand zwischen Klitoris und Vagina zu verringern. Leider mit fatalen Folgen, denn dabei wurden die zur Klitoris führenden Nerven und damit die Gefühlsempfindung durchtrennt.

Inzwischen sind fast 100 Jahre vergangen und die OP-Techniken haben sich stark weiterentwickelt. Das Interesse der Sexualforscher an der weiblichen Orgasmusfähigkeit hat nicht nachgelassen. Aber erst im vergangenen Jahr haben Forscher die Untersuchungen von Marie Bonaparte und Carney Landis, einem amerikanischen Sexualforscher, der 1940 zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam, ausgegraben und analysiert. Kim Wallen und Elisabeth Lloyd haben in einem Artikel die sexuelle Erregbarkeit der Frau und den Zusammenhang mit ihrer Genitalanatomie beschrieben.
Sie haben dazu die Fallstudien von Bonaparte und Landis verglichen, die unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren. Beide haben festgestellt, dass ein kürzerer Abstand zwischen Klitoris und Harnröhrenausgang die Wahrscheinlichkeit, einen Orgasmus während des Geschlechtsverkehrs zu erleben, stark erhöht. Etwa 2,5 cm sei die ideale Distanz, die sowohl den von Bonaparte als auch von Landis befragten Frauen die häufigste Orgasmuswahrscheinlichkeit bot.

Also eine Orgasmus-OP? So einfach geht das sicher nicht. Aber die Operationsmethoden sind im Intimbereich seit den Zeiten von Marie Bonaparte weit fortgeschritten. Bei einer Intimoperation werden keine für den Orgasmus wichtigen Nerven mehr durchtrennt, da ein erfahrener Chirurg die Anatomie der Frau bestens kennt und immer darauf bedacht ist, die volle Sensibilität zu erhalten.

Bei einer Schamlippenverkleinerung mit Klitorismantelkorrektur wird die Klitoris selbst nicht angetastet und damit die Gefühlskapazität nicht beeinträchtigt. Ein angenehmer Nebeneffekt ist aber, dass sich durch eine spezielle Operationstechnik zur Straffung des Klitorismantels und zur Verkleinerung der inneren Schamlippen der Abstand zwischen Klitoris und Harnröhrenausgang verringern lässt. Daher ist es nicht erstaunlich, dass viele Frauen nach einer Labialplastik über eine erhöhte Erregbarkeit und häufigere Orgasmen beim Geschlechtsverkehr berichten. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Klitoris stärker vom Penis stimuliert werden kann als wenn der Abstand zum Scheideneingang größer ist.

Selbstverständlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle und die psychologischen sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil in einem erfüllten Sexualleben. Eine Frau, die durch eine Korrektur im Intimbereich glücklicher und selbstbewusster geworden ist, kann auch die Sexualität besser genießen. So spielen also beide Aspekte eine Rolle: die Anatomie und die Psychologie.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
19
Interessante Artikel zum Thema „Sexualität & Partnerschaft”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Kommentare zum Artikel (5)


23.02.2016 - 10:27 Uhr

Mein Problem ist, das ich noch nie einen vaginalen...

von Jenny

... Orgasmus bekommen habe. Beim Geschlechtsverkehr tut sich einfach nichts. Klitoral habe ich keine Probleme klappt immer. Meine Beziehung leidet stark darunter, weshalb ich bereits an eine OP gedacht habe.

Dr. von Lukowicz

Antwort vom Autor am 24.02.2016
Dr. med. Dominik von Lukowicz

Hallo Jenny, die Klitoris ist eigentlich bei allen Frauen eine erogene Zone. Wenn das gut klappt ist das super. Der vaginale Orgasmus ist deutlich schwieriger in dem Sinne, dass er eben nicht so selbstverstaendlich ist. Viele Frauen bekommen keinen vaginalen Orgasmus. Ich persönlich bin der Meinung, dass zwar der so genannte G Punkt nachgewiesen werden konnte, dies aber eigentlich keine Bedeutung hat. Wichtig fuer die Frau ist, ob dieser auch eine erogene Zone darstellt. Ist dies nicht der Fall, das heisst es lässt sich vaginal kein Orgasmus ausloesen, weder bei GV noch mit anderen Hilfsmitteln, so wird eine Operation auch nicht helfen. Ich wäre zumindest äusserst vorsichtig und zurückhaltend. Der Artikel bezieht sich eigentlich auch mehr auf die Anatomie der Klitoris und deren Lage in Bezug auf den Vaginaleingang. Ist hier ein großer Abstand, so lässt sich das evtl. Korrigieren und die Klitoris muss nicht gesondert stimuliert werden, sondern wird dann beim Eindringen des Partners besser mitstimuliert. Dominik v. Lukowicz

15.03.2015 - 16:43 Uhr

Wird diese OP von der Krankenkasse übernommen...

von leenii

... oder muss man die Kosten selbst tragen ... wenn ja, was kostet solch ein Eingriff in etwa? Mfg Leenii

Dr. von Lukowicz

Antwort vom Autor am 17.03.2015
Dr. med. Dominik von Lukowicz

Hallo Leenii, ob ein Eingriff von der Kasse übernommen wird, hängt erstens davon ab, um welches Krankheitsbild es sich handelt und zweitens, ob es in den Leistungskatalog der Kasse fällt. Insgesamt sind die Kassen bei intimchirurgischen Eingriffen sehr zurückhaltend. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem Eingriff. Dies lässt sich meist erst nach einer Untersuchung festlegen. Viele grüße Dominik v. Lukowicz

03.12.2014 - 02:49 Uhr

Hallo Ich habe vor zwei Jahren mir die...

von Rina

... schamlippen und Klitoris verkleinern lassen, seitdem fühle ich nicht mehr so wie vor, bekomme kein Orgasmus und meine Erektion ist nicht mehr so wie vor. Habe schon viele Berichte gelesen und auch meine Frauenärztin danach gefragt, sie sagt, das eindeutig an dem Klitoris liegt, das dürfte nicht geschnitten werden. Der Arzt der mir die OP gemacht hat , sagt da gegen. Daher habe ich eine Frage an Sie , gibt es für mich noch eine Hoffnung..

Dr. von Lukowicz

Antwort vom Autor am 05.12.2014
Dr. med. Dominik von Lukowicz

Liebe Rina, das klingt nicht so gut. Es kommt jetzt sehr darauf an, was genau gemacht wurde im Rahmen der Operation. Das müsste ich mir ansehen um mehr sagen zu können. Normalerweise wird ja im Rahmen der Schamlippenverkleinerung auch mit Klitorismantelkorrektur die Klitoris selbst nicht verletzt. Ich habe jetzt an die Tausend dieser Operationen gemacht und nicht eine einzige hat weniger Gefühl als vorher und viele sogar mehr. Wie gesagt, da kann man nur anhand der Narben und ggf. des OP Berichtes versuchen zu verstehen was gemacht wurde. In Einzelfällen kann man durch die Operation z.B. mit Anheben der Klitoris eine Verbesserung bewirken. Ich kann Ihnen nur anbieten es mir unverbindlich anzusehen. Viele Grüße Dominik v. Lukowicz

17.10.2014 - 00:57 Uhr

Wenn die Klitoris klein ist, was gibt es dann für...

von susanne

... Möglichkeiten?

Dr. von Lukowicz

Antwort vom Autor am 17.10.2014
Dr. med. Dominik von Lukowicz

Hallo Susanne, grundsätzlich hat die Größe der Klitoris nicht zwangsläufig etwas mit der Funktion zu tun. Es gibt Fälle, da ist die Klitoris zu weit oben und kann operativ nach unten mobilisiert werden. Das muss man sich einfach im Einzelfall ansehen. Viele Grüße Dominik v. Lukowicz

07.09.2014 - 14:21 Uhr

also ist innerlich garkein orgasmus zu erlangen,...

von Carina

... nur durch die Äußere wird so richtig stimmuliert! Hab aber sowas in der Art gelesen, wie: man kann im inneren scheidenausgang, haut rausnehmen, dann kann man, sorichtig innen und außen kommen???

Dr. von Lukowicz

Antwort vom Autor am 17.10.2014
Dr. med. Dominik von Lukowicz

Hallo Carina, auch wenn die Anatomie meist sehr ähnlich ist, können manche Frauen innen und andere aussen kommen, manche innen und aussen und wieder andere gar nicht. Natürlich ist auch die psychische Situation nicht zu vernachlässigen. Von einer OP die über Hautentfernung funktioniert habe ich noch nicht gehört. Im Rahmen von anderen Ops wird manchmal Haut entfernt (z.B. bei der Schamlippenverkleinerung). Dabei beobachten wir häufig eine deutlich bessere Erregbarkeit Viele Grüße Dominik v. Lukowicz


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete und Lexikon-Inhalte

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon